3.7 Naturlandschaften

3.7 Naturlandschaften

Einleitung

Es gibt zahlreiche Versuche, die Steiermark in naturräumlich einheitliche Gebiete zu gliedern, der Schulatlas Steiermark bietet hierfür die modernste Version. Sie hat den Vorteil, ausschließlich traditionelles, ortsübliches Namensgut zu verwenden und eine für schulische Zwecke ausreichende und doch übersichtliche Differenzierung zu bieten. 

Die Naturlandschaftsgliederung kann mit einer einfachen Typisierung nach geologisch-formenkundlichen Merkmalen überlagert und somit leichter nachvollzogen werden.

Didaktik


Erklärung

Naturlandschaftsgliederung der Steiermark

Nicht zu Unrecht steht die Steiermark im Ruf, eine große Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften zu besitzen. Auch die erste Strophe der Landeshymne spannt einen Bogen vom Hochgebirge („Hoch vom Dachstein an“) zu den Hügelgebieten („Rebenland“) im Alpenvorland. Freilich zeigt der Vergleich mit den meisten anderen österreichischen Bundesländern, dass die Steiermark darin keinesfalls einzigartig ist. Als spezielle Merkmale bzw. Besonderheiten der Steiermark können u. a. gelten:

  • Die Steiermark erschließt ein Landschaftsprofil von den Nordalpen bis zum Südrand der Alpen bzw. zum Südöstlichen Alpenvorland.
  • Mit einer Fläche von 12 673 km2 (Gültigkeit der Alpenkonvention), das sind mehr als drei Viertel des Landes, besitzt die Steiermark von allen Bundesländern die größte Gebirgsfläche (zum Vergleich: Fläche des Bundeslandes Tirol: 12 648 km2).
  • Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten (Hoher Dachstein, 2 996 m) und dem tiefsten Punkt (Mur beim Austritt aus dem Land nahe Bad Radkersburg, 200 m) beträgt knapp 2 800 m. Dieser Wert liegt in den westlichen Bundesländern jeweils höher und deutet auf einen gegenüber diesen abgeschwächten Gebirgscharakter an.
  • In keinem anderen Bundesland gibt es so viele inneralpine Becken (das größte ist das Judenburger-Knittelfelder Becken), wofür das Auseinandertreten der alpinen Gebirgsketten nahe dem Alpenostrand verantwortlich ist.
  • Beherrschendes Landschaftselement der Steiermark ist ganz eindeutig der Wald, der – je nach Quelle – an die 60 % der Landesfläche bedeckt (zum Vergleich: Österreich um 40 %).
  • Der geographische Mittelpunkt der Steiermark liegt in 47°43’ nördl. Breite und 15°26’ östl. Länge an der Nordabdachung der Gleinalpe in der Gemeinde St. Stefan ob Leoben. Zufällig befindet er sich in einer für die Steiermark tatsächlich besonders typischen, waldreichen Mittelgebirgslandschaft mit einzelnen Bergbauernhöfen.

Erklärung

Landschaftshaupteinheiten der Steiermark

Die Karte zeigt eine Gliederung der Steiermark in naturräumlich abgegrenzte Landschaftseinheiten mit traditionellen Namen. Sie spiegelt die komplizierte Topographie der Steiermark wider und gliedert diese in Gebirgsgruppen, Täler, Becken, Pass- und andere Landschaftseinheiten mit traditionellen, ortsüblichen Namen. Die Nebenkarte zeigt eine Zusammenfassung in Großlandschaften, wie sie auch zur naturräumlichen Gliederung des gesamten österreichischen Staatsgebietes verwendet wird.

  • Nordalpen: Vorherrschend (aber nicht ausschließlich) aus Kalken und Dolomiten aufgebaute Gebirgsmassive, meist mit ausgeprägtem Hochgebirgscharakter. Ihren Südrand bildet die Nördliche Längstalfurche, die die Steiermark von Westen nach Osten entlang von Enns, Palten, Liesing, Mur und Mürz durchzieht.
  • Zentralalpen: Vorherrschend aus kristallinen Gesteinen aufgebaute, meist lang gestreckte Gebirgszüge mit in den Niederen Tauern ausgeprägtem, nach Osten jedoch abklingendem Hochgebirgscharakter. Den Fuß des Steirischen Randgebirges bildet der Alpenrand, eine besonders markante und visuell sehr reizvolle Landschaftsgrenze.
  • Vorland: Vorherrschend aus Lockergesteinen wie Sand und Kies aufgebaute Riedelländer (Riedel = lang gestreckte Hügelzüge), unterbrochen von Einzelerhebungen und kleinen Bergländern. Es handelt sich um eine Übergangslandschaft zu den Niederungen des Pannonischen Beckens.


Quelle und Bearbeiter

Quellenverzeichnis

Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568

Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

Autorinnen und Autoren

Text:
Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb (2004)

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Kartengestaltung:
Mag.a Edeltraud Pirker (2004)

Arbeitsmaterialien:
Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb, Mag.a Dr.in Marlies Pietsch, Dr. Wolfgang Fischer

Web-Bearbeitung:
Mag.a Bernadette Kreuzer (2019)


Didaktik

Dieser Themenbereich wird vornehmlich im Sachunterricht der 4. Schulstufe erarbeitet. Er ist aber auch zur Einordnung von Fallstudien in allen Jahrgängen von der 3. Schulstufe aufwärts geeignet, besonders im Rahmen des übergeordneten Bildungsbereiches „Österreich“ im GWLehrplan der Sekundarstufe I.

Die formulierten Lehrplanbezüge versuchen das jeweilige
Thema mit verschiedenen Lehrplaninhalten bzw. Lehrplanforderungen zu
verknüpfen. Die möglichen Lernziele, welche mittels des Themas des Schulatlas erreicht
werden sollen bzw. können, orientieren sich an den, in den Lehrplänen
enthaltenen, Lerninhalten bzw. -zielen.  Wichtig zu beachten ist dabei, dass die
alleinige Bearbeitung der Themen und Arbeitsmaterialen des Schulatlas
Steiermark, die Erreichung der Lernziele nicht garantieren kann. Eine
Einbettung dieser in eine umfassendere, sinnvolle sowie zielorientierte Unterrichtsvorbereitung
ist dafür notwendig.

Lehrplanbezüge und Lernziele für die „Grundstufe“
sind immer auf den Sachunterricht ausgelegt. Jene der „Sekundarstufe I“
beziehen sich auf AHS bzw. NMS – Lehrpläne. „Sekundarstufe II“ ist nur auf AHS
bezogen. Bei Lehrplanbezügen der BHS-Schulformen, sofern nichts in Klammer zusätzlich
angemerkt ist, sind folgende Fächer gemeint: HLW und Tourismusschulen =  Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeografie und
Volkswirtschaft; HAK = Geografie (Wirtschaftsgeografie); HTL= Geografie,
Geschichte und Politische Bildung; BAfEP = Geografie und Wirtschaftskunde.

 
 

Lehrplanforderungen Grundstufe II

Erfahrungs- und Lernbereich – Raum
Sich im Raum orientieren
Erkundungs- und Orientierungsübungen durchführen 
Im örtlichen Bereich und in der näheren Umgebung durch Erkundungsübungen (insbesondere bei Lehrausgängen) die Orientierungsfähigkeit erweitern

  • Bezeichnungen für Geländeformen und Arten der Gewässer verwenden
  • den Verlauf von Wegen und die Landschaftsformen feststellen und beschreiben
  • Einfache geographische Gegebenheiten der näheren Umgebung kennen und benennen z.B. Geländeformen und Gewässer.

Pläne und Karten als geografische Darstellungsformen kennen und als Orientierungshilfen verwenden
Auf der Grundlage anschaulicher Erfahrungen die Landschaftsdarstellung auf einfachen Karten erarbeiten

  • Höhendarstellung Übungen im Umgang mit Karten:
  • Kartenzeichen kennen lernen
  • Die Karte mit Hilfe des Kompasses ausrichten (Einordnen)
  • Verschiedene Karten lesen (zB Wanderkarte, Landkarte, Straßenkarte) – mit Hilfe von Landkarten Einsichten in das eigene Bundesland erweitern

Räume erschließen, dabei grundlegende geographische Einsichten und Informationen gewinnen
Kenntnisse über wichtige Bauwerke, Sehenswürdigkeiten, regionalen Besonderheiten etc. des Wohnortes/des Wohnbezirkes erwerben

  • Übersichten über die Lage einzelner Landschaften erarbeiten (Orte, Flüsse, Gebirge, Verkehrswege) und dabei Verständnis für Zusammenhänge anbahnen (zB Landschaft, Siedlung, Wirtschaft)

Lehrplanforderungen Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde

3. Klasse:
Lebensraum Österreich:

  • Anhand von unterschiedlichen Karten, Luft- und Satellitenbildern die Eigenart österreichischer Landschaften erfassen.

4. Klasse:
Gemeinsames Europa – vielfältiges Europa:

  • Die Vielfalt Europas – Landschaft, Kultur, Bevölkerung und Wirtschaft– erfassen.
  • Informationen über ausgewählte Regionen und Staaten gezielt sammeln und strukturiert auswerten.

Lehrplanforderungen Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde

5. Klasse (1. und 2. Semester)
Die soziale, ökonomisch und ökologisch begrenzte Welt
Gliederungsprinzipien der Erde nach unterschiedlichen Sichtweisen reflektieren 

  • Gliederungsmöglichkeiten der Erde nach naturräumlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Merkmalen analysieren 
  • Interessensgebundenheit von Gliederungen vergleichen 
  • Geographien durch Zonierungen/Gliederungen/Grenzziehungen machen und reflektieren

6. Klasse
3. Semester – Kompetenzmodul 3
Vielfalt und Einheit – Das neue Europa
Außerwert-und Inwertsetzung von Produktionsgebieten beurteilen

  • Abhängigkeit landwirtschaftlicher Nutzung vom Naturraumpotential untersuchen 
  • Eignung von Räumen für die Tourismusentwicklung sowie Folgen der Erschließung beurteilen

7. Klasse
6. Semester – Kompetenzmodul 6
Österreich – Raum – Gesellschaft – Wirtschaft
Naturräumliche Chancen und Risiken erörtern 

  • Geoökologische Faktoren und Prozesse erklären 
  • Naturräumliche Gegebenheiten als Chance der Regionalentwicklung erkennen

Lehrplanforderungen BHS

HAK:
II. Jahrgang
4. Semester – Kompetenzmodul 4:
Räumliche Orientierung:

  • Topografische Grundlagen

Wirtschafts- und Lebensraum Österreich:

  • Naturräumliche Nutzungspotenziale

HLW und Tourismusschulen:
III. Jahrgang:
5. Semester – Kompetenzmodul 5:

  • Grundlagen der Geografie (Orientierung mit unterschiedlichen kartografischen Medien, physiogeografische Grundlagen).
  • Nutzung von Naturräumen.

V. Jahrgang – Kompetenzmodul 9:
10. Semester:
Österreich:

  • Naturräumliche Voraussetzungen und Nutzungen.

BAfEP:
I. Jahrgang:
1. und 2. Semester:
Bereich „Naturräume“:

  • Landschaftsökologische Zonen, wirtschaftliche Nutzung

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • die wichtigsten Gebirgszüge, Täler und andere Landschaften benennen. (Grundstufe II)
  • eine Gliederung der Steiermark in naturräumlich definierte Großlandschaften vornehmen, sowie die Landschaftshaupteinheiten der Steiermark benennen und einzeichnen. (Grundstufe II)
  • die Naturlandschaften der Steiermark hinsichtlich ihrer Nutzungspotenziale bewerten. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde I)
  • die Naturlandschaften der Steiermark als Rahmenbedingungen der Regionalentwicklung analysieren. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Gliederungsmöglichkeiten der Erde nach naturräumlichen Merkmalen exemplarisch anhand der Steiermark analysieren und reflektieren. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • naturräumliche Nutzungspotenziale Österreichs und ihre regionale Differenzierung erklären anhand des Beispiels der steirischen Naturlandschaften erklären. (HAK)
  • wirtschaftliche Nutzungsformen der landschaftsökologischen Zonen analysieren. (HLW)
  • naturräumliche Gegebenheiten Österreichs exemplarisch beschreiben. (HLW)
  • Nutzungen und Gefährdungen natürlicher Lebensräume durch den Menschen analysieren. (BAfEP)

Da die meisten Themenstellungen im Bereich der Umweltbildung nur unter Einbeziehung der naturräumlichen Rahmenbedingungen an den gegenständlichen Standorten umfassend abgehandelt werden können, kommt einer entsprechenden Raumgliederung eine hohe Bedeutung zu.
 
Beispielsweise wird die erhöhte Belastung bestimmter städtischer Regionen mit Luftschadstoffen – ein in der Steier
mark trotz vieler emissionsseitiger Sanierungserfolge immer noch aktuelles Problem – nur bei Kenntnis der in der Karte zum Ausdruck kommenden Landschaftsstrukturen verständlich. Im speziellen Fall sind rand- und inneralpine Beckenlagen durch ihre besondere Eignung als Siedlungs- und Wirtschaftsschwerpunkte bei gleichzeitig eingeschränktem Luftaustausch wegen der Gebirgsabschirmung aus lufthygienischer Sicht gleichsam doppelt benachteiligt.