1.2 Regionalgeographisches Kurzportrait der Steiermark

1.2 Regionalgeographisches Kurzportrait der Steiermark

Einleitung

Dieses Kapitel fasst die Grunddaten für das Bundesland Steiermark zusammen und liefert allgemeine Eckdaten sowie Zahlen zu Themen wie Wirtschaft, Bevölkerung und Klima.

Es findet sich hier eine Beschreibung der drei Wirtschaftssektoren und deren Wechselwirkungen mit den naturräumlichen Gegebenheiten in der Steiermark, wobei zur Verdeutlichung dieser Zusammenhänge Karten aus verschiedenen Themenbereichen im Text eingebettet wurden. 

Didaktik

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Erklärung

Physische Karte der Steiermark

Die Steiermark in Zahlen – Ein erster Überblick

Der Name „Steiermark“ geht auf die Markgrafschaft der Otakare im 11. Jahrhundert zurück, die sich auch Grafen von Steyr nannten. Aus der Übernahme der Markgrafschaft über die „Mark an der Mur“ durch die Grafen von Steyr entwickelte sich die „Steyrische Mark“. Das Wappentier, der Panther, wurde ebenfalls von der Stadt Steyr übernommen. Mit der Georgenberger Handfeste 1186 wurde die absolute Eigenständigkeit der Steiermark festgelegt (Helige 1985, 11).

Die Steiermark ist mit 16 401 km² das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland Österreichs, der Anteil an der gesamten Staatsfläche beträgt 19,5 %. Das Bundesland im Südosten Österreichs hat 1 247 413 Einwohnerinnen und Einwohner, das entspricht 14 % der gesamten österreichischen Bevölkerung (31.10.2020). Die Steiermark ist nach der Einwohnerzahl somit das viertgrößte Bundesland, die Einwohnerdichte beträgt 74 EW/km² (Gesamt–Österreich: 101 EW/km²). Die unterdurchschnittliche Bevölkerungsdichte ist gekoppelt an die naturräumlichen Gegebenheiten des Bundeslandes, da rund drei Viertel der Steiermark Gebirgscharakter aufweisen. Die Staatsgrenze zu Slowenien ist 145 km lang, das entspricht ca. 5 % der gesamten österreichischen Staatsgrenze, welche insgesamt 2 709 km umfasst. 

Die steirische Landeshauptstadt Graz hatte im Jahr 2020 290 910 Einwohnerinnen und Einwohner und ist somit nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs. Die Steiermark grenzt an die Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Burgenland. Mit knapp 291 km ist die Mur der längste und bedeutendste Fluss der Steiermark. Der größte See ist der Grundlsee mit einer Fläche von 4,3 km² und der höchste Gipfel ist der Hohe Dachstein mit einer Höhe von 2995 m (www.statistik.steiermark.at).

Im Jahr 2021 waren insgesamt 543 175 Steirerinnen und Steirern erwerbstätig, das entspricht einer Erwerbsquote von 43,5 %. Laut Registerzählung vom 31.10.2021 waren 1,1 % der Erwerbstätigen im primären, 30 % im sekundären und 67,0 % im tertiären Sektor tätig. 1,9 % waren von der Arbeit temporär abwesend (Mutterschutz, Karenz, längerer Krankenstand usw.) (www.statistik.steiermark.at).

Primärsektor – Land- und Forstwirtschaft

Der Primärsektor, welcher die Wirtschaftsformen Land- und Forstwirtschaft beinhaltet, war in der Nachkriegszeit starken Veränderungen unterworfen. Wie in anderen westlichen Industriestaaten vollzog sich ein Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Dieser Wandel ist jedoch auch im Primärsektor sichtbar und durch einen starken Rückgang der Beschäftigten gekennzeichnet. 

So bestanden in der Steiermark 1960 noch 76 121 landwirtschaftliche Betriebe, 2016 waren es nur noch 36 534 Betriebe, dies entspricht einem Rückgang von über 50%, wobei anzumerken ist, dass sich eher die kleinen Betriebe aufgelöst haben. Die Betriebe mit großen Flächen (ab 50 ha) haben in diesem Zeitraum sogar zugenommen. Von diesen Betrieben werden rund 60% im Nebenerwerb geführt. Nach Niederösterreich ist die Steiermark das Bundesland mit der zweitgrößten Anzahl an land- und forstwirtschaftlichen Betrieben im österreichischen Vergleich, was primär an der Größe der Bundesländer liegt. Der Großteil der Betriebe ist in der Ost- sowie Südoststeiermark zu finden. Der Grund dafür liegt im günstigen Relief des Vorlandes. Insgesamt gab es 2019 in der Steiermark 4 092 geförderte Biobetriebe. Das sind fast 17 % aller österreichischen Biobetriebe. Somit belegte die Steiermark im österreichweiten Vergleich hinter Salzburg, Wien, Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich  den sechsten Platz. Der durchschnittliche Bioanteil steirischer Betriebe betrug 2019 18,4 %. (www.statistik.steiermark.at)

Zu den wichtigsten Produkten zählen auf der Pflanzenseite das Getreide mit einer Gesamtanbaufläche von 750 km². Die häufigste Getreidesorte ist hierbei der Körnermais mit einer Fläche von 495 km² im Jahr 2019 (www.statistik.steiermark.at). Kein anderes Lebensmittel ist jedoch so untrennbar mit der Steiermark verknüpft wie das Steirische Kürbiskernöl. 2019 wurde eine Fläche von 93 km² mit dem Ölkürbis bewirtschaftet. Um dieses Produkt, gemeinsam mit dessen Herkunft, zu schützen, hat die EU-Kommission bereits 1996 für das Steirische Kürbiskernöl die geschützte Regionalmarke „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ genehmigt. Mit dieser Genehmigung ist die Herkunft des Steirischen Kürbiskernöls zusammen mit der gesamten Produktion und der Vermarktung vollständig nachvollziehbar. Damit zählt das „Steirische Kürbiskernöl g.g.A,“ jetzt, neben solch bekannten Produkten wie Champagner, Prosciutto di San Daniele und griechischem Feta-Käse, zu den am besten kontrollierten und exklusivsten Spezialitäten Europas (www.steirisches-kuerbiskernoel.eu). Ein weiterer wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste, Produktionsbereich in der Steiermark ist der Obstbau. 71 % der gesamten Obsternte Österreichs wurden 2020 in der Steiermark erzielt. Bei Äpfeln lag der steirische Anteil sogar bei 77% der gesamten österreichischen Ernte (www.statistik.at). 

Auf der tierischen Produktionsseite dominiert, abgesehen von der Geflügelzucht, klar die Schweinezucht, mit insgesamt über 752 000 Tieren, gefolgt von der Rinderzucht mit über 308 000 Tieren im Jahr 2020. Im Vergleich zu den Vorjahren sind diese Zahlen tendenziell leicht rückläufig.  Besonders drastisch ist der Rückgang bei der Anzahl an Schweinehaltern, waren es 2006 noch knapp 11 750 Schweinehalter, reduzierte sich deren Anzahl im Jahr 2020 auf knapp 4 780, was einen Rückgang von 60 % bedeutet – hier ist deutlich die Tendenz zur Masttierhaltung erkennbar. (www.statistik.at, www.statistik.steiermark.at).

Erklärung

Das Bundesland Steiermark wird oft auch als „grüne Mark“ oder „grünes Herz Österreichs“ bezeichnet. Diese Titel sind auf den hohen Waldanteil zurückzuführen, welcher 9 510 km² ausmacht, das entspricht 58 % der Fläche des Bundeslandes. Somit hat die Steiermark den höchsten Waldanteil aller österreichischen Bundesländer. Die Gründe hierfür sind neben dem günstigen Relief zum einen die Seehöhen in den steirischen Alpen, die auf großen Arealen unterhalb der Waldgrenze bleiben, und zum anderen die traditionell großflächigen Besitzstrukturen, die spätestens seit der Neuzeit auch mit einem forstwirtschaftlichen Nutzungsinteresse der Großgrundbesitzerinnen und Großgrundbesitzer verbunden wurden. So werden über 35 % des gesamten steirischen Wirtschaftswaldes von Forstbetrieben mit Besitzflächen von über 200 Hektar bewirtschaftet (www.umwelt.steiermark.at).

Die Gesamtfläche des Ertragswaldes beläuft sich auf 8 600 km², was 90 % der gesamten Waldfläche der Steiermark ausmacht. Die restlichen 10 % sind Waldflächen ohne Ertrag. Generell unterteilt man die Ertragswaldfläche in Nadelholz und Laubholz. Das Nadelholz hat dabei einen Flächenanteil von 70,3 % und das Laubholz 17,2 %. Der Rest sind Flächen ohne forstlichen Bewuchs. Die dominierenden Holzarten in der Steiermark sind auf der Nadelholzseite eindeutig die Fichte mit knapp 58 % der gesamten Ertragswaldfläche, gefolgt von der Lärche mit 6,2 % und der Tanne mit 2,4 %. Auf der Laubholzseite ist hier nur die Rotbuche erwähnenswert, mit einem Anteil von 7,4 %. Diese Zahlen beruhen auf der österreichischen Waldinventur 2007/09 (www.agrar.steiermark.at). Die Gründe für die Dominanz der Fichte liegen vor allem in ihrer kurzen Wachstumsdauer, daher ist sie als Rohstofflieferant besonders interessant. 

Die natürliche oder potentielle Waldgrenze wird von klimatischen und topographischen Gegebenheiten bestimmt. Sie liegt im Osten und Nordosten der Steiermark, am Hochwechsel, bei ca. 1700 – 1800 m, im Westen bei über 2000 m Seehöhe und wurde durch Rodungen speziell im Mittelalter nach unten gedrückt. Je nach geologischem Untergrund, Boden und Klima wachsen auf unterschiedlichen Standorten vielfältige Waldgesellschaften, vom Eichenwald der tiefen Lagen bis zu den subalpinen Nadelwäldern nahe der Waldgrenze (www.umwelt.steiermark.at). Auch hier spielt der Faktor Seehöhe wieder eine wesentliche Rolle, denn zusätzlich zur Praxis, Vegetation großräumig in Vegetationszonen zu unterteilen, kann man sie auch vertikal vom Tiefland bis ins Hochgebirge in Höhenstufen gliedern (Maurer 1981, 58). In einem gebirgigen Land wie der Steiermark ist eine solche Stufengliederung sehr hilfreich (Tabelle 1 und Seehöhenkarte der Steiermark). Dabei sollte ebenfalls erwähnt werden, dass die Steiermark mit 12 672,70 km² Fläche mehr Alpenanteil hat als das gesamte Bundesland Tirol (12 648 km²) (Haßlacher 2003, 28).

Erklärung

Bevölkerungsdichte 2018

Betrachtet man die Siedlungsstruktur bzw. die Einwohnerdichte der Steiermark, ist klar erkennbar, dass das Stadtgebiet Graz (2 246 EW pro km²) klarer Spitzenreiter ist. Ebenfalls hohe Werte erreichen die Gemeinden Knittelfeld mit 906 EW/km², Zeltweg mit 842 EW/km² und Weiz mit 647 EW/km². Zu beachten ist, dass diese Zahl sich immer auf die gesamte Gemeinde, also nicht rein auf das Orts- bzw. Stadtgebiet, bezieht. Durch die jüngsten Gemeindezusammenlegungen wurde so die Dichte zum Teil wesentlich gesenkt. 

Der Karte lasst sich ebenfalls entnehmen, dass das Alpenvorland, welches nur ungefähr ein Drittel des gesamten Bundeslandes ausmacht, am dichtesten besiedelt ist. Gründe dafür sind sicherlich im günstigen Relief und dem Klima zu sehen. Außerhalb dieses Gebiets wird die Siedlungsdichte deutlich geringer. Hier weist Wildalpen die geringste Dichte mit nur 2 EW/km² auf, gefolgt von Pusterwald mit 4,5 EW/km² und Hohentauern mit 4,7 EW/km². Es handelt sich dabei in allen drei Fällen um sehr kleine Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern, welche in den Alpen liegen. In der Obersteiermark sind nur die großen Tallandschaften (Ennstal, Palten-Liesingtal, Mur-Mürztal) stärker besiedelt, wobei vor allem im obersteirischen Zentralraum auch relativ hohe Bevölkerungsdichten erreicht werden.

Tertiärsektor – Dienstleistungen

Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt wurde, setzte auch in der Steiermark in den späten 1970er bzw. frühen 1980er Jahren eine große wirtschaftliche Strukturveränderung ein. Der ehemals dominierende sekundäre Sektor verlor an Bedeutung und somit auch an Arbeitskräften. Eine Verlagerung hin zu den Dienstleistungen wurde, wie auch in anderen Industriestaaten, immer deutlicher. Betrachtet man den Zeitraum von 1981 bis 2021, so verzeichneten der primäre sowie der sekundäre Sektor starke Rückgänge bei den Erwerbstätigen. Der Anteil der Erwerbstätigen im primären Sektor sank von 12,4 % auf 1,0 %. Im sekundären Sektor sank der Anteil von 42,2 % auf 30,7 %. Im tertiären Sektor hingegen stieg der Anteil von 45,4 % auf 68,3 % deutlich an. Im vorigen Kapitel wurde bereits angedeutet, dass es auf Bezirksebene starke sektorale Unterschiede gibt. 2011 gab es im Bezirk Murau z.B. mit 10,8 % der Erwerbstätigen den höchsten Anteil im primären Sektor, im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag mit 34,5 % den höchsten Anteil im sekundären Sektor und mit 82,1 % den höchsten Anteil im tertiären Sektor im Stadtbezirk Graz (www.statistik.steiermark.at). 

Der tertiäre Sektor setzt sich aus den Sparten Handel, Tourismus, Verkehr, Kredit- und Versicherungswesen, öffentliche Verwaltung und Politik, Bildung und Sozialwesen zusammen. Da hier aber nicht alle Teilbereiche erläutert werden können, wird sich der folgende Teil auf die Bereiche Politik und Verwaltung konzentrieren. 

Politik und Verwaltung

Das Bundesland Steiermark wird in 13 politische Bezirke eingeteilt (bis 2011: 17). Diese werden wiederum in insgesamt 287 (bis 2011: 542) Gemeinden unterteilt, von denen 35 Stadtgemeinden und 122 Marktgemeinden sind (www.statistik.steiermark.at). Verwaltet wird das Bundesland von Graz aus, wo die Landesregierung ihren Sitz hat. Die derzeitige Landesregierung besteht aus acht Landesräten, drei Landesräte von der SPÖ sowie fünf von der ÖVP. An der Spitze der Landesregierung steht der Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) mit seinem Stellvertreter Anton Lang (SPÖ). 

Der steirische Landtag setzt sich aus 48 Landtagsabgeordneten zusammen, die von wahlberechtigten Landesbürger und Landesbürgerinnen (österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit Hauptwohnsitz in der Steiermark) gewählt werden. Die Aufteilung im Landtag sieht derzeit folgendermaßen aus: ÖVP: 18 Mandate, SPÖ: 12 Mandate, FPÖ: 8 Mandate, Grüne: 6 Mandate, KPÖ: 2 Mandate, NEOS: 2 Mandate. Die Steiermark ist somit das einzige Bundesland, in dem die KPÖ im Landtag vertreten ist. Grundsätzlich lässt sich die Steiermark parteipolitisch folgendermaßen aufteilen: die SPÖ dominiert in den ehemaligen obersteirischen Industriehochburgen wie z.B. Leoben und Bruck-Mürzzuschlag, aber auch Liezen. Die ÖVP hingegen liegt in den ländlichen Gebieten klar vorne. Die landwirtschaftlich geprägten Bezirke Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark, Leibnitz, Weiz und Murau sind hierfür repräsentativ. 

Auffallend an der letzten Wahl (2019) war, dass die SPÖ und FPÖ herbe Verluste hinnehmen mussten. Die ÖVP legte im Vergleich zur letzten Wahl 2015 wieder stark zu und war mit 36% klar stimmenstärkste Partei. Die FPÖ, die bei der Wahl 2015 nur knapp hinter SPÖ und ÖVP lag, musste 2019 ein Minus von fast 10% hinnehmen. Einen starken Stimmenzuwuchs konnten hingegen die Grünen verzeichnen, die mit 5% mehr Stimmen als 2015 auf über 12% der Gesamtstimmen kamen. (www.landtag.steiermark.at; www.verwaltung.steiermark.at) 

Erklärung

Mittlere Jännertemperatur 1971 – 2000

Erklärung

Mittlere Julitemperatur 1971 – 2000

Erklärung

Seehöhen der Steiermark

Höhenstufe

Seehöhe(m)

Vorherrschende
Vegetation

Collin

(Hügelstufe)

200 – 500

Wärmeliebende Laubmischwälder,

Rotföhrenwälder

Submontan

(untere Bergstufe)

500 – 700

Rotbuchenwälder (wärmeliebende Arten),

Rotföhrenwälder

Montan

(Bergstufe)

700 – 1400

Fichten – Tannen – Rotbuchenwälder

Subalpin

(Voralpenstufe)

1400 – 2000

Hochstaudenreiche Fichtenwälder, Lärchen-Zirbenwälder,
Latschen- und Grünerlengebüsche (Krummholz)

Alpin

(Alpenstufe)

2000 – 2500

Zwergstrauchheiden, Grasheiden (alpine Rasen)

Subnival

(Pionierstufe)

über 2500  

Pflanzenteppiche, Pflanzenpolster

 Tabelle 1: Stufengliederung der Vegetation (Maurer 1981, 59)

Klima

Das Klima hat eine sehr große Bedeutung für die Vegetation. Die Steiermark kann grob in zwei Klimaregionen unterteilt werden. Im nördlichen Landesteil herrscht alpines Klima vor, im südlichen das außeralpine bzw. Klima des Vorlandes. Das alpine Kima wird durch folgende Eigenschaften bestimmt: Mit Zunahme der Seehöhe sinken die Temperaturen und steigen die Niederschlagsmengen sowie die Windstärken. Zu den Merkmalen des außeralpinen Klimas zählen hingegen mäßig kühle, schneearme Winter und warme Sommer, oft verbunden mit Gewittern und Hagel. Aufgrund der hohen Sommertemperaturen ist hier der Anbau einer breiten Palette landwirtschaftlicher Produkte möglich. In den Tal- und Beckenlagen der Steiermark tritt häufig das Phänomen der Temperaturumkehr (Inversion) auf, oft mit Nebel verbunden, was sich vor allem auf den Luftaustausch ungünstig auswirkt.

Die Beschreibung der folgenden Klimafaktoren, Klimaelemente und Klimaregionen wurden auf der Grundlage der Klimamonographie von Wakonigg (1978) und des Klimaatlas Steiermark erstellt. Der dominanteste Klimafaktor der Steiermark ist ohne Zweifel die Seehöhe. Die Steiermark weißt einen Höhenunterschied von 2795 Metern zwischen tiefstem und höchstem Punkt auf. Der Temperaturunterschied zwischen dem Dachsteingipfel (2995 m; mittlere Jahrestemperatur ca. –4,8°C) und dem tiefsten Punkt des Landes (200 m Seehöhe; südöstlich von Bad Radkersburg; mittlere Jahrestemperatur ca. 9,3°C) beträgt 14,1°C. Das entspricht, global betrachtet, dem Temperaturunterschied von 27 Breitengraden. 

Als zweiter Wirkfaktor ist das Gelände bzw. Relief zu nennen. Bei sonst gleichen Bedingungen sind alle Hohlformen (Becken, Täler) kälter, die Vollformen (Hügel, Kuppen, Kämme) wärmer als der allgemeine Durchschnitt. Dieser Effekt resultiert aus der ungleich stärkeren Abkühlung der Hohlformen während der Nacht durch die Ansammlung von Kaltluft („Kaltluftseen“).

Der Klimafaktor geographische Breite spielt in der Steiermark keine große Rolle, da die Temperaturabnahme von Süden nach Norden hauptsächlich von der Seehöhe beeinflusst wird. 

Der vierte Faktor ist der Witterungseinfluss, wobei die nördlichen Landesteile eher von Kaltlufteinbrüchen erfasst werden als die südlichen. Dieser Effekt ist aber im Winter und Herbst am schwächsten und z.T. sogar gegenteilig, da der Norden dann eher von mildem maritimem Westwetter oder föhnigem Südwestwetter beeinflusst wird als der Süden. 

Der Jänner ist zwar nicht der Monat mit der geringsten Einstrahlung (Dezember), jedoch aufgrund von Verzögerungseffekten beim Temperaturgang der kälteste Monat. Durch kurze Tageslängen und lange Nächte ergibt sich eine negative Strahlungsbilanz, welche zur Bildung von Kaltluftseen und hoch reichenden, vielfach tagsüber anhaltenden Inversionen führen kann. Diese Inversionen sind in der kalten Jahreszeit am stärksten, wodurch in diesen Monaten der Faktor des Geländes in den Tal- und Beckenlagen jenen der Seehöhe deutlich übertrifft. Als besonders kalte Landschaften gelten im Jänner die abgeschlossenen Talbecken mit stark gehemmtem Kaltluftabfluss, wobei das Mitterndorfer-, Trofaiacher-, Aflenzer-, Knittelfeld-Judenburger- und Passailer Becken, aber auch das Ennstal bei Admont zu nennen sind. Auf einem Niveau von 500 m kann man im Jänner grob von einer gesamtsteirischen Durchschnittstemperatur von 2,5°C ausgehen. 

Der Juli ist, knapp nach der Sommersonnenwende mit hohem Sonnenstand, langem Tagbogen der Sonne und kurzen Nächten, der wärmste Monat und damit das Gegenstück zum Jänner. Aufgrund der Strahlungsbedingungen und der hoch positiven Strahlungsbilanzen am Erdboden sind Inversionen seltener, schwächer und vor allem wesentlich seichter als im Winter. Somit wird die Seehöhe wieder der dominierende Klimafaktor. Nimmt man hier wiederum ein Durchschnittsniveau von 500 m an, ergibt sich eine Julidurchschnittstemperatur von 17,9°C. 

Die Jahressummen der Niederschlagsmengen sind eine wichtige, den Wasserhaushalt beeinflussende Größe. Zu beachten ist jedoch, dass die wichtigsten Niederschlagsfaktoren jahreszeitlich höchst unterschiedlich wirksam sind. So ist etwa die Stauwirkung der Gebirge im Winter stärker als im Sommer, mit der Wirksamkeit der Konvektion hingegen verhält es sich umgekehrt. Die durchschnittlichen Niederschlagssummen pro Jahr schwanken zwischen 700 und 800 mm im Osten (Bezirk Hartberg – Fürstenfeld) und 2 100 bis 2 400 mm in den Nordstaulagen, besonders im Ausseer Land (www.umwelt.steiermark.at).

Erklärung

Mittlere Jahrestemperatur 1971 – 2000

Erklärung

Mittlere Jahressummen der Niederschläge 1971 – 2000

Betrachtet man die verschiedenen Klimaelemente, wie z.B. Sonnenschein, Temperatur, Bewölkung, Niederschlag, Schnee und Wind miteinander und bezieht charakteristische Witterungszüge mit ein (Auswirkungen von Wetterlagen, Abschirmungseffekte, regionale Einflüsse), können Gebiete relativ homogenen Klimacharakters ausdifferenziert werden. Im Folgenden werden nun diese 9 Klimaregionen der Steiermark in Tabelle 2 und weiters in der dazugehörigen Karte genauer betrachtet (www.schulatlas.at und weiters Wakonigg 1978):

1. Hochlagen im Nordstaugebiet

  • keine Abschwächung durch vorgelagerte Gebirgsketten
  • niederschlags- und schneereich
  • raues Gebirgsklima mit regenreichen Sommern

2. Tallagen im Nordstaugebiet

  • ähnlich wie Region 1, jedoch aufgrund geringerer Seehöhen nicht so raues Klima
  • niederschlags- und schneereich
  • Kaltluftseen im Winter

3. Talbecken des oberen Ennstales

  • Winterkaltes, wenig sommerwarmes Talbeckenklima
  • Gleiche Niederschlagshäufigkeit wie in Region 1 und 2, jedoch deutlich geringere Mengen
  • Große Nebelhäufigkeit

4. Nordseite der Niederen Tauern

  • größter, in sich zusammenhängender Gebirgsraum der Steiermark
  • deutliche zentralalpine Züge
  • annähernd gleiche Niederschlagshäufigkeit wie in Region 1 und 2, jedoch geringere Mengen
  • Hauptkamm wirkt als Wetterscheide

5. Talbecken des oberen Murtales

  • Wettereinflüsse aus Süden und Südosten bereits deutlich wirksam
  • niederschlags- und schneearm
  • typisches Talbeckenklima mit Kaltluftseen
  • sehr kalte Winter, mäßig warme Sommer

6. Talbecken des Mur- und Mürztales

  • Übergangsklima zwischen Region 1 und 5
  • Niederschlags- und Schneereichtum nimmt von Südwesten nach Nordosten zu

7. Hochlagen der Inneralpen

  • Ausgeprägtes zentralalpines Höhenklima
  • Wenig Niederschlag, Schneearmut
  • Viel Sonnenschein im Winter
  • Relativ hohe Temperaturen (inneralpine Überwärmung)
  • Hohe Höhengrenzen

8. Steirisches Randgebirge

  • Wetterbeeinflussung aus Süden und Südosten
  • Niederschlags- und schneearm
  • Mildes Klima im Winter
  • Niedrige Höhengrenzen
  • Hohe Gewitter- und Hagelneigung

9. Vorland

  • Mäßig kontinental (hohe Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter)
  • Sommerwarm und wintermild
  • Starke Unterschiede zwischen Talböden (winterkalt) und Riedel- und Hügellagen (mild)
  • Winter: hochnebelreich, sonnenscheinarm
  • Sommer: sonnenscheinreich, warm, Neigung zur Schwüle, Gewitter und Hagel
  • Niederschläge nehmen von Südwesten nach Nordosten ab
  • Feuchtigkeitszufuhr großteils aus Süden bis Südosten

Tabelle 2: Klimaregionen der Steiermark

Erklärung

Bevölkerungsveränderung 2008 bis 2018

Bevölkerung

Das Problem der Schulschließungen hat seinen Ursprung in den rückläufigen Geburtenzahlen. In Abbildung 1 sieht man deutlich den Rückgang innerhalb der letzten 30 Jahre. Das Jahr mit den meisten Geburten in diesem Zeitraum war 1982 mit 14 880 Lebendgeburten, der Tiefststand 2001 mit 10 014 Geburten, was innerhalb dieses Zeitraumes einen Rückgang von über 32 % bedeutet. Seit 2001 ist die Zahl annähernd stagnierend bzw. sogar wieder leicht gestiegen. Die Zahl der Geburten stieg im Jahr 2014 um 1 % oder in absoluten Zahlen um 101 Kinder gegenüber 2013 und befindet sich mit 10 416 auf dem höchsten Stand seit 2005. Insgesamt ist seit 1981 ein Minus von 30 % zu verzeichnen (www.statistik.steiermark.at).

Abbildung 1: Lebendgeburten in der Steiermark

Die Geburtenziffer (=Lebendgeborene je 1 000 Einwohner/Einwohnerin) betrug 2014 8,6 und ist im Vergleich zu 2013 (8,5) leicht gestiegen. Landesweit kamen im Bezirk Graz-Stadt mit einer Geburtenziffer von 9,9, gefolgt von Weiz mit 9,8 und Hartberg-Fürstenfeld mit 9,4 die meisten Kinder zur Welt. An letzter Stelle lag Leoben mit einem Wert von 6,0 vor dem Bezirk Voitsberg mit 7,0. Die Steiermark liegt somit mit ihrer Geburtenziffer weiterhin deutlich unter dem Österreichschnitt von 9,6. Die höchste Geburtenrate hat übrigens Wien mit 10,8 und die niedrigste das Burgenland mit 7,6 zu verzeichnen (www.statistik.steiermark.at).

Abbildung 2: Entwicklung der Wohnbevölkerung 1951 – 2015

Zu Beginn des Jahres 2015 hatte die Steiermark einen Bevölkerungsstand von 1 221 570 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das entspricht einem Wachstum um 6 324 Einwohnerinnen und Einwohnern, bzw. +0,5 % gegenüber 2014 und einem Plus von 38 258 Steirerinnen und Steirern (+3,2 %) gegenüber 2001. Längerfristig gesehen ergibt sich damit für die Steiermark seit dem Jahr 2000 ein stetiges Wachstum (Abbildung 2). Darüber hinaus wird der Bevölkerungshöchststand von 1971 seit einigen Jahren nun wieder übertroffen (www.statistik.steiermark.at). 

Dieses Plus ist vor allem das Ergebnis einer stark gestiegenen, deutlich positiven Wanderungsbilanz (+7 716 im Jahr 2014), die hauptsächlich durch internationale Zuwanderung – hier vor allem nach Graz – verursacht wurde. Diese Zuwanderung kam zum größten Teil aus Rumänien, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien sowie Deutschland, aber auch aus Syrien. (Die massiven Migrationsströme des Jahren 2015 finden in diesen Ausführungen noch keine Berücksichtigung.) In Summe haben im Jahr 2014 438 mehr Österreicherinnen und Österreicher die Steiermark verlassen als (wieder) zugezogen sind. Ohne die in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfolgte internationale Zuwanderung (inklusive Geburten) wäre die Bevölkerungszahl der Steiermark bereits seit über 30 Jahren stark rückläufig und würde, grob geschätzt, wahrscheinlich nur mehr etwas über 1 000 000 betragen (www.statistik.steiermark.at). Tabelle 3 gibt in Ergänzung dazu einen Überblick zur Entwicklung der Altersstruktur, die sich durch eine deutliche Tendenz zur Überalterung auszeichnet.

Jahr

0 – 19

20 – 64

65 +

Durchschnittsalter

1971

401 299 / 33,6%

641 067 / 53,6%

153 001 / 12,8%

34,9

2001

264 109 / 22,3%

723 190 / 61,1%

196 004 / 16,6%

40,2

2011

235 598 / 19,5%

748 027 / 61,8%

226 989 / 18,7%

42,5

2015

224 864 / 18,4%

756 340 / 61,9%

236 911 / 19,7%

43,4

Tabelle 3: Altersverteilung in der Steiermark (www.statistik.steiermark.at)

Am 1.1.2015 war Graz-Stadt mit 274 207 Einwohnerinnen und Einwohner der bei weitem bevölkerungsreichste Bezirk der Steiermark. Dies entspricht, nahezu unverändert gegenüber den Jahren davor, mehr als einem Fünftel (22,4 %) der gesamten steirischen Bevölkerung. Der zweitgrößte Bezirk, Graz-Umgebung, hat etwas mehr als die Hälfte der Grazer Bevölkerungszahl (147 097). An dritter Stelle folgt der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag mit 100 818 Einwohnerinnen und Einwohnern. In allen anderen Bezirken wohnen weniger als 100 000 Personen, der kleinste Bezirk ist Murau mit 28 490 Bewohnerinnen und Bewohnern (www.statistik.steiermark.at).

In der Karte „Bevölkerungsveränderungen nach Gemeinden 2008 – 2018“ gut zu erkennen ist der Prozess der Suburbanisierung. Von diesem profitieren die Umlandgemeinden der Städte (nicht nur von Graz), wo die Bevölkerung in diesem Zeitraum in einzelnen Gemeinden um mehr als 20% zulegte. Positive Bevölkerungsveränderungen stellten sich auch in der Region rund um Schladming als Folge des Tourismus ein. Die stärksten Rückgänge der Einwohnerzahlen mussten ehemalige Bergbaugebiete (z.B. verringerte sich in Eisenerz die Wohnbevölkerung zwischen 2008 und 2018 um 25 %), tourismusschwache Berglandgemeinden (z.B. im Bezirk Murtal), und „alte Industriezonen“ (Bezirk Leoben) hinnehmen.

Erklärung

Klimaregionen

Erklärung

Eisenerzlagerstätten und Eisenerzabbau in der Steiermark

Sekundärsektor – Industrie

Auf Traditionen, die ins Mittelalter zurückreichen, aufbauend, entwickelte sich im 19. Jahrhundert in der Steiermark eine Industrie, die weitgehend rohstofforientiert war und das Land vor dem ersten Weltkrieg zu einem der am höchsten industrialisierten Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie machte (HELIGE 1985, 36). Der Schwerpunkt der Industrialisierung lag klar auf der Eisen- und Stahlindustrie, welche ihren Ursprung im Eisenerzvorkommen im Gebiet Eisenerz-Erzberg hatte (Karte Eisenerzlagerstätten und Eisenerzabbau in der Steiermark). Zusätzlich zum Eisenerz wurden, um das Erz zu verarbeiten, große Mengen an Holzkohle benötigt, für deren Herstellung der Waldreichtum der Steiermark die ideale Grundlage bot. Ab dem 19. Jh. wurde die Holzkohle durch Braunkohle ersetzt, weshalb seit dieser Zeit große Kohlevorkommen in Köflach-Voitsberg, Leoben und Fohnsdorf abgebaut wurden.

Die Industrie lieferte Werkstoffe für eine Eisen verarbeitende Maschinenbau- und Stahlindustrie und eine ursprünglich auf Eisenbahnmaterial beschränkte Fahrzeugindustrie. Daraus entwickelten sich weitere Industriebranchen, wie z.B. die Elektroindustrie, spezialisiert auf den Bau von Kraftwerksgeneratoren und Transformatoren, oder auch die Papier- und Zelluloseindustrie, die von den großen Holzvorkommen profitierte und profitiert.

Das Hauptproblem für die obersteirischen Industriestandorte der Mur-Mürz-Furche war jedoch die relativ ungünstige Verkehrslage im Vergleich zu anderen Industriestandorten. Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Mur-Mürz-Furche im Eisenbahnzeitalter zu einem der wichtigsten inneralpinen Industrieräume, mit gleichzeitiger Entwicklung einer großen Bevölkerungskonzentration, wurde (LIEB 2002, 219). Die Steiermark hatte jedoch keine schiffbaren Flüsse und darüber hinaus verteuerten lange Verkehrswege mit kostenintensiven Straßen- und Eisenbahnverbindungen sowohl den Import von Rohstoffen und Energie als auch den Export der Erzeugnisse. Ein weiteres Problem war auch die „tote“ Grenze nach Osten hin, da sich dort bis 1990 der Eiserne Vorhang befand – also kaum Warenaustausch möglich war. Darüber hinaus war das steirische Erz, mit einem relativ geringen Eisenanteil von rund 30 %, welches noch dazu auf der Schiene transportiert werden musste, nicht wirklich konkurrenzfähig im Vergleich zu den ausländischen Erzen, die bis zu 80 % Eisengehalt aufwiesen und kostengünstig per Schiff im Linzer Hafen eintrafen (HELIGE 1985, 38). In der Karte zu den Eisenerzlagerstätten ist, ergänzend zu den Erzlagerstätten, auch die Geologie der Steiermark abgebildet, die sich von Norden nach Süden grob in vier Haupteinheiten einteilen lässt. In der nördlichen Obersteiermark befinden sich die Nördlichen Kalkalpen mit, wie der Name schon verrät, hauptsächlich Kalken und Dolomiten als Basisgesteinen. In der Grauwackenzone finden wir gering metamorphe Schiefer und Karbonatgesteine aus dem Paläozoikum vor. Weiter südlich, in den Zentralalpen, dominieren Gneise und kristalline Schiefer. Die vierte und letzte Haupteinheit ist das südöstliche (Alpen-) Vorland, mit vorherrschend tertiären Lockersedimenten.

Die Krise in der Obersteiermark

Die Krise der Obersteiermark hat ihre Wurzeln in der Nachkriegszeit, als Großbetriebe verstaatlicht und bis in die 1980er Jahre aus beschäftigungspolitischen Gründen künstlich am Leben erhalten wurden. Als die im Zweiten Weltkrieg zu „deutschem Eigentum“ erklärten Betriebe von der Demontage bedroht waren, beschloss die Bundesregierung 1946 die Verstaatlichung der Schwerindustrie, die dann „zum Motor für den österreichischen Wiederaufbau“ wurde (BENDER & PINDUR 2004, 17-18). Ungefähr 20 % der österreichischen Industrie, dazu gehörten die drei größten Banken des Landes, der gesamten Kohle- und Metallbergbau, die gesamte Mineralölförderung und –verarbeitung und alle wichtigen Betriebe der Schwerindustrie, wurden durch das erste Verstaatlichungsgesetz (1946) aus Privatwirtschaft in staatliche Verwaltung übernommen. Das zweite Verstaatlichungsgesetz 1947 brachte dann die größten Elektrizitätsversorger unter öffentliche Verwaltung. Zu ihrer Blütezeit verfügte die verstaatlichte Industrie Österreichs über annähernd 130 000 Arbeitskräfte und war für 30 % der gesamten österreichischen Exporte verantwortlich (HARRER 2010, 31). Die so entstandene verstaatlichte Grundstruktur hat aber in den Jahren danach eine Anpassung der Betriebe an die Bedingungen des Weltmarktes erheblich verzögert. Arbeitsplatzabbau, steigende Arbeitslosigkeit und verstärkte Abwanderung vor allem der jüngeren Bevölkerung brachten die östliche Obersteiermark in die „gravierendste Problemlage“ Österreichs (BENDER & PINDUR 2004, 18).

In den 1970er und 1980er Jahren befand sich die steirische Wirtschaft in einer Krise, unter anderem ausgelöst durch die allgemeine Rezession der Jahre 1975 bis 1978. Diese fiel in der Steiermark, aufgrund der erwähnten industriellen, mit standardisierter, grundstofforientierter Massenproduktion in verstaatlichten Großbetrieben und der daraus resultierenden verminderten Flexibilität, stärker aus als in den anderen österreichischen Bundesländern. In den 1970er Jahren gingen die Beschäftigungszahlen im Bergbau, in der Eisen- und der Metallindustrie stark zurück, Kündigungswellen trafen auch die Fahrzeugindustrie in Köflach und in Graz (HARRER 2010, 47). 1987 wies die Steiermark die niedrigste Produktivitätsrate und die höchste Landesverschuldung aller Bundesländer auf. 

Die Steiermark konnte glücklicherweise diese Krise schließlich überwinden, indem die Wirtschaft vom (Austro-) Keynesianismus Kreiskys zum neoliberalen bzw. postfordistischen System der westlichen Industriemächte überging. Durch die Privatisierung der Eisen verarbeitenden Betriebe konnten sich diese in spezielle Nischen zurückziehen und sich so spezialisieren. Eine weitere wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung der Steiermark spielte ohne Zweifel die steirische Landesregierung, die die Technologieorientierung erkannte und mit einer gezielten Förderungspolitik den Betrieben der Obersteiermark unter die Arme griff. Ein weiterer wesentlicher Faktor war die Öffnung des Eisernen Vorhangs Anfang der 1990er Jahre. Diese drei Fakten brachten einen riesigen Konjunkturaufschwung für die steirische Wirtschaft. Die Ostöffnung brachte neue Chancen für den Standort, da sich die Steiermark nun nicht mehr am Rand, sondern in der Mitte Europas befand. Mit einem Wachstum von 7,4 % des Bruttoregionalprodukts wurde die Steiermark in den 1990er Jahren zur Konjunkturlokomotive Österreichs (POSEDU 2003, 16). Das Ergebnis war ein Strukturwechsel, weg von der Schwerindustrie bzw. Grundstoffindustrie hin zum Hochtechnologieland.

2012 lag der Anteil des sekundären Sektors in der Steiermark deutlich über dem österreichischen Durchschnitt (vergleiche Tabelle 4). Die wirtschaftliche Dynamik der Steiermark wurde in den Jahren 1995 bis 2012 besonders vom Produktionssektor getragen. Der Anteil an der gesamten steirischen Wertschöpfung ist vom Jahr 1995 mit 34,7 % auf das Jahr 2012 mit 34,6 % (Österreich: 28,5 %) marginal gesunken, dennoch stieg die Wertschöpfung des sekundären Sektors in absoluten Zahlen von 1995 mit 6,9 Milliarden auf 2012 mit 12,5 Milliarden Euro. Der Anteil des tertiären Sektors ist hingegen von 61,4 % auf 62,8 % leicht gestiegen. Damit ist die Steiermark im Vergleich zu Österreich wesentlich anders strukturiert, wobei große regionale Unterschiede festzustellen sind.

Die wirtschaftliche Dynamik wurden in den Jahren 1995 bis 2012 wesentlich vom Dienstleistungssektor getragen, der steiermarkweit um 87,4 % zugenommen hat (Österreichschnitt 88,5%). Bis 2008 war allerdings der Produktionssektor der wirtschaftliche Motor, der aber 2009 durch die Wirtschaftskrise besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde (und sich erst ab 2011 und 2012 deutlich erholt hat), darin ist in diesem Zeitraum auch der oben erwähnte geringe Rückgang bei der relativen Wertschöpfung zu erklären. In der Region in und um Graz dominiert klar der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von knapp 71 %. In der östlichen Obersteiermark beläuft sich jener Anteil jedoch nur auf gut 48 %, aufgrund der Dominanz der lokalen Industrie mit 49 % (www.statistik.steiermark.at).

Tabelle 4: Bruttowertschöpfung (BWS) nach Wirtschaftssektoren 1995 – 2012

Eine wichtige Entwicklung im steirischen Sekundär-Sektor war die Entstehung der Cluster. Der Autocluster etwa sieht seine vornehmlichste Aufgabe seit 1995 darin, Wirtschaft, Industrie, Forschung und öffentliche Einrichtungen zu vernetzen. Als erster österreichischer Autocluster zählt der ACstyria heute über 50 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 220 Partnerbetrieben. Er erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von rund 14,5 Milliarden Euro. Die sieben Gesellschafter sind AVL, Krenhof Schmiedetechnik, Pierer Mobility AG, Magna Steyr, SFG, TCM International und voestalpine (www.acstyria.com). Eine weitere wichtige Vereinigung ist der Holzcluster, der 2001 gegründet wurde. Ähnlich wie beim Autocluster wird hier durch diverse Kooperationen versucht, die Steiermark als Holz-High-Tech Land zu positionieren und im internationalen Wettbewerb zu stärken. Mit rund 150 Mitgliedsunternehmen in der Forst- und Holzwirtschaft sowie in nebengelagerten Branchen (wie Architekten, Schulen, Universitäten und F&E-Einrichtungen, Anlagenbau, Energie) zählt der Holzcluster Steiermark heute zu einem der stärksten Cluster Europas (www.holzcluster-steiermark.at). Als wichtiger Partner im Holzcluster soll hier die Papierindustrie angeführt werden, die mit knapp 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz einen der wichtigsten Wirtschaftszweige darstellt. Im Holzcluster Steiermark ist die Papier- und Zellstoffindustrie, bezogen auf den Umsatz mit 41 %, Branchenführer – im Vergleich zur gesamten steirischen Industrie trägt die Papier- und Zellstoffindustrie mit 8,3 % des Gesamtumsatzes wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der Steiermark bei. Insgesamt arbeiten ca. 3 000 Arbeiterinnen und Arbeiter und Angestellte in der Zellstoffindustrie (www.wko.at).

Wie schon erwähnt, wird die Steiermark heute als Hochtechnologieland oder Innovationsland bezeichnet. Hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass die Attribute Technologie und Innovation auch von anderen Bundesländern gerne als treibende Wirtschafts- und Entwicklungsstrategien verwendet bzw. genannt werden und nicht nur für die Steiermark allein gültig sind. 

Die ursprünglichen Konzepte zur Kooperation zwischen Industrie und Forschung haben in den Universitäten und Fachhochschulen ihren Ursprung. Der Forschungs- und Entwicklungssektor (F&E) spielt schon seit längerem eine wichtige Rolle in der Steiermark. Insgesamt wurden 2013 in der Steiermark 2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben, das ist eine Steigerung von 14,7 % gegenüber 2011. Die Steiermark ist mit einer F&E-Quote von knapp 5 % der Innovationsstandort Nummer eins in Österreich und zählt zu den innovativsten Wirtschaftsstandorte Europas (www.wirtschaft.steiermark.at).

Hochschulwesen

Für die Industrie, und hier vor allem für die obersteirische, ist die Montanuniversität Leoben sicher einer der wichtigsten Partner für Forschung und Entwicklung. Auch die Technische Universität Graz und die ebenfalls stark wirtschaftlich orientierten Grazer Fachhochschulen Campus02 und FH Joanneum (mit zusätzlichen Standorten in Kapfenberg und Bad Gleichenberg) stellen wichtige Partner für die steirische Industrie dar. Komplettiert wird das steirische Hochschulwesen, das sich sehr stark in der Landeshauptstadt konzentriert, durch die (Karl Franzens-) Universität Graz, die Medizinische Universität Graz, die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und die beiden Pädagogischen Hochschulen, die Pädagogische Hochschule Graz und die Kirchlich Pädagogische Hochschule Graz. Diese Hochschulen bildeten im Studienjahr 2019/20 über 60 000 Studierende aus (ohne Pädagogische Hochschulen) (www.statistik.steiermark). Die Aufteilung der Studierenden auf die einzelnen Hochschulen wird in der folgenden Tabelle 5 erläutert.

Hochschule

Studierende
2018/19

Studierende
2019/20

Universität Graz

29 087

28 536

Medizinische Universität Graz

3 752

3 877

Technische Universität Graz

15 806

15 909

Montanuniversität Leoben

3 733

3 658

Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

1 923

1 899

Campus 02 Fachhochschule der Wirtschaft Steiermark

1 312

1 368

FH Joanneum

4 637

4 796

Studierende
insgesamt

60 250

60 043

Tabelle 5: Aufteilung der Studierenden auf die Grazer Hochschulen (www.statistik.steiermark.at)

Erstmals seit vielen Jahren mussten die steirischen Universitäten und Fachhochschulen vom Wintersemester 2012/13 auf das WS 2013/14 ein Verlust bei den Erstsemestrigen bzw. Studienanfängerinnen und Studienanfängern verzeichnen. Dieser Rückgang betrug im Vergleichszeitraum -0,86 %, wobei einige Universitäten auch Zunahmen verbuchen konnten (vgl. Tabelle 6) (www.statistik.steiermark).

Tabelle 6: Erstimmatrikulierte an steirischen Universitäten und Fachhochschulen (Quelle: www.statistik.steiermark.at, eigene Bearbeitung)

Das steirische Pflichtschulwesen hat, im Gegensatz zu den Hochschulen, schon länger mit rückläufigen Kinderzahlen kämpfen. Im Schuljahr 1989/90 besuchten in der Steiermark noch 184 069 Schülerinnen und Schüler eine öffentliche oder private Schule. Zwanzig Jahre später – d.h. im Schuljahr 2009/10 – besuchten nur noch 163 772 Schülerinnen und Schüler eine der steirischen Schulen (-11 %). Weitere zehn Jahre später, also im Schuljahr 2019/20 waren es gar nur noch 150 672, das entspricht einem Minus von über 18 % gegenüber 1989/90 und innerhalb von diesen zehn Jahren einem Minus von 8 %.

Dieser Schülerinnen- und Schülerrückgang ist eng gekoppelt mit Schulschließungen. Gab es im Jahr 1989/90 noch 1 129 Schulen, waren es 2019/20 nur mehr 875 Schulen. Betrachtet man deren Verteilung in den einzelnen Bezirken, so befindet sich Graz mit insgesamt 156 Schulen weit vor allen anderen steirischen Bezirken. An zweiter Stelle liegt Hartberg-Fürstenfeld mit 83 Schulen, gefolgt von Graz-Umgebung mit 80 (www.statistik.steiermark.at). 

Erklärung

Ausgewählte touristische Einrichtungen

Tourismus

Ein wichtiger Teilbereich des tertiären Sektors ist der Tourismus. Der Fremdenverkehr hat innerhalb der letzten Jahrzehnte (mit Ausnahme der Coronajahre 2020 und 2021) eine äußert positive Entwicklung durchlaufen. Im Jahr 2001 konnte die Steiermark insgesamt 2 522 353 Ankünfte und 9 693 106 Übernachtungen verzeichnen. Im Jahr 2019 lag das Bundesland bei 4 318 840 Ankünften und 13 288 592 Übernachtungen. Somit ergibt sich ein Plus von 71 % bei den Ankünften und 37 % bei den Übernachtungen.

Wie aus den Abschnitten Winter- und Sommerhalbjahr noch hervorgehen wird, kommen jeweils rund 63 % bzw. 62 % der Gäste aus dem Inland. Damit ist die Steiermark das führende Bundesland Österreichs im Inlandstourismus (www.statisik.steiermark.at).

Winterhalbjahr

Durch ihr naturräumliches Potential ist die Steiermark Destination sowohl für den Winter- als auch für den Sommertourismus. Beim Wintertourismus liegt der Bezirk Liezen mit der besonders attraktiven Dachstein Tauern Region im steirischen Vergleich klar vorne. Mit 43 % Gesamtanteil und über 2,5 Mio. Übernachtungen ist Liezen der mit Abstand nächtigungsstärkste Bezirk der Steiermark (Winterhalbjahr 2018/19). Innerhalb der Tourismusregionen (Tabelle 7) befindet sich die Dachstein-Tauern-Region bezüglich Nächtigungen deutlich vor der Region Oststeiermark-Thermenland, nach den Ankünften jedoch nur knapp davor, wofür die kurze Aufenthaltsdauer im Thermenland als Ursache zu nennen ist. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt im Winterhalbjahr bei 3,2 Tagen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist, dass Gäste aus dem Ausland durchschnittlich länger bleiben als Gäste aus dem Inland.

Tourismusregion

Nächtigungen

Ankünfte

Durchschnittliche
Aufenthaltsdauer in Tagen

Region Schladming – Dachstein

1 997 643

471 772

4,2

Thermenland Steiermark – Oststeiermark

1 196 983

407 301

2,9

Urlaubsregion Murau-Murtal

826 351

187 050

4,4

 Region Graz

744 482

358 134

2,1

Ausseerland – Salzkammergut

483 142

125 088

3,9

Hochsteiermark

325 226

127 356

2,6

Süd-Weststeiermark

243 128

92 409

2,6

Sonstige

53 130

20 318

2,6

Steiermark gesamt

5 870 085

1 789 428

3,2

Tabelle 7: Steirische Tourismusregionen im Vergleich – Winterhalbjahr 2018/19 (www.statistik.steiermark.at, eigene Bearbeitung)

Der steirische Fremdenverkehr ist sowohl im Winter als auch im Sommer durch eine sehr starke Konzentration auf wenige Herkunftsländer gekennzeichnet. 63 % der Wintertouristinnen und Wintertouristen kommen aus dem Inland. In die Steiermark kommen einerseits die Steirerinnen und Steirer selbst (26,1 %), aber auch Wienerinnen und Wiener mit 22,6 %, gefolgt von Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher mit 21,2 %. Diese drei Bundesländer stellen knapp 70 % aller inländischen Ankünfte in der Wintersaison 2018/19. 37 % der Gäste kommen aus dem Ausland, von diesen wiederum sind 38,9 % gebürtige Deutsche (257 292 Ankünfte), wobei die Bayern (90 213 Ankünfte) innerhalb der deutschen Gruppe am häufigsten die Steiermark besuchen. Die zweithäufigste Gruppe der ausländischen Touristinnen und Touristen kommt mit 14,9 % (98 344 Ankünfte) aus Ungarn. Danach folgen Gäste aus der Tschechischen Republik mit 9,4 % (61 923 Ankünfte).

Sommerhalbjahr

Der steirische Sommertourismus (2019) kann bei den Gäste- und Nächtigungszahlen den Wintertourismus (ausgenommen in der Dachstein Tauern Region) sogar noch übertreffen. Dieses positive Ergebnis ist größtenteils auf inländische Gäste zurückzuführen: 63,6 % der Ankünfte erfolgten hier wiederum durch Österreicherinnen und Österreicher, ein Viertel davon machten die Steirerinnen und Steirer selbst aus (24,9 %), dicht gefolgt von Gästen aus Wien (22,5 %). Auch im Sommerhalbjahr sind unter den ausländischen Ankünften die Deutschen mit 45,3 % die stärkste Gruppe. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 2,9 Tagen (vgl. Tab.8). 

Tourismusregion

Nächtigungen

Ankünfte

Durchschnittliche
Aufenthaltsdauer in Tage

Region Schladming – Dachstein

1 596 409

404 172

3,9

Thermenland Steiermark – Oststeiermark

1 809 566

581 829

3,1

Urlaubsregion Murau-Murtal

864 288

234 288

3,7

Region Graz

1 094 652

535 829

2,0

Ausseerland – Salzkammergut

619 051

173 725

3,6

Hochsteiermark

502 135

212 019

2,4

Süd-Weststeiermark

691 620

285 538

2,4

Sonstige

180 027

81 523

2,2

Steiermark gesamt

7 357 748

2 508 923

2,9

Tabelle 8: Steirische Tourismusregionen im Vergleich – Sommerhalbjahr 2019 (www.statistik.steiermark.at, eigene Bearbeitung)

Aus den Zahlen des Sommertourismus kann man erkennen, dass der Thermentourismus in der Steiermark eine wichtige Rolle spielt. Mittlerweile sind insgesamt 9 Thermenstandorte in der Steiermark vorhanden (siehe Tabelle 9). Gesamt gesehen ist die Steiermark damit die größte Thermenregion in Österreich. Dabei sollte angemerkt werden, dass die Thermen in Bad Mitterndorf, Köflach und Fohnsdorf außerhalb des mit dem gemeinsamen Namen auftretenden „Thermenland Steiermark“ liegen.

Das Thermenland Steiermark ist eine regionale Tourismusorganisation, welche gemeinsam von örtlichen Tourismusverbänden, Gemeinden und Tourismusbetrieben in den Bezirken Südoststeiermark, Hartberg-Fürstenfeld und Weiz organisiert wird. Die zentrale Aufgabe gilt nach wie vor dem Gesundheitstourismus, weitere Schwerpunkte der Tätigkeit liegen in der regionalen Vernetzung und Entwicklung von touristischen Angeboten (www.thermenland.at). 

Therme

Gemeinde

Bezirk

Eröffnung

Nächtigungen in der Gemeinde (2019)

Parktherme

Bad Radkersburg

SO

1978

554 873

2-Thermenregion Bad Waltersdorf (Heiltherme und H2O Erlebnistherme)

Bad Waltersdorf

HF

1985, 2006

465 595

GrimmingTherme

Bad Mitterndorf

LI

2009

488 977

Therme Loipersdorf

Loipersdorf

HF

1978

265 199

Therme Bad Gleichenberg

Bad Gleichenberg

SO

1837

293 729

Rogner Bad Blumau

Bad Blumau

HF

1997

205 934

Therme Nova

Köflach

VO

2003

79 895

Therme Aqualux

Fohnsdorf

MT

2007

116 527

Tabelle 9: Übernächtigungen an Steirischen Thermenstandorten 2019 (www.statistik.steiermark.at, eigene Bearbeitung) 

In der Tabelle 9 sieht man deutlich, dass die Thermen in Bad Radkersburg und Bad Waltersdorf sehr beliebt sind. Bad Mitterndorf ist zwar bei den Nächtigungszahlen an zweiter Stelle, diese Gemeinde hat jedoch auch einen sehr bedeutenden Wintertourismus, daher sind diese Übernachtungszahlen auf keinen Fall alleine auf die Therme zurückzuführen. Die hohe Übernachtungszahl von Bad Waltersdorf liegt nicht zuletzt an den Gemeindezusammenlegungen, so dass sich nun zwei Thermen in der Gemeinde befinden, welche sich gemeinsam als 2-Thermenregion Bad Waltersdorf vermarkten.

Die Therme Loipersdorf, welche die älteste ‚moderne‘ Therme in Österreich ist, kann als Meilenstein der Thermenentwicklung in Österreich angesehen werden, da sie den Beginn einer bis heute fortgeführten massiven Thermenentwicklung in Österreich einläutete. Mit ‚älteste moderne‘ Therme ist hier die Entwicklung zum Wellness- und Spatourismus seit den 1980er Jahren gemeint. Bad Gleichenberg beispielsweise kann hier im Vergleich dazu auf eine jahrhundertealte Tradition als Kurort zurückblicken. Im Zeitraum zwischen 1980 und 2009 wurden rund 30 Thermenprojekte – fast ausschließlich an völlig neuen Standorten, insbesondere in den ostösterreichischen Bundesländern, realisiert (www.conos.co.at). 

Erklärung

Gütebild der Fließgewässer 1975

Erklärung

Gütebild der Fließgewässer 2003

Erklärung

Europaschutzgebiete – Natura 2000

Anzahl

7 Naturparke: Almenland, Mürzer Oberland, Pöllauer Tal, Sölktäler, Steirische Eisenwurzen, Südsteiermark, Zirbitzkogel-Grebenzen

Gemeinden

34 Naturpark-Gemeinden

Fläche

Die steirischen Naturparke umfassen 2 142 km² (= 12 % der Landesfläche).

Bewohnerinnen und Bewohner

In den sieben steirischen Naturparken wohnen 83 000 Menschen.

Besucherinnen und Besucher

Rund 1,3 Mio. Tagesgäste und 1,1 Mio. Nächtigungen pro Jahr.

Kernaufgaben

  • Naturparke arbeiten in den Aufgabenfeldern Naturschutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung für den Erhalt und die Entwicklung ökologisch intakter Kulturlandschaften.
  • „Schützen durch Nützen“ – Gut vernetzte Vor-Ort-Managements sichern gesunde Lebensgrundlagen durch Schutz-, Pflege- und Nutzungsformen im Sinne ökonomischer, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit.
  • Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaft durch Steigerung der Wertschöpfung, vor allem durch zahlreiche Naturschutz- und Regionalentwicklungsprojekte.
  • Innovative Naturvermittlung als zentrales Instrument der Bewusstseinsbildung für integrierten, dynamischen Naturschutz.

Tabelle 10: Die steirischen Naturparke in Zahlen (www.naturparke-steiermark.at)


Quelle und Bearbeiter

Quellenverzeichnis

Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulpraxis/lp/lp_vs.html

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS: 
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/
NOR40207228/NOR40207228.pdf

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568

Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP): 
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

Weiterführende Literatur:
Bender O. und Pindur P. (2004): Erzberg, Eisenwurzen und „Mur-Mürzfurche“. – In: Geographische Rundschau 56, 16-23.

Breitfelder J. (2012): Regionalgeographisches Kurzportrait der Steiermark für den Schulatlas Steiermark, Unpubl. Diplomarbeit, Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz, 94.

Harrer J. (2010): Faktoren der Krise der steirischen Industrie in den 1970er und 1980er Jahren. Eine wirtschaftshistorische Bestandsaufnahme. Unpubl. Diplomarbeit, Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte, Universität Graz, 116.

Haßlacher P. (2003): Alpenkonvention. Österreichischer Alpenverein, Innsbruck, 130.

Helige A. (1985): Steiermark 1970 – 1984. – In: Sonderreihe „Die österreichischen Bundesländer“, Creditanstalt Bankverein Wien.

Lieb G. (2002): Mur-/ Mürztal und Graz – Zentralräume der Steiermark. – In: Hitz H. und Sitte W. (Hrsg.): Das östliche Österreich und benachbarte Regionen – Ein geographischer Exkursionsführer, Ed.Hölzl, 217-243.

Maurer W. (1981): Die Pflanzenwelt der Steiermark. Verlag für Sammler Graz, 147.

Posedu B. (2003): Strukturelle Entwicklungen und Innovationspotentiale der steirischen Industrie. Unpubl. Diplomarbeit, Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz, 106.

Wakonigg H. (1978): Witterung und Klima in der Steiermark. – dbv-Verlag für die Technische Universität Graz, 473. 

Internetquellen:
Statistik Austria: www.statistik.at
www.landesstatistik.steiermark.at

 

 

Autorinnen und Autoren

Text:
Mag. Jürgen Breitfelder (2012), aktualisiert und überarbeitet von Mag.a Edeltraud Pirker (2015, 2016)

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Kartengestaltung:
Mag.a Bernadette Kreuzer, Mag.a Edeltraud Pirker, Mag. Michael Krobath, Mag. Dieter Pirker, Heidemarie Proyer, Mag. Richard Pink, Ass. Prof. Mag. Dr. Wolfgang Sulzer

Web-Bearbeitung:
Christian Lieb MSc. (2019)

Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc


Didaktik

Die formulierten Lehrplanbezüge versuchen das jeweilige Thema mit verschiedenen Lehrplaninhalten bzw. Lehrplanforderungen zu verknüpfen. Die möglichen Lernziele, welche mittels des Themas des Schulatlas erreicht werden sollen bzw. können, orientieren sich an den in den Lehrplänen enthaltenen Lerninhalten bzw. -zielen.  Wichtig zu beachten ist dabei, dass die alleinige Bearbeitung der Themen und Arbeitsmaterialien des Schulatlas Steiermark die Erreichung der Lernziele nicht garantieren kann. Eine Einbettung dieser in eine umfassendere, sinnvolle sowie zielorientierte Unterrichtsvorbereitung ist dafür notwendig.

Lehrplanbezüge und Lernziele für die „Grundstufe“ sind immer auf den Sachunterricht ausgelegt. Jene der „Sekundarstufe I“ beziehen sich auf AHS- bzw. MS-Lehrpläne. „Sekundarstufe II“ ist nur auf AHS bezogen. Bei Lehrplanbezügen der BHS-Schulformen, sofern nichts zusätzlich in Klammer angemerkt ist, sind folgende Fächer gemeint: HLW und Tourismusschulen =  Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft; HAK = Geografie (Wirtschaftsgeografie); HTL= Geografie, Geschichte und Politische Bildung; BAfEP = Geografie und Wirtschaftskunde.

Lehrplanforderungen Grundstufe II

Erfahrungs- und Lernbereich Raum:

Pläne und Karten als geografische Darstellungsformen kennen und als Orientierungshilfen verwenden.

  • Verschiedene Karten lesen (z.B. Wanderkarte, Landkarte, Straßenkarte).
  • Mit Hilfe von Landkarten Einsichten in das eigene Bundesland erweitern. 

Räume erschließen, dabei grundlegende geographische Einsichten und Informationen gewinnen.

  • Kenntnisse über wichtige Bauwerke, Sehenswürdigkeiten, regionalen Besonderheiten etc. des Wohnortes/des Wohnbezirkes erwerben.
  • Übersicht über das eigene Bundesland gewinnen (beispielhaft über Verkehrswege, politische Bezirke, Wirtschaft und Kultur sprechen).

Lehrplanforderungen Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde

1. Klasse:
Ein erster Überblick:

  • Regionale bzw. zonale Einordnung der im Unterricht durchgenommenen Beispiele.

2. Klasse:
Leben in Ballungsräumen:

  • Das Leben in Ballungsräumen und peripheren Räumen vergleichen.

3. Klasse:
Lebensraum Österreich:

  • Anhand von unterschiedlichen Karten, Luft- und Satellitenbildern die Eigenart österreichischer Landschaften erfassen.

Gestaltung des Lebensraums durch die Menschen:

  • Die Lebenssituation in zentralen und peripheren Gebieten vergleichend erfassen.
  • Vergleichen unterschiedlicher Standortpotenziale zentraler und peripherer Gebiete an den Beispielen Verkehr, Infrastruktur, Versorgung und Umweltqualität.
  • Die Notwendigkeit der Raumordnung begreifen.

4. Klasse:
Gemeinsames Europa – vielfältiges Europa:

  • Die Vielfalt Europas – Landschaft, Kultur, Bevölkerung und Wirtschaft – erfassen.
  • Informationen über ausgewählte Regionen und Staaten gezielt sammeln und strukturiert auswerten.

Lehrplanforderungen Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde

 5. Klasse (1. und 2. Semester):
Die soziale, ökonomisch und ökologisch begrenzte Welt.
Gliederungsprinzipien der Erde nach unterschiedlichen Sichtweisen reflektieren.

  • Gliederungsmöglichkeiten der Erde nach naturräumlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Merkmalen analysieren.
  • Interessensgebundenheit von Gliederungen vergleichen.
  • Geographien durch Zonierungen/Gliederungen/Grenzziehungen machen und reflektieren.

6. Klasse (4.Semester):
Vielfalt und Einheit – Das neue Europa.
Wettbewerbspolitik und Regionalpolitik bewerten.

  • Räumliche Disparitäten theoretisch begründen und anhand ausgewählter Beispiele veranschaulichen.
  • Regionale Entwicklungspfade vergleichen.
  • Anhand ausgewählter Beispiele die Veränderungen in Raum, Wirtschaft und Gesellschaft durch Beitritt und Mitgliedschaft in der Europäischen Union erörtern.

    7. Klasse (6. Semester):
    Kompetenzmodul 6:
    Österreich – Raum – Gesellschaft – Wirtschaft.
    Naturräumliche Chancen und Risiken erörtern.

    • Geoökologische Faktoren und Prozesse erklären.

    Lehrplanforderungen BHS  

    HAK:
    I. Jahrgang:
    Räumliche Orientierung:

    • Kartografie und geografische Informationssysteme, topografische Grundlagen und Orientierungswissen.

    I.-II. Jahrgang:
    Räumliche Orientierung:

    • Topografische Grundlagen.

    HLW und Tourismusschulen:
    III. Jahrgang (5. Semester):
    Kompetenzmodul 5:

    • Grundlagen der Geografie (Orientierung mit unterschiedlichen kartografischen Medien, physiogeografische Grundlagen).

    HTL:
    I. Jahrgang:

    • Begriff, Bedeutung und Arbeitsmethoden der Geografie; naturgeografische und humangeografische Grundlagen.
    • Orientierungswissen durch traditionelle und digitale Informationsmedien; Grundlagen der Kartenkunde; Geografische Informationssysteme.

    BAfEP:
    I. Jahrgang (1. und 2. Semester):
    Bereich „Gesellschaft“:

    • Demografische Prozesse, Bevölkerung(sentwicklung) im regionalen Vergleich, Migration und Diversität.

    Die Schülerinnen und Schüler können …

    • verschiedene Karten lesen (in diesem Fall Landkarten). (Grundstufe II)
    • Einsichten in das eigene Bundesland erweitern. (Grundstufe II)
    • eine Übersicht über das eigene Bundesland durch Kenntnis verschiedener diesbezüglicher Daten und Fakten erlangen. (Grundstufe II)
    • Ballungsräume und periphere Räume in der Steiermark vergleichen und beschreiben. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde)
    • anhand
      von Karten die Eigenart österreichischer, in diesem Fall steirischer,
      Landschaften charakterisieren.
      (Sekundarstufe I   – Geographie und Wirtschaftskunde)
    • die Anordnung klimatischer Erscheinungen anhand des Beispiels der
      Steiermark erklären. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde)
    • einige Ursachen und Folgen der Bevölkerungsverteilung und -entwicklung erfassen. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde)
    • kartografische Darstellungsformen benennen, interpretieren und für unterschiedliche Fragestellungen anwenden. (HAK)
    • topografische Kenntnisse erweitern und diese für unterschiedliche Anwendungen nutzen. (HAK)
    • kartografische Medien anwenden. (HLW und Tourismusschulen)
    • die
      Grundlagen und Ziele der geografischen Arbeit benennen und beherrschen
      topografische und länderkundliche Grundkenntnisse. (HTL)
    • die Bevölkerungsentwicklung auf regionaler Ebene (Steiermark) darstellen. (BAfEP)