2.2 Die Gliederung der Steiermark

2.2 Die Gliederung der Steiermark

Einleitung

In der Steiermark gibt es eine West-, eine Süd- und eine
Ost-, aber keine Nordsteiermark. Für den Norden des Landes ist vielmehr die Bezeichnung Obersteiermark, seltener und unschärfer auch Oberland, üblich. Aber gibt es dann auch eine Untersteiermark? Und wenn ja, wo liegt sie?

Dieser Themenbereich des Schulatlas erlaubt einen Blick zurück in die Geschichte – auch über die Staatsgrenze hinweg ins Nachbarland Slowenien – und bietet ein klares Begriffsinventar zur Gliederung der Steiermark an.

Didaktik

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Erklärung

Gliederung der Steiermark

Diese Karte veranschaulicht eine Gliederungsmöglichkeit der Steiermark. Hierbei ist nicht nur die österreichische, sondern auch die slowenische Steiermark abgebildet. Somit weist die Karte neben einer geographischen auch eine historisch relevante Dimension auf.

Die Untersteiermark liegt heute in Slowenien, das seit 1. Mai 2004
Mitglied der Europäischen Union ist. Sie heißt dort „Štajerska“, ihre
Bewohnerinnen und Bewohner bezeichnen sich auch gerne als Steirerinnen
und Steirer (Štajerci). Allerdings gibt es kein Verwaltungsgebiet dieses
Namens.

Flächen und Einwohnerinnen und Einwohner der Steiermark (Österreich) und der Štajerska (Slowenien) 1910 und 2001:

 

Steiermark

Štajerska

Fläche

16 398 km2

6 037 km2

EinwohnerInnen 1910

967 300

476 800

EinwohnerInnen 2001

1 184 700

748 000

Anmerkung: Die Angaben für 1910 beziehen sich auf die jeweiligen heutigen Flächen.

Die 5 größten Städte der Steiermark (Österreich) und der Štajerska (Slowenien) um 2000:

Steiermark

Štajerska

Graz (226 200 Ew.)

Maribor (112 600 Ew.)

Leoben (25 800 Ew.)

Celje (48 700 Ew.)

Kapfenberg (22 200 Ew.)

Velenje (33 800 Ew.)

Bruck/Mur (13 400 Ew.)

Slovenska Bistrica (30 100 Ew.)

Knittelfeld (12 700 Ew.)

Krško (28 000 Ew.)

Anmerkung: Ew. = Einwohnerinnen und Einwohner. Es
ist zu beachten, dass es sich um Angaben für die gesamten Stadtgemeinden
handelt. Diese umfassen in Slowenien meist wesentlich größere Flächen
als in Österreich, was den unmittelbaren Vergleich der Zahlen erschwert.
Die Gemeinde Krško liegt nur teilweise auf dem Territorium der
„historischen“ Steiermark.

Erklärung

Gliederung der Steiermark in Ober- und Mittelsteiermark

In der Mitte des Grazer Hauptplatzes steht ein Brunnen, der nach Erzherzog Johann (1782-1859) benannt ist. Er war ein großer Förderer der Steiermark, besonders in den Bereichen Landwirtschaft, Bergbau, Verwaltung, Technik und Wissenschaft. Am Brunnen sind Frauenfiguren angebracht, welche die vier steirischen Flüsse symbolisieren:

  • Enns
  • Mur
  • Drau/Drava
  • Sann/Savinja.


Abbildung 1: Der Erzherzog-Johann-Brunnen am Grazer Hauptplatz (im Hintergrund der Uhrturm)


Abbildung 2: Allegorische Figur der Sann/Savinja am Erzherzog-Johann-Brunnen

Damit erinnert der Brunnen daran, dass die Steiermark bis zum Jahr 1918 viel größer war als heute. Mit der staatlichen Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg kam die „Untersteiermark“ zum späteren Jugoslawien, weil sie mehrheitlich von Sloweninnen und Slowenen besiedelt war und ist (siehe Text zu „Gliederung der Steiermark“).

Bei Österreich verblieben damals die „Obersteiermark“, das ist der am stärksten gebirgige Teil der Steiermark, und die „Mittelsteiermark“, das ist die weitere Umgebung der Landeshauptstadt Graz. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es üblich, die Mittelsteiermark noch weiter in eine West-, Ost- und zuletzt auch eine Südsteiermark zu gliedern.


Quelle und Bearbeiter

Quellenverzeichnis

Kartengrundlage: 
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS: 
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568

Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

Autorinnen und Autoren

Text:
Ao. Univ.Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb (2004, 2013)

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Kartengestaltung:
Mag. Michael Krobath (2004, 2013)

Web-Bearbeitung:
Christian Lieb MSc. (2019)

Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc


Didaktik

Dieser Themenbereich wird vornehmlich im Sachunterricht der 4. Schulstufe erarbeitet. Unter Berücksichtigung des leitenden Fragenbereichs „Österreich“ im Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde ist aber ein Aufgriff dieser Thematik auch in allen Schulstufen der Sekundarstufe I – sowie bei speziellen Einzelthemen wie etwa grenzüberschreitenden, zwischenstaatlichen Kooperationen auch in der Sekundarstufe II – möglich und sinnvoll.

Die formulierten Lehrplanbezüge versuchen das jeweilige Thema mit verschiedenen Lehrplaninhalten bzw. Lehrplanforderungen zu verknüpfen. Die möglichen Lernziele, welche mittels des Themas des Schulatlas erreicht werden sollen bzw. können, orientieren sich an den, in den Lehrplänen enthaltenen, Lerninhalten bzw. -zielen.  Wichtig zu beachten ist dabei, dass die alleinige Bearbeitung der Themen und Arbeitsmaterialen des Schulatlas Steiermark die Erreichung der Lernziele nicht garantieren kann. Eine Einbettung dieser in eine umfassendere, sinnvolle sowie zielorientierte Unterrichtsvorbereitung ist dafür notwendig.

Lehrplanbezüge und Lernziele für die „Grundstufe“ sind immer auf den Sachunterricht ausgelegt. Jene der „Sekundarstufe I“ beziehen sich auf AHS- bzw. NMS-Lehrpläne. „Sekundarstufe II“ ist nur auf AHS bezogen. Bei Lehrplanbezügen der BHS-Schulformen, sofern nichts zusätzlich in Klammer angemerkt ist, sind folgende Fächer gemeint: HLW und Tourismusschulen =  Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft; HAK = Geografie (Wirtschaftsgeografie); HTL= Geografie, Geschichte und Politische Bildung; BAfEP = Geografie und Wirtschaftskunde.

Lehrplanforderungen Grundstufe II

Erfahrungs- und Lernbereich Raum:
Räume erschließen, dabei grundlegende geographische Einsichten und Informationen gewinnen.
Kenntnisse über wichtige Bauwerke, Sehenswürdigkeiten, regionalen Besonderheiten etc. des Wohnortes/des Wohnbezirkes erwerben.

  • Übersichten über die Lage einzelner Landschaften erarbeiten (Orte, Flüsse, Gebirge, Verkehrswege) und dabei Verständnis für Zusammenhänge anbahnen (z.B. Landschaft, Siedlung, Wirtschaft).
  • Übersicht über das eigene Bundesland gewinnen (beispielhaft über Verkehrswege, politische Bezirke, Wirtschaft und Kultur sprechen).

Lehrplanforderungen Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde

3. Klasse: 
Lebensraum Österreich:

  • Anhand von unterschiedlichen Karten, Luft- und Satellitenbildern die Eigenart österreichischer Landschaften erfassen.

Gestaltung des Lebensraums durch die Menschen:

  • Die Notwendigkeit der Raumordnung begreifen.

4. Klasse: 
Gemeinsames Europa – vielfältiges Europa:

  • Die Vielfalt Europas – Landschaft, Kultur, Bevölkerung und Wirtschaft– erfassen.
  • Informationen über ausgewählte Regionen und Staaten gezielt sammeln und strukturiert auswerten.   

Lehrplanforderungen Sekundarstufe II  – Geographie und Wirtschaftskunde

5. Klasse (1. und 2. Semester): 
Die soziale, ökonomisch und ökologisch begrenzte Welt.
Gliederungsprinzipien der Erde nach unterschiedlichen Sichtweisen reflektieren.

  • Gliederungsmöglichkeiten der Erde nach naturräumlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Merkmalen analysieren.  
  •  Interessensgebundenheit von Gliederungen vergleichen.
  • Geographien durch Zonierungen/Gliederungen/Grenzziehungen machen und reflektieren.

7. Klasse (6. Semester):  
Kompetenzmodul 5:
Österreich – Raum – Gesellschaft – Wirtschaft. 
Veränderungen der geopolitischen Lage Österreichs erläutern.  

  • Qualitäten österreichischer Grenzen seit dem 20. Jahrhundert in ihren diversen Auswirkungen erläutern.  
  • Möglichkeiten grenzüberschreitender Regionalentwicklung unter dem Einfluss der europäischen Integration darstellen.

8. Klasse (6. Semester): 
Lokal – regional – global: Vernetzungen – Wahrnehmungen – Konflikte. 
Politische Gestaltung von Räumen untersuchen. 

  • Ziele, Gestaltungsspielräume und Auswirkungen der Raumordnung erklären.  
  • Konstruktionen von Räumen und raumbezogenen Identitäten untersuchen.  

Lehrplanforderungen BHS

HAK:
I. Jahrgang, 1. und 2. Semester:
Räumliche Orientierung:

  • Kartografie und geografische Informationssysteme, topografische Grundlagen und Orientierungswissen

HLW und Tourismusschulen:
III. Jahrgang, 5. Semester
Kompetenzmodul 5:

  • Grundlagen der Geografie (Orientierung mit unterschiedlichen kartografischen Medien, physiogeografische Grundlagen).

V. Jahrgang, 10.Semester
Kompetenzmodul 9:

  • Österreich: Raumordnung und Raumplanung.

HTL: 
I. Jahrgang:

  • Orientierungswissen durch traditionelle und digitale Informationsmedien; Grundlagen der Kartenkunde; Geografische Informationssysteme.
  • Geografische Gliederungsmodelle im Vergleich.

BAfEP:
III. Jahrgang, 5. Semester
Kompetenzmodul 5:

Bereich „Transfer in das pädagogische Berufsfeld“.

  • Gemeinde, Stadt, Region im beruflichen Umfeld, regionale Besonderheiten des Standortes, Migration, Diversität.

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • Übersichten über die Lage einzelner Landschaften anhand der Steiermark erarbeiten. (Grundstufe II)
  • ein Verständnis für Zusammenhänge entwickeln (z.B. Landschaft, Siedlung, Wirtschaft). (Grundstufe II) 
  • beispielhaft über Verkehrswege, politische Bezirke, Wirtschaft und Kultur im eigenen Bundesland sprechen. (Grundstufe II)
  • die Notwendigkeit der Raumordnung erklären und analysieren. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Informationen über ausgewählte Regionen (z.B. Steiermark) gezielt sammeln und strukturiert auswerten. (Sekundarstufe I – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Gliederungsmöglichkeiten der Erde exemplarisch anhand des Bundeslandes Steiermark nach kulturellen und politischen Merkmalen analysieren. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde) 
  • Interessensgebundenheit von Gliederungen vergleichen. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Geographien durch Gliederungen exemplarisch anhand der Gliederung der Steiermark machen und reflektieren. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Beschaffenheit österreichischer Grenzen seit dem 20. Jahrhundert anhand der steirisch-slowenischen Grenze in ihren Auswirkungen erläutern. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde) 
  • Ziele, Gestaltungsspielräume und Auswirkungen der Raumordnung exemplarisch erklären und darstellen. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • Konstruktionen von Räumen und raumbezogenen Identitäten anhand der Steiermark und damit verbundenen Identitäten untersuchen. (Sekundarstufe II – Geographie und Wirtschaftskunde)
  • kartografische Medien exemplarisch anwenden. (HLW und Tourismusschulen)
  • kartografische Darstellungsformen benennen, interpretieren und für unterschiedliche Fragestellungen anwenden. (HAK)
  • die Notwendigkeit von Raumordnung und Raumplanung begründen und ihre Instrumente erklären. (HAK)
  • wesentliche geografische Gliederungsmodelle sowie unterschiedliche raumorientierte Entwicklungskonzepte erklären (Raumentwicklung und Orientierung). (HAK)
  • die Grundlagen und Ziele der geografischen Arbeit benennen und beherrschen (HAK)
  • topografische und länderkundliche Grundkenntnisse erwerben. (HAK)
  • den regionalen Natur-, Lebens- oder Wirtschaftsraum charakterisieren. (BAfEP)

Der Karteninhalt bietet nur indirekte Anknüpfungspunkte für die schulische Umweltbildung. Der Thematik kommt darin aber doch eine hohe Bedeutung zu, weil Umweltprobleme bekanntlich nicht an politischen Grenzen enden. Somit stellt eine großräumige, grenzüberschreitende Umweltpolitik eine besonders wichtige Herausforderung für die Zukunft der Europäischen Union, ja der gesamten Erde, dar. In diesem Zusammenhang auch historische Bezüge zu kennen, kann eine Grundlage dafür sein, dass Schülerinnen und Schüler die Bereitschaft entwickeln, an der Lösung überregionaler Umweltfragen mitzuwirken.