2.1.5 Die Steiermark in der Eisenzeit

2.1.5 Die Steiermark in der Eisenzeit

Einleitung

Die Epoche vor der Hallstattzeit wird als  Urnenfelderzeit  bezeichnet. Sie ist im überwiegenden Teil Mittel- und Westeuropas durch eine einheitliche Bestattungsart in Urnen gekennzeichnet. Am Ende der Urnenfelderzeit ist ein Kulturwandel zu beobachten, der vor allem in der immer stärker werdenden Verwendung von Eisen deutlich wird. Das Eisen löst den bis zu diesem Zeitpunkt verwendeten Werkstoff Bronze für die Herstellung von Waffen und Geräten ab. Diese technologische Veränderung  bedingt auch einen grundlegenden Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft.

Außerdem ist sie ausschlaggebend für die Benennung der Epoche zwischen 800 v. Chr. und der Zeitenwende als Eisenzeit. Der ältere Abschnitt der Eisenzeit wird als Hallstattzeit bezeichnet, die (mit regionalen Unterschieden) in der Mitte des 5. Jhs. v. Chr. endet. Daran schließt die jüngere Eisenzeit, die sogenannte Latènezeit an.

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2.1.5.1 Die Steiermark in der Hallstattzeit

Namengebend für die Hallstattzeit ist der Ort Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden dort die ersten Gräberfunde gemacht. Durch die vom damaligen Leiter des Salzbergwerkes Georg Ramsauer veranlassten ersten Grabungen (1846-1863) wurde die Bedeutung dieses Gräberfeldes deutlich. Die Gesamtzahl der Bestattungen (teils Körper-, teils Brandbestattungen) dürfte bei etwa 2 000 gelegen haben. Die Gräber enthielten überaus prunkvolle Beigaben und lassen auf eine durch den Salzhandel reich gewordene Bevölkerung schließen. 

Erklärung

2.1.5.1.1 Fundstätten der Hallstattzeit

Der gesamte Hallstatt-Kulturkreis ist in seiner Ausprägung heterogen und weist sowohl regional, als auch chronologisch Unterschiede auf. Dies ist vor allem an den Keramikgefäßen festzuhalten, deren Machart, Form und Dekor Differenzen erkennen lassen. Dagegen sind die Typen der Metallobjekte über weite Gebiete sehr gleichförmig verbreitet. 


Abbildung 1: Tumuli am Wildoner Buchkogel (Foto: S. Tiefengraber, 2012)

Charakteristische Unterschiede reflektieren speziell die Waffen. Das Schwert ist vor allem für den Westen typisch, im Osten findet man als Standardbewaffnung Beil und Lanze, dazu kommen noch Panzer und Helm. Außerdem werden die Unterschiede vor allem im Grabbrauch der sozialen Führungsschicht deutlich. Im Westen dominieren repräsentative Luxusgegenstände als Grabbeigaben, im Osten weisen sie die bestatteten Fürsten als schwer bewaffnete Reiterkrieger aus.

Man unterscheidet daher zwischen einem West- und einem Osthallstattkreis. Das Zentrum des Osthallstattkreises ist das Ostalpengebiet: Kärnten, Steiermark, Burgenland, Niederösterreich, Westungarn, Teile der Slowakei, Slowenien und Kroatien. Zum Westhallstattkreis gehören Burgund, Schweiz, Süddeutschland, Böhmen und Oberösterreich.

Eines der wesentlichsten Merkmale der Hallstattkultur in Europa ist eine führende soziale Oberschicht (Aristokratie/Fürsten). Ihre Mitglieder wurden in groß dimensionierten, aufwendig konstruierten und reich ausgestatteten Hügeln, sogenannten „Fürstengräbern“ bestattet. Diese Hügelgräber (Tumuli) (Abbildung 1) konnten Durchmesser von über 40 Meter und Höhen bis zu 12 Meter aufweisen. In diesen präsentieren sich weltliche und religiöse Macht, Lebens- und Jenseitsvorstellungen, Reichtum und Handelsbeziehungen. Die Fürsten erhielten besonders prächtige und wertvolle Grabbeigaben, denn sie mussten auch im Jenseits standesgemäß auftreten und beispielsweise ihre Gäste reich bewirten können. Daher kam neben der persönlichen Ausstattung und den Waffen auch eine große Anzahl an Bronze- und Keramikgefäßen mit in die Gräber.


Abbildung 2: Tumulus II (Fürstengrab) bei Strettweg (Foto: S. Tiefengraber, 2012)

Es war im Ostbereich der Hallstattkultur üblich, die Verstorbenen samt ihrer Grabbeigaben auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Anschließend wurden die verbliebenen kleinen Knochenreste (Leichenbrand) sorgfältig eingesammelt und in Keramik- oder Bronzegefäßen, die als Urnen dienten, deponiert. Im Rahmen einer feierlichen Begräbniszeremonie verbrachte man die Urnen schließlich in die reich ausgestaltete Grabkammer. Die wertvollen Beigaben wurden daneben gestellt. Auch die verschmolzenen Reste des mitverbrannten zweiten Beigabensatzes wurden geborgen und vor dem Verschließen der Grabkammer im Eingangsbereich (Dromos) aufgeschüttet. Außerdem mussten dem Fürsten weitere Personen (Frau und Knappe/Diener) und Tiere (Pferde) als Begleiterinnen und Begleiter ins Jenseits folgen.

Die ältesten Fürstengräber treten im Osthallstattkreis auf, im Westen setzen sie erst mit dem jüngeren Abschnitt der Hallstattzeit ein. Die Sitte, große Grabhügel zu errichten, bricht im Osthallstattkreis, mit Ausnahme der unterkrainischen Gruppe, um 570/60 v. Chr. unvermittelt ab.

Erklärung

2.1.5.1.2 Siedlungszentren der Hallstattzeit

In der Regel liegen in der Nähe der Fürstengräber große Höhensiedlungen, die als „Fürstensitze“ bezeichnet werden. Im Westhallstattkreis sind sie durchwegs befestigt, im Osthallstattkreis großteils unbefestigt. Sie liegen meist an einer besonderen topografischen Position und an wichtigen Verkehrswegen. Außerdem hatten sie die Funktion von Zentralorten, in deren Umfeld sich einzelne kleinere Siedlungen oder einfache Gehöfte befanden.

Die beiden wichtigsten Zentren der Hallstattzeit in der Steiermark liegen am Burgstallkogel bei Kleinklein und am Falkenberg bei Judenburg-Strettweg. Sie sind aufgrund von Funden aus den zu den Siedlungen gehörenden Fürstengräbern (Abbildung 2) bereits seit dem 19. Jh. bekannt. 


Abbildung 3: Blick vom Judenburger Stadtturm auf den Falkenberg und Strettweg (Foto: S. Tiefengraber, 2012)

Die Siedlung, bzw. der Fürstensitz am Burgstallkogel ist allerdings stark durch die spätere landwirtschaftliche Nutzung überprägt und nur in einem geringen Ausmaß fassbar. Rundherum  zeugen jedoch die zahlreichen Hügelgräberfelder und die groß dimensionierten Fürstengräber  (Kröll-/Schmiedkogel, Pommerkogel, Hartnermichlkogel I und II) von der einstigen internationalen Bedeutung dieser Zentralsiedlung. Die Gründung  der Kleinkleiner Fürstendynastie erfolgte in der 2. Hälfte des 8. Jh. v. Chr. Die Siedlung  bestand bis zur 1. Hälfte des 6. Jh. v. Chr., als der letzte Fürst im sogenannten Kröll-/Schmiedkogel bestattet wurde. Ihm wurden eine große Anzahl an Keramik- und Metallgefäßen, eine Bronzemaske, Bronzehände, Trachtbestandteile und vieles andere mehr als Beigaben mit in sein äußerst reich ausgestattetes Grab gegeben. Außerdem folgten ihm eine Frau und ein Knappe/Diener sowie Pferde ins Grab.

Auch im Umfeld des Burgstallkogels sind in der Ebene des Sulmtales Siedlungen der Hallstattzeit (Gehöfte oder kleine Weiler) beobachtbar, wie etwa im Hartwald bei Graschach. 

Die unbefestigte Zentralsiedlung am Falkenberg (Abbildung 3) konnte, im Gegensatz zu der am Burgstallkogel, durch archäologische Untersuchungen nachgewiesen und in ihrer gesamten Ausdehnung erfasst werden. Sie bestand von 800 bis ca. 550 v. Chr. und wurde von mindestens vier Generationen von Menschen bewohnt. Am Falkenberg sind noch heute künstlich angelegte Terrassierungen erkennbar, auf denen einst Holzhäuser in Blockbauweise standen (Abbildung 4 und 5). Es ist mit einer Bevölkerungszahl von 3 000 – 4 000 Menschen zu rechnen. Die damals bereits internationale Bedeutung dieser Siedlung gründet sich einerseits auf das hier vorhandene Eisenvorkommen und andererseits auf die Lage der Siedlung am Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrswege.


Abbildung 4: Hallstattzeitliche Siedlungsterrassen am Falkenberg (Foto: S. Tiefengraber, 2012)

In der Ebene östlich des Falkenberges befindet sich in Strettweg, einem Ortsteil von Judenburg, die große zugehörige Nekropole (Friedhof) mit mehreren monumentalen Fürstengräbern und vielen weiteren kleineren Hügel- und Flachgräbern. Bereits seit dem 19. Jh. ist durch den Fund des sogenannten Opferwagens von Strettweg (heute im Universalmuseum Joanneum), eines dieser Gräber bekannt. In den prunkvoll ausgestatteten Gräbern mit massiven steinernen Grabkammern mit Dromos (Zugangskorridor) fanden sich außerdem zahlreiche Bronze- und Keramikgefäße, Waffen und Trachtbestandteile. Die äußerst reiche und prunkvolle Waffenausstattung (Abbildung 6) und die beigegebenen Pferdegeschirrteile kennzeichnen die Fürsten als Reiterkrieger. Der Opferwagen könnte die Grabbeigabe einer eventuell als Priesterin anzusprechenden Frau gewesen sein, der auch besonders prächtige Kleidung und wertvoller Schmuck mit ins Grab gegeben wurde.


Abbildung 5: Pfostenlöcher, Balkengräben und Abfallgruben von mehreren übereinanderliegenden hallstattzeitlichen Gebäuden (Foto: S. Tiefengraber, 2012)


Abbildung 6: Bronzeschwert (Typ Tahlovice) aus dem Tumulus II bei Strettweg (Foto: S. Tiefengraber, 2012)

Sowohl anhand des Falkenberges, als auch des Burgstallkogels, ist zu beobachten, dass die zugehörigen Gräberfelder an Ausfallswegen im unmittelbaren Umfeld der Siedlungen angelegt wurden. Dies scheint regelhaft auch bei den übrigen Niederlassungen angewandt worden zu sein.

Im unmittelbaren Umfeld der Zentralsiedlung am Falkenberg ist mit einer Anzahl von kleineren bäuerlichen Gehöften oder Weilern zu rechnen. In der fruchtbaren Ebene des Aichfeldes wurden Ackerbau und Viehzucht betrieben, um die Bewohnerinnen und die Bewohner des Falkenberges zu versorgen.

Neben diesen beiden Hauptzentren bestanden im Bereich der heutigen Steiermark weitere, kleinere hallstattzeitliche Siedlungszentren. Dem Salzexportzentrum Hallstatt am nächsten gelegen ist der Kulm bei Aigen im Ennstal. Im Gipfelbereich dieses freistehenden Berges befindet sich eine bislang nur wenig erforschte Siedlung mit zugehörigen Hügelgräbern. Reste von Bronzegefäßen aus diesen Gräbern unterstreichen die Bedeutung dieser Niederlassung, die wohl als Station auf dem Salzhandelsweg zu betrachten ist.

Im Bereich von Neumarkt liegt am Weg Richtung Süden ebenfalls ein Siedlungszentrum, das sich durch seine Lage an einem wichtigen Verkehrsweg auszeichnet.

Auf dem ebenfalls durch seine geografische Lage ausgezeichneten Häuselberg bei Leoben befand sich eine große Siedlung, von der nur geringe Teile erforscht werden konnten. Die dazu gehörenden Flachgräber befinden sich in Leoben-Hinterberg.

Richtung Osten führt der Weg durchs Mur- ins Mürztal und weiter in die Region um Kapfenberg, wo am Burgstall bei Pötschach das nächste Zentrum lag.

Im Bereich der heutigen Stadt Graz war auf dem in späterer Zeit vielfach überprägten Schlossberg ebenfalls eine Siedlung der Hallstattzeit. Auch beim heutigen Karmeliterplatz traten frühhallstattzeitliche Funde zutage. Zumindest ein monumentales Hügelgrab ist heute noch im Stadtgebiet von Graz sichtbar. Darauf wurde in späterer Zeit die Leechkirche errichtet. Bei archäologischen Untersuchungen konnten die Strukturen der Grabkammer noch erforscht und einige repräsentative Funde der einst reichen Grabausstattung geborgen werden.

Die nächsten Stationen Richtung Süden bilden die in verkehrsgeografisch günstiger Lage errichteten Siedlungen auf dem Wildoner Schlossberg und auf dem Buchkogel. Der Wildoner Schlossberg ist gleich wie der Grazer Schlossberg in späterer Zeit durch die Errichtung von Burgen stark überprägt worden. Zahlreiche Hügelgräber und Flachgräber finden sich im Umfeld dieser Siedlungen. Einer der größten Hügel ist der im Gelände heute noch kenntliche Galgenkogel.

Neben den bisher genannten Zentralsiedlungsbereichen sind zahlreiche weitere Siedlungsstellen und Hügelgräber bekannt. Außerdem vervollständigen zufällig aufgelesene oder bei Bauarbeiten oder der Ackertätigkeit zutage getretene Einzelfunde das Bild der Steiermark zur Hallstattzeit.

Die Besiedlungsstruktur ist je nach Landschaft in der Steiermark sehr different ausgeprägt. Es sind mehrere geografisch gut abgrenzbare „Siedlungskammern“ zu beobachten. Besonders im Westen sind Zentralsiedlungen mit ausgedehnten zugehörigen Hügelgräberfeldern und separierten Großhügeln bzw. „Fürstengräber“ nachweisbar.

In der Oststeiermark zeigt sich im Gegensatz dazu am Übergang von der Urnenfelder– zur Hallstattzeit eine markante Änderung der Besiedlungsstruktur. Hier fehlen die für die übrigen Regionen charakteristischen Zentralsiedlungen der Hallstattzeit. In den großen, befestigten Siedlungen der Urnenfelderzeit tritt zwar hallstattzeitliches Fundmaterial in geringer Anzahl auf, dies lässt  jedoch nur auf einen Weiterbestand mit geringerer Bevölkerungsanzahl und eine Verminderung der Bedeutung schließen.

In der Hallstattzeit entstanden hier auf kleineren Hügeln, die an verkehrsgeografisch günstigen Stellen positioniert sind, neu angelegte, unbefestigte Siedlungen (Altenmarkt bei Fürstenfeld, Kirchberg an der Raab, Auersberg bei Gniebing, Saazkogel bei Paldau). Im zugehörigen Umfeld wurden kleinere Hügel- und Flachgräbergruppen angelegt, in denen neben unbewaffneten Personen auch berittene Waffenträger bestattet wurden.

Für die Entstehung von Machtzentren, wie sie etwa am Falkenberg oder am Burgstallkogel anzutreffen sind, scheint eine verkehrsgünstige Lage eine wichtige Voraussetzung gewesen zu sein. Die bekannten Siedlungsstrukturen im und rund um das Aichfeld bestätigen, dass das gesamte Gebiet, samt den umliegenden Bergkuppen, als intensiv genutzter Siedlungsraum zu betrachten ist. Neben den ausgedehnten unbefestigten Höhensiedlungen (Falkenberg, Zuckenhut bei Kobenz) existieren kleinere Siedlungseinheiten, einerseits ebenfalls in etwas erhöhter Lage und andererseits im Tal selbst. Auffallend ist die sehr dichte Häufung von kleineren und größeren Gemeinschaften auf diesem Raum, die wohl als eine wirtschaftliche, politische und religiöse Einheit zu betrachten sind. 

Zwischen den Zentralsiedlungen und den umliegenden kleineren Siedlungen wird vor allem in der Ausstattung der Gräber eine deutliche soziale Differenzierung erkennbar. In den reichen „Fürstengräbern“ der Zentralsiedlungen sind oftmals prachtvolle Importstücke zu beobachten, die den beigesetzten Fürsten als Beigaben mitgegeben worden sind. Abgesehen davon spielt auch die Größe der Hügelgräber selbst eine gewisse Rolle als Statussymbol des/der Bestatteten.

Obwohl in den Gräberfeldern der kleineren Siedlungseinheiten nur selten Waffen tragende Personen bestattet worden sind, wird dennoch auch in diesen Nekropolen eine klar ausgeprägte soziale Struktur sichtbar.

Außerdem unterscheidet sich die Ausstattung der Gräber von Männern und Frauen deutlich durch die Auswahl der Beigaben. Gefäße aus Keramik und Metall sind beiden Geschlechtern zuordenbar und kommen je nach sozialem Rang in unterschiedlicher Anzahl und Ausführung mit in die Gräber. Für Männer höheren Ranges ist vor allem im Osthallstattkreis die Beigabe von Waffen obligat.

Frauengräber zeichnen sich im Speziellen durch diverse Schmuckstücke und Trachtbestandteile, wie Fibeln, Armreifen, Glas-, Metall- und Bernsteinperlen, aber auch durch Gegenstände, die den Tätigkeiten der Frauen im Speziellen zugeordnet werden können, aus, wie beispielsweise Spinnwirtel und Webstuhlgewichte.

Erklärung

2.1.5.1.3 Verkehrswege, Handel und Bodenschätze der Hallstattzeit

Ausgehend von Hallstatt, das mit dem Salzhandel reich und bedeutend wurde, führten wichtige Verkehrs- und Handelswege durch das Gebiet der heutigen Steiermark. Hallstatt exportierte vor allem das weithin begehrte Salz und importierte im Austausch mit diesem wertvollen Gut ebenso wertvolle Luxusgüter aus allen Richtungen. Die aus den Gräbern der reichen Hallstätter bekannten Beigaben künden beispielsweise von Handelsverbindungen, die bis ins heutige Italien und Griechenland reichten. Für die Entstehung von bedeutenden Siedlungszentren war unter anderem auch die Lage an solchen überregional frequentierten Handelswegen wichtig.

Strettweg liegt an einer solchen Position im Murtal, sogar am Kreuzungspunkt von zwei Straßen, von denen die eine in Ost-West Richtung entlang des Murtales verlief und die andere Richtung Norden durch das Pölstal über den Triebener Tauern und das Paltental in das Ennstal abzweigte. Bei Rottenmann befindet sich eine kleine Höhensiedlung, das Kaiserköpperl, die vor allem zwischen 500 und 350 v. Chr. genutzt wurde. Vom Paltental gelangte man ins Ennstal und, wenn man die Engstelle zwischen Grimming und Pürgg passierte, über Aussee nach Hallstatt.  Dieser Weg führte an der östlich davon gelegenen Siedlungsstelle am Burgstall bei Pürgg und der südlich situierten am Kulm bei Aigen vorbei. Diese Siedlungen waren wohl ebenfalls Stationen auf dem Weg des Salzes und dienten sicher auch der Verköstigung und Unterbringung von Händlern. 

Richtung Südosten gelangte man über das steirische Randgebirge (Gaberl) weiter Richtung Süden. Dieser Weg ist beispielsweise durch den Fund eines frühhallstattzeitlichen Bronzebeiles belegt. Hier traf man im Bereich von Wildon auf ein weiteres Siedlungszentrum, bevor der Weg bei Leibnitz (in Leibnitz/Altenmarkt sind ebenfalls hallstattzeitliche Hügelgräber belegt) mit dem aus dem Sulmtal vom Burgstallkogel kommenden zusammentraf. 

Eine von Strettweg Richtung Westen führende Wegstrecke zweigte bei Scheifling/Teufenbach Richtung Süden ab und führte an dem bei Neumarkt gelegenen Siedlungszentrum (Burgstall bei Tauchendorf nahe St. Veit in der Gegend) vorbei Richtung Italien. Dass eine weitere Straßenverbindung von Scheifling auch Richtung Westen bzw. Norden weiterführte, ist ebenfalls durch zahlreiche Funde belegt. 

Die in der Hallstattzeit genutzten Verkehrs- und Handelswege lassen sich nur durch die Lage von Siedlungen, Gräberfeldern und Einzelfunden erschließen. Sie scheinen bereits weit früher genutzten Wegverbindungen zu folgen, die hauptsächlich entlang der Flusstäler in etwas erhöhter Lage angelegt wurden. Dieselben Routen, jedoch mit anderer Streckenführung, werden großteils bis in unsere Zeit verwendet. Viele der damals begangenen Wege sind nicht mehr nachvollziehbar, da die Menschen hauptsächlich zu Fuß, mit Lasttieren oder auf Pferden reitend unterwegs waren und keine befestigten Straßen angelegt wurden. Die Wege entstanden hauptsächlich durch eine stetige und stark frequentierte Begehung bestimmter Strecken. Die Verläufe änderten sich daher auch immer wieder geringfügig, um beispielsweise einem durch die Witterung unpassierbar gewordenen Abschnitt auszuweichen.

Der von Hallstatt ausgehende Salzhandel hatte bereits in der Bronzezeit wichtige Verkehrsverbindungen in der Steiermark entstehen lassen. In der Hallstattzeit erlangen einige Zentren jedoch neben ihrer Lage an wichtigen Handelsstraßen auch durch das Vorkommen, die Verhüttung und den Export von Eisen Bedeutung. Für die Siedlung am Falkenberg sind diese Kriterien alle nachweisbar, sie trugen zu Reichtum und Macht der dort ansässigen Fürsten bei. 

Aber auch für den Häuselberg bei Leoben, den Burgstall bei Tauchendorf und den Burgstallkogel lassen sich in der Nähe befindliche Eisenvorkommen nachweisen. Funde von Eisenschlacken belegen auch hier eine Verarbeitung dieses Rohstoffes. Das Eisenvorkommen am Erzberg wurde damals vermutlich noch nicht abgebaut.

Die Verwendung von Eisen ist im Südostalpenraum ab dem 9. Jh. v. Chr. nachzuweisen. Das technische Wissen zur Eisenbearbeitung erreichte vom Vorderen Orient ausgehend über Griechenland und den Balkan Mitteleuropa.

Das Eisen ist für die Region der Steiermark das wichtigste und wertvollste Exportgut, für das im Austausch diverse Luxusgüter wie Glas, Bernstein, Bronze- und Keramikgefäße, Gold sowie Gewürze eingehandelt wurden. Strettweg liegt an der Verbindungsachse zwischen der Bernsteinstraße und dem Baltikum mit Mitteleuropa. Dies spiegelt sich auch in den vor allem in den Gräbern getätigten Funden wider. Seit der Urnenfelderzeit gelangten auf diesem Weg materielle und kulturelle Errungenschaften aus dem Süden in die Ostalpen und nach Pannonien. Unter den Beigaben des Strettweger Grabes befinden sich beispielsweise mehrere Importstücke aus dem etruskischen Italien, der venetischen Este-Kultur, den Hallstattgruppen in Krain und Griechenland, außerdem einige lokale Imitationen von Prunkobjekten aus diesen Gebieten. Obgleich Kontakte mit dem Osten nachgewiesen sind, ist die Hallstattkultur wesentlich stärker durch Einflüsse aus dem Süden geprägt worden. Ebenso wie diese spielten die Impulse aus dem Südosten, in Hinblick auf Brauchtum, Formengut und die Eisenverarbeitung eine wesentliche Rolle.

Für die Urnenfelderzeit sind in der Steiermark einige Kupferabbaustellen und zugehörige Verhüttungsplätze nachweisbar. Es gibt jedoch bislang keine Belege für eine Nutzung der relativ reichen Vorkommen in der Hallstattzeit. 

Obwohl in der Steiermark Goldvorkommen existieren, scheinen sie in dieser Zeit noch nicht abgebaut worden zu sein. Die aus Gräbern zu uns gekommenen Luxusgegenstände aus Gold sind Importwaren, die aus dem Süden und Südosten stammen.

Graphit wurde für die Herstellung von Keramikgefäßen als Beimengung zum Ton oder als schwarz glänzende Oberflächengestaltung verwendet. Ob die Vorkommen aus der Steiermark damals bereits genutzt wurden ist zwar nicht belegbar, doch sehr wahrscheinlich, da die Gebrauchskeramik zum Großteil vor Ort in Eigenproduktion hergestellt wurde und sowohl Ton, als auch Beimengungen keine weiten Transportwege verursachen sollten.

Tabelle 1: Zeittafel zur Urgeschichte in der Steiermark

Zeitstufe
Kulturgruppe
Absolute Zeitangaben
Altneolithikum Starčevo-Kultur ~ 6 200 – 5 500 v. Chr.
Linearbandkeramik ~ 5 500 – 4 800 v. Chr.
Mittelneolithikum Lengyel-Kultur ~ 4 800 – 4 300 v. Chr.
Spätneolithikum/Frühe Kupferzeit Lasinja-Kultur ~ 4 300 – 3 900 v. Chr.
Retz-Gajary-Gruppe der sog. Furchenstichkeramik ~ 3 900 – 3 600 v. Chr.
Mittlere Kupferzeit Boleraz-Gruppe (= Ältere Baden-Kultur) ~ 3 600 – 3 300 v. Chr.
Baden- und Chamer-Kultur ~ 3 300 – 3 000 v. Chr.
Späte Kupferzeit Vučedol-Kultur ~ 3 000 – 2 400 v. Chr.
Späte Kupfer-/Frühe Bronzezeit Somogyvár-Vinkovci -Kultur ~ 2 500 – 2 200 v. Chr.
Frühe Bronzezeit Kisapostag-Kultur ~ 2 000 – 1 700 v. Chr.
Draßburger-Kultur bzw. sog. Litzenkeramik ~ 1 700 – 1 600 v. Chr.
Mittlere Bronzezeit Südostalpin-Transdanubische Hügelgräberkultur ~ 1 600 – 1 300 v. Chr.
Späte Bronze- bzw. Urnenfelderzeit Urnenfelderkultur ~ 1 300 – 800 v. Chr.
Ältere Eisenzeit
Hallstattkultur
~ 800 – 450 v. Chr.
Jüngere Eisenzeit
Latène-Kultur
~ 450 – Zeitwende
 

2.1.5.2 Die Latènezeit in der Steiermark

Im Jahr 1854 wurden am Neuenburger See in der Nähe des Ausflusses der Thielle in der Schweiz zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Gegenstände aus Eisen (Schwerter, Schwertscheiden, Lanzen, Beile, Pferdegeschirr etc.) entdeckt. Diese erfuhren weithin Beachtung und trugen dazu bei, dass diese als La Tène bezeichnete Stelle zum namengebenden Fundort für die jüngere europäische Eisenzeit wurde. Der Großteil der Fundstücke wurde zwischen zwei Brücken im Flussbett der Thielle gefunden. Eine dieser Brücken ist wahrscheinlich zeitgleich mit der Masse der Funde in die Mittellatènezeit zu stellen, die andere ist beträchtlich älter (Mitte des 7. Jhs. v. Chr.).

Erklärung

2.1.5.2.1 Fundstätten der Latènezeit

Über die Funktion der Anlage von La Tène ist man sich in der Forschung nicht ganz einig, doch wird sie mehrheitlich für einen Kultplatz gehalten, an dem Opfer und Weihungen vollzogen wurden. Möglicherweise wurden die Opfer- bzw. Weihegaben auf der Brücke ausgestellt, bis sie zuletzt ins Flussbett fielen. Die zahlreichen, durch die Lagerung im feuchten Milieu gut erhaltenen Funde von La Tène fanden in der Forschung so großen Wiederhall, dass bereits 1872 erstmals die Bezeichnung Latènekultur für die Kultur der mitteleuropäischen jüngeren Eisenzeit (450 v. – 15 v. Chr.) verwendet wurde.

Für eine Beurteilung der Latènekultur, als deren Träger keltische Stämme erachtet werden, sind hauptsächlich archäologische Funde und Befunde ausschlaggebend. Griechische und römische Autoren berichten zwar seit dem 5. Jh. v. Chr. über die Kelten bzw. die Gallier, doch all diese Beschreibungen erfolgten aus dem Blickwinkel der Verfasser und sind nicht als objektive Berichte zu werten. Herodot nennt sie „keltoi“, römische Autoren bezeichnen die im heutigen Frankreich ansässigen Stämme als „galli“. Das wichtigste und bekannteste dieser Werke, „De bello Gallico“, wurde von Gaius Iulius Cäsar um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. verfasst. Darin berichtet er über seine Feldzüge und Kämpfe gegen die Gallier, wobei die eigenen Verdienste und Erfolge ins beste Licht gerückt werden. Abgesehen davon sind die Kelten durch die in römischen Inschriften überlieferten Personen-, Orts-, oder Götternamen greifbar. Das über halb Europa verstreute Volk der Kelten ist kein politisch geeintes Volk, sondern eine aus verschiedenen Stämmen bestehende Völkergruppe.

Die keltische Einflussnahme und Besiedlung setzt im gesamten Südostalpenraum ab dem 3. Jh. v. Chr. ein. Auf der Grundlage der Hallstattkultur (Ältere Eisenzeit) entwickelte sich im Laufe des 5. Jhs. v. Chr. durch eine intensive Aufnahme von mediterranen und östlichen Elementen ein neuer charakteristischer Kunststil. Dessen Kennzeichen sind einerseits phantasievolle Tier- und Menschendarstellungen (Fratzen, Masken, Doppelgesichter), andererseits strenge, geometrische Zirkelmotive. Dieser Stil findet sowohl auf den Verzierungen von Waffen, diversen Schmuckstücken und Trachtbestandteilen, als auch auf Metallgefäßen Verwendung.

In der Latènezeit sind außerdem einige tiefgreifende technische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen gegenüber der vorangehenden Hallstattzeit zu beobachten. Bereits ab der Frühlatènezeit tritt eine vermehrte Verwendung der Töpferscheibe auf und ermöglicht so eine raschere Produktion von Gefäßkeramik. Kurzschwerter mit eiserner Klinge sowie einfache Drahtfibeln werden allgemein üblich. Die in der Hallstattzeit besonders hervortretende aristokratische Oberschicht und die für ihre Mitglieder übliche Sitte, die Verstorbenen in Grabhügeln mit prunkvollen Importwaren und reichen Bronzegeschirrsätzen zu bestatten, nimmt im Laufe der Frühlatènezeit ab.

Tabelle 2: Chronologie der Latènezeit

Frühlatène LT A 450 – 380 v. Chr.
LT B 380 – 250 v. Chr.
Mittellatène LT C 250 – 150 v. Chr.
Spätlatène LT D 150 v. – 15 v. Chr.

Um etwa 200 v. Chr. schlossen sich unter der Führung der Noriker dreizehn Stämme, von denen neun namentlich bekannt sind, zum Königreich Noricum (Regnum Noricum) zusammen. Auf einer am Magdalensberg (Kärnten) gefundenen frührömischen Inschrift werden die Alaunen, Ambidraven, Ambilinen, Ambisonten, Helvetier, Laianken, Noriker, Saevaten und Uperaken genannt. 

Kärnten und ein Teil der Steiermark gehörten am Ende des 1. Jhs. v. Chr. zum Kernbereich des Regnum Noricum, das sich zu dieser Zeit auf den Großteil des heutigen Österreichs erstreckte. Möglicherweise war die Siedlung auf dem Magdalensberg Verwaltungssitz und Kultzentrum des von mehreren Stammesfürsten beherrschten Gebietes. Dieser keltische Stammesverband war vermutlich durch die hohe Qualität seines Eisens und anderer Rohstoffe zu Wohlstand gelangt. Das sog. „ferrum noricum“ war aufgrund seiner besonderen Eigenschaften bei den Römern begehrtes und gerühmtes Gut, das insbesondere bei der Herstellung von Waffen zum Einsatz kam. Der größte Teil der Steiermark, bis auf das obere Murtal, ist vermutlich jedoch, wie anhand der Münzverteilung festgestellt wurde, bis etwa 30 v. Chr. dem tauriskischen Stammesgebiet zugehörig.

Um 15/16 v. Chr. wurde das Königreich Noricum im Auftrag des Kaisers Augustus friedlich annektiert. Die einheimisch-keltische Bevölkerung und ihre Kultur wurden durch die römische zurückgedrängt und gingen allmählich in ihr auf. Die römische Provinz Noricum, deren Gebiet jedoch nicht mit dem des keltischen Regnum Noricum gleichzusetzen ist, wurde 43 n. Chr. unter Kaiser Claudius eingerichtet. 

Um ein Bild der laténezeitlichen Besiedlung und Bevölkerung der Steiermark zu erhalten, kann einerseits auf archäologisch fassbare Relikte und andererseits auf schriftliche Belege zurückgegriffen werden, wie sie etwa römerzeitliche Grabdenkmäler bieten. Aufgrund des häufigen Auftretens  keltischer Namensevidenzen wird angenommen, dass das Gebiet um den Frauenberg und die spätere römische Stadt Flavia Solva am dichtesten besiedelt war. Weitere Kulminationen finden sich im Gebiet von Geistthal, Piber und Voitsberg, in Kalsdorf bei Graz, in St. Johann bei Herberstein, in der Region Weiz, im Bereich zwischen Bruck und Donawitz, im Aichfeld, im oberen Murtal von Unzmarkt bis St. Georgen ob Murau und im Süden bis Wildbad Einöd.

Auf römerzeitlichen Inschriften haben sich auch Hinweise auf die von den Kelten in der Steiermark verehrten Götter erhalten. Beispielsweise ist die Pferdegöttin Epona in Flavia Solva und Gleisdorf belegt. Dem Kriegsgott (Mars) Latobius begegnen wir auf zwei Weihungen aus Flavia Solva. In einer Inschrift am Königsberg in Brunn bei Fehring wird Jupiter Optimus Maximus Uxlemitanus genannt, bei dem es sich vermutlich um einen lokalen Wetter- und Himmelsgott handelt. Die ersten zeitgenössischen schriftlichen Zeugnisse der Steiermark liegen aus dem 2. Jh. v. Chr. in Form von Ritzinschriften auf Keramikgefäßen vor, deren Buchstaben dem venetischen Alphabet zuzuordnen sind. 

 
Abbildung 7: Keramikfragment mit Ritzinschrift, Frauenberg bei Leibnitz (Foto: BDA, Archiv Abteilung Archäologie, G. Tiefengraber)

Die aufgrund von Nennungen in römerzeitlichen Inschriften festgestellte Verteilung der keltischen Bevölkerung hängt ursächlich mit dem Grad der Erhaltung dieser Denkmalgattung zusammen, sie bietet jedoch ein Grundgerüst, das sich anhand von bislang bekannten Fundstellen großteils nachvollziehen lässt. Doch auch hierbei kann immer nur der derzeitige Forschungsstand, der speziell für die Obersteiermark als eher lückenhaft zu bezeichnen ist, als Grundlage verwendet werden. Der Raum Frauenberg – Leibnitzer Feld – Wildon bis zum Hoarachkogel bei Spielfeld, auf dem sich eine befestigte Höhensiedlung befand, ist durch eine besondere Dichte hervorzuheben, deren Ausläufer sich bis in die Weststeiermark fortsetzen. Dort bestanden neben der Höhensiedlung am Lethkogel bei Stainz einige Flachland- bzw. Talrandsiedlungen. Der Raum um Graz von Kalsdorf bis Frohnleiten scheint ebenfalls dicht besiedelt gewesen zu sein, wobei aus dem Stadtgebiet von Graz selbst, bis auf ein Gräberfeld in Wetzelsdorf nur Einzelfunde vorliegen. Hier sind die meisten zugehörigen Befunde durch die oftmaligen späteren Bodenveränderungen weitgehend zerstört worden. Der Hauptteil der Funde aus Graz stammt aus dem Bereich Puntigam, Wetzelsdorf, Straßgang, Eggenberg, Florianiberg und Plabutsch.

Nördlich von Graz sind vor allem aus den Höhlen bei Gratkorn, Gratwein, Deutschfeistritz, Peggau und Frohnleiten Funde bekannt. In Schrauding bei Frohnleiten wurde bereits 1939 ein größeres Gräberfeld entdeckt und teilweise ergraben. Die bereits aufgrund der Namensevidenzen offenkundige starke Besiedlung des Gebietes von Geistthal, Piber und Voitsberg lässt sich auch durch Funde untermauern. In Södingberg etwa wurden im Zuge der Ausgrabung einer römerzeitlichen Villa die Reste eines älteren spätlatènezeitlichen Gehöftes aufgedeckt, das von zwei Kreisgräben eingefasst war. Auf dem Dietenberg bei Ligist befand sich eine in geringen Teilen untersuchte Höhensiedlung.

In der Südoststeiermark sind der Königsberg bei Tieschen, Gleichenberg, der Saazkogel bei Paldau und Riegersburg als Siedlungsareale hervorzuheben. Im Raum Weiz ist die Höhensiedlung am Kulm neben einigen Einzelfunden und einer Siedlung im Ortsgebiet von Weiz selbst bekannt. Das Zentrum der nordöstlichen Steiermark war die Höhensiedlung am Ringkogel bei Hartberg. Die hauptsächlich genutzten Siedlungsareale im oberen Murtal, Mürztal, Palten-Liesingtal und Ennstal liegen entlang der genannten Flüsse am fruchtbaren Talrand auf erhöhten Terrassen oder auf den angrenzenden Erhebungen in strategisch günstiger Position. Entlang der Flusstäler führten bereits seit alters her Verkehrs- und Handelswege, die eine Verbindung zwischen den einzelnen Niederlassungen ermöglichten. Noch im Palten-Liesingtal gelegen, befindet sich in Bärndorf bei Rottenmann eine kleine Höhensiedlung, die bereits seit der Hallstattzeit genutzt worden ist. Im Ennstal bot die markante Kuppe des Kulms bei Aigen eine verkehrstechnisch günstige Position, die seit der Urnenfelderzeit als Siedlungsplatz diente. Aus der fruchtbaren Ebene des Aichfeldes und den angrenzenden Höhen sind bislang ausschließlich Einzelfunde bekannt, ebenso aus dem Bereich von Leoben, dem Mürztal, dem Gebiet um Neumarkt, Scheifling und die Mur aufwärts Richtung Westen.  Von den religiösen Gepflogenheiten der damaligen Menschen künden neben einem überregional bedeutenden Heiligtum am Frauenberg bei Leibnitz, eine Münzdeponierung im Bereich eines urnenfelderzeitlichen Brandopferplatzes am Übergang des Sölkpasses und ein Brandopferplatz am Burgstall bei Pürgg.


Abbildung 8: Idealtypische Zusammenstellung eines Kriegergrabinventars der Mittellatènezeit: Griffangelschwert aus Stocking/Hart bei Wildon, Schwert- bzw. Gürtelkette ohne Fundort, Ringgriffmesser aus Rohr bei St. Georgen a. d. Stiefing, Rasiermesser ohne Fundort (Foto: UMJ, N. Lackner))

Die in Gräbern erhaltenen Beigaben der Verstorbenen zählen aufgrund der oft komplett erhaltenen Ausstattung zu den wichtigsten archäologischen Quellen. In der Steiermark sind aus der Latènezeit bislang ausschließlich Brandgräber belegt. Die während der Hallstattzeit hier übliche Sitte in Hügelgräbern zu bestatten wurde aufgegeben und wich den Flachgräbern. Erst in der Spätlatènezeit entstanden, wohl in Anlehnung an autochthone Traditionen, wieder erste Hügelgräber. Die in die Gräber beigegebene Standardbewaffnung der Männer bestand aus Schwert, Lanze und Schild, die jedoch durch Verbiegen und/oder Zerbrechen unbrauchbar gemacht wurden. Keramikgefäße, teilweise gefüllt mit Speisebeigaben und ein Hiebmesser zum Zerteilen der Fleischbeigabe treten ebenfalls regelmäßig in Gräbern auf. In der beigegebenen Trachtausstattung von hoch gestellten Frauen tauchen kunstvoll gefertigte Armreifen aus Glas als neues und charakteristisches Element auf. Außerdem tragen die Frauen Fibeln, verzierte Gürtelketten und Arm- und Beinringe aus Bronze. Die größte Anzahl von Gräbern in der Steiermark stammt aus der Mittellatènezeit, wenige sind aus der Frühlatènezeit und noch weniger sind aus der Spätlatènezeit bekannt, diese waren jedoch mit den reichsten Beigaben versehen. Zu letzteren gehören ein Kriegergrab aus Rassach bei Deutschlandsberg und ein Frauengrab aus Stangersdorf bei Wildon.

Erklärung

2.1.5.2.2 Höhensiedlungen der Latènezeit

Befestigte Höhensiedlungen (Zentren) in der Steiermark:

Im Zuge grundlegender wirtschaftlicher Änderungen bzw. Entwicklungen entstanden in der späten Mittellatènezeit immer mehr Zentralorte, sog. „Oppida“, deren Kern oft ein Heiligtum bildete. Diese befestigten stadtähnlichen Anlagen prägten dann das Siedlungsbild der Spätlatènezeit. Sie waren Sitz und Mittelpunkt von Stämmen bzw. Stammesteilen und damit auch Verwaltungs- und Handelszentren. 


Abbildung 9: Wallanlage am Ringkogel bei Hartberg (Foto: F. Bellitti)

Die hier lebende Bevölkerung setzte sich aus den Machthabern, einer aristokratischen Oberschicht, deren Gefolgschaft, Priestern („Druiden“), Händlern und Handwerkern zusammen. Im Westen, vor allem im Gebiet von Frankreich, sind diese Siedlungen zum Schutz vor feindlichen Übergriffen von einem sog. „murus gallicus“ (diese spezielle Konstruktion besteht aus einem mit Steinen und Erde gefüllten Holzrahmenwerk und einer vorgeblendeten Trockenmauer aus Stein), im Osten meist mit einer Pfostenschlitzmauer, Stein- oder Holz-Erde-Werken befestigt. Die Oppida, bzw. befestigten Siedlungen wurden zumeist in erhöhter und strategisch günstiger Lage, auf den Gipfeln von markanten Bergen an wichtigen Verkehrswegen, angelegt. Außerdem dienten diese weithin sichtbaren, burgenartigen Siedlungen auch der Demonstration der Macht und Bedeutung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

In der Steiermark sind einige solcher Zentren bekannt:

Das wichtigste befand sich auf dem Frauenberg bei Leibnitz in erhöhter Lage und war von einer heute noch teilweise sichtbaren Wallanlage geschützt. Die etwa 17 ha große Siedlungsfläche nimmt das Gipfelplateau und die umliegenden Terrassen ein. Von der Innenbebauung selbst ist wenig bekannt, da der Gipfelbereich des Berges durch die spätere Nutzung stark überprägt wurde. Im Zuge von archäologischen Untersuchungen konnten an einer Stelle die Reste von drei langrechteckigen Holzgebäuden festgestellt werden. Nach Ausweis der Funde setzt die Besiedlungsphase am Frauenberg bereits in der Kupferzeit ein. Einen ersten Höhepunkt erfährt sie in der Urnenfelderzeit und frühen Hallstattzeit, nach einem Abflauen gegen Ende der Hallstattzeit setzt sie im 3. Jh. v. Chr. erneut verstärkt ein.


Abbildung 10: Bronzefibeln der Mittel- und Spätlatènezeit, Frauenberg bei Leibnitz (Foto: BDA, Archiv Abteilung Archäologie, G. Tiefengraber)

Das sich auf einer etwas tiefer liegenden Terrasse befindende, dazu gehörende latènezeitliche Heiligtum konnte in großen Teilen wissenschaftlich untersucht werden. Das Heiligtum wurde von einer etwa trapezförmigen Grabenanlage eingefasst, in die im Laufe seiner Nutzung mehrere kompakte Schichten aus ausgewählten Tierknochen (Schulterblätter und Unterkiefer von über 1.500 Rindern und Schweinen), einzelne Menschenknochen, große Mengen an Keramik, Reste von Waffen, Wagenbestandteile, Münzen und Trachtbestandteile eingebracht wurden. Der Grund dafür sind religiöse Vorstellungen und die damit verbundenen kultischen Rituale. Vergleichbare Anlagen und Befunde sind hauptsächlich aus Frankreich und Belgien bekannt. An der Südwestseite des Grabens befand sich der Eingang in den Innenbereich des Heiligtums. In seinem Inneren wurden Reste von Holzgebäuden, die teils die Funktion von „Tempeln“ innehatten, spezifische Areale für unterschiedliche Kulthandlungen und Plätze für die Abhaltung von Kultmählern festgestellt. Möglicherweise diente das Heiligtum auch als Versammlungs- und Festbereich und somit neben religiösen auch politischen und profanen Zwecken.


Abbildung 11: Tierknochenschicht im Graben des Heiligtumes am Frauenberg bei Leibnitz (Foto: BDA, Archiv Abteilung Archäologie, G. Pachler) 

Die Siedlung am Frauenberg hatte eine besondere Stellung inne: Die hier ansässigen „Fürsten“ besaßen offenbar das Recht eigene Münzen zu prägen. Das Heiligtum war sakrales Zentrum der Siedlung und der gesamten Region. In ihrer unmittelbaren Nähe entstand, gleichsam als Nachfolgesiedlung, das kaiserzeitliche Municipium (Stadt) Flavia Solva. Das Oppidum am Frauenberg war vermutlich bis zur Mitte des 1. Jhs. v. Chr. der Hauptort eines tauriskischen „Stammesverbandes“, danach ging es im regnum noricum auf. Siedlungstätigkeit und Kultgeschehen liefen bis in die frühe römische Kaiserzeit weiter. Erst die Verleihung des Stadtrechtes an Flavia Solva dürfte zur weitgehenden Aufgabe der Siedlung geführt haben.

Die größte bislang bekannte latènzeitliche Siedlung des Südostalpenraumes befindet sich am Königsberg bei Tieschen nördlich von Bad Radkersburg. Sein Gipfelbereich ist von einem noch gut erkennbaren Wall umgeben, dem an der Ost- und Südseite ein Graben vorgelagert ist. Das an der höchsten Stelle gelegene „Kernwerk“ ist durch einen zusätzlichen Wall geschützt. Die Besiedlung des Königsberges setzt in der Kupferzeit ein und erlebt in der späten Urnenfelderzeit und frühen Hallstattzeit einen Höhepunkt. Die umlaufende Befestigungsanlage entstand wahrscheinlich am Ende der Mittellatènezeit, als auf dem Berg eine erneute Besiedlungstätigkeit einsetzte. Die Bedeutung dieses Oppidums spiegelt sich vor allem in den Gold- und Silbermünzen wider, die auf den Berghängen und in seiner Umgebung gefunden wurden.


Abbildung 12: Königsberg bei Tieschen, Airborne Laserscan (Quelle: Land Steiermark, A 7 Landes- und Gemeindeentwicklung, Referat Statistik und Geoinformation, © GIS-Steiermark ®, 2014)

Der Ringkogel bei Hartberg erhielt seinen Namen nach den drei ringförmig umlaufenden Befestigungswällen, die die latènezeitliche Siedlung umgaben. Untersuchungen ergaben, dass diese markante Bergkuppe bereits in der Urnenfelder- und Hallstattzeit besiedelt war. Der mittlere Befestigungsring wies ursprünglich zwei Toranlagen auf, eine davon, ein sog. Zangentor, ist noch heute sichtbar. Im Inneren standen vermutlich Blockbauten aus Holz, die offenbar einem Brand zum Opfer fielen, der der Siedlungstätigkeit ein Ende setzte. Eine archäologische Untersuchung des mittleren Befestigungswalles zeigte, dass er in der Art eines „murus gallicus“ konstruiert worden war.


Abbildung 13: Ringkogel bei Hartberg, Airborne Laserscan (Quelle: Land Steiermark, A 7 Landes- und Gemeindeentwicklung, Referat Statistik und Geoinformation, © GIS-Steiermark ®, 2014)

Die kleine Höhensiedlung am Lethkogel bei Stainz nimmt eine Fläche von ca. 1,2 ha ein und war von einer teilweise noch heute im Gelände sichtbaren Wallkonstruktion aus der Spätlatènezeit umgeben. Aus dem später überprägten Innenbereich der Siedlung stammen zahlreiche Keramikfunde. Außerdem wurden am Nordwestabhang des Lethkogels die Reste von Öfen, die zur Verhüttung von Eisen dienten, entdeckt.

Weitere wichtige und teilweise auch befestigte Höhensiedlungen befanden sich am Hoarachkogel und am Platschberg bei Spielfeld, am Burgberg von Riegersburg, am Kulm bei Weiz, am Saazkogel bei Feldbach, am Burgstallkogel bei Kleinklein, am Dietenberg bei Ligist, am Heiligen Berg bei Bärnbach, am Wildoner Schlossberg und am Kaiserköpperl bei Bärndorf/Rottenmann.

Abgesehen von diesen Zentren lagen in den fruchtbaren Talbereichen Flachlandsiedlungen, deren Lebensgrundlage die Bewirtschaftung von Agrarflächen und die Viehzucht bildeten. 

Erklärung

2.1.5.2.3 Münzfunde der Latènezeit

Die Anfänge des Geldwesens in der Steiermark:

Die Verwendung von Münzgeld bewirkte einen entscheidenden Wandel in der Abwicklung von Handelsabläufen und ersetzte die vorher übliche Tausch- und Naturalwirtschaft. Bereits seit dem späten Neolithikum schuf der Mensch Gegenstände, denen ein genormter Wert unterlegt wurde, wie etwa Steinäxte und -beile. Dies waren in der Bronzezeit zunächst Ringbarren aus Kupfer, später Sicheln oder Beile aus Bronze. In der Eisenzeit verwendete man in weiten Teilen Europas Barren aus Eisen als Werteinheit. Erst mit der Einführung von Münzen erhielt man jedoch einen nach Material und Gewicht genau bestimmbaren und praktisch gut handhabbaren Wert. Bei den Griechen waren die ersten Münzen bereits vor 600 v. Chr. im Umlauf. In Mitteleuropa fanden sie erst in den Jahrhunderten danach Eingang. Eigene Prägungen der im Alpenraum ansässigen Kelten gab es etwa seit dem 3. Jh. v. Chr. Anregung dafür lieferten keltische Söldner, die griechische Münzen als Sold erhielten. Die Verbreitung der keltischen Münzen über ganz Europa erfolgte durch die Wanderbewegungen dieser Stämme, bzw. durch den Handel. Aus Griechenland importierte Prägestempel, die aufgrund der Abnützung während des Prägevorganges immer wieder nachgeschnitten werden mussten, dienten als Grundlage für die Herstellung eigener Münzen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus eigene Bildtypen.

Den höchsten Wert haben Goldmünzen (Statere), die etwa 8 g wogen. Sie wurden jedoch hauptsächlich im Gebiet der Westkelten (Spanien, Gallien, Britannien, Schweiz und Oberitalien) geprägt. Die Mittel- und Ostkelten (Süddeutschland, Österreich, Böhmen, Slowenien und die Donauländer) prägten, mit Ausnahme von Böhmen, ausschließlich Silbermünzen. Diese setzten sich aus Großsilbermünzen (Tetradrachmen) und Kleinsilbermünzen (Obolen) zusammen. 


Abbildung 14: Ostnorische Tetradrachme, Typus Varazdin, Apollonkopf, (Avers) Frauenberg bei Leibnitz (Foto: U. Schachinger)


Abbildung 15: Ostnorische Tetradrachme, Typus Varazdin, Pferd, (Revers) Frauenberg bei Leibnitz (Foto: U. Schachinger)

Münzen sind neben anderen archäologischen Funden und Befunden die wichtigsten zeitgenössischen Belege für die Geschichte und Kultur der Kelten in der Steiermark. Die frühesten in der Steiermark gefundenen Münzen der Kelten sind Nachprägungen griechischer Originale von Philipp II. und Alexander III. (dem Großen). Im Regnum Noricum entwickelte sich die Münzprägung erst relativ spät, ca. um 160 v. Chr. Handelsbeziehungen mit Rom, die einerseits als Tauschgeschäfte abgewickelt wurden, andererseits in römischen Denaren bezahlt wurden, sind bereits vorher belegt.

Das Kernland des Regnum Noricum war Kärnten. Möglicherweise war die Siedlung auf dem Magdalensberg Verwaltungssitz und Kultzentrum des von mehreren Stammesfürsten beherrschten Gebietes, die das Recht hatten, eigene Münzen zu prägen. Die hier ansässigen Noriker und die mit ihnen verbündeten Stämme pflegten gute Beziehungen zu Rom. Auf dem Haupttyp der norischen Prägungen ist auf der Vorderseite ein Apollonkopf und auf der Rückseite ein Pferd mit Reiter zu sehen. In der Steiermark ist bislang einzig für die Siedlung am Frauenberg bei Leibnitz durch den Fund von sog. „Tüpfelplatten“ (Tonplatten mit Vertiefungen, in die das Metall für die Münzrohlinge gegossen wurde) und stempelidenten Kleinsilbermünzen eine eigene Prägestätte nachweisbar.


Abb. 16: Tüpfelplattenfragmente, Frauenberg bei Leibnitz (Foto: BDA, Archiv Abteilung Archäologie, G. Tiefengraber)

Der Hauptanteil der Münzfunde in der Steiermark besteht jedoch aus tauriskischen Prägungen. Ihr Haupttyp zeigt einen Apollonkopf mit Lorbeerkranz auf der Vorderseite und ein Pferd ohne Reiter auf der Rückseite. In der südlichen Steiermark und Slowenien treten vermehrt auch boische Prägungen und ostkeltische Münzen auf, was zumindest auf Kontakte und Handelsbeziehungen hinweist. Um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. kam es zu Kämpfen zwischen Boiern, den mit ihnen verbündeten Tauriskern und den Dakern, die zu einer vernichtenden Niederlage der beiden ersteren führte. In dieser Zeit expandierte das Regnum Noricum bis ins Wiener Becken und die ungarische Tiefebene und norische Münzen gelangten vermehrt Richtung Osten.

Numismatisch gesehen gehört die Steiermark dem mittelkeltischen Bereich an. Dieser wird mit den heutigen Gebieten von Böhmen, Bayern, Österreich und Slowenien eingegrenzt. Die dortige Münzprägung wird im Westen den Norikern, im Südosten den Tauriskern und im Nordosten den Boiern zugewiesen. Eine genaue Abgrenzung dieser Bereiche ist jedoch nicht möglich. Die Verteilung der in der Steiermark bislang vorliegenden Prägungen beinhaltet 64% Taurisker, 15% Noriker, 12 % Ostkelten und 9% Boier.

Um 15/16 v. Chr. wurde das keltische Königreich Noricum im Auftrag des Kaisers Augustus friedlich annektiert. Dies bedeutet auch das Ende der Prägung von Großsilbermünzen bei den Norikern und den Tauriskern. Mit der fortschreitenden Romanisierung wurde auch die Prägung des norischen Kleinsilbers immer mehr eingeschränkt. Sie endet etwa gleichzeitig mit der Einrichtung der römischen Provinz Noricum unter Claudius im Jahr 43 n. Chr. 

Die wesentlichsten Kriterien, welche die Latènezeit von der Hallstattzeit unterscheiden, sind in der nachstehenden Übersicht aufgelistet:

Hallstattzeit Latènezeit
Ältere Eisenzeit Jüngere Eisenzeit
800 – 450 v. Chr. 450 – 15 v. Chr.
Hügelgräber Flachgräber
Prunkvolle Ausstattung der Fürstengräber mit allen im Leben benötigten Gegenständen Hauptsächlich Waffen, Schmuck, Trachtbestandteile und Werkzeuge
Unbefestigte (Höhen-)siedlungen Befestigte (Höhen-)siedlungen
Naturalwirtschaft Geldwirtschaft
Keine schriftlichen Aufzeichnungen Erste Belege für die Verwendung von Schrift
Handgeformte Keramik Auf der Töpferscheibe geformte Keramik
Streitbeil Schwert

Quelle und Bearbeiter

Quellenverzeichnis

Literatur:

David W. (2010): Ursprung der keltischen Archäologie: Die Brücke von La Tène. Ein Schauplatz grausamer Menschenopfer?, Begleitheft zur Ausstellung im kelten römer museum manching 6. 2. – 7. 11. 2010, = Schriften des kelten römer museums manching 3.

Dobiat C. (1990): Der Burgstallkogel bei Kleinklein I. Die Ausgrabungen der Jahre 1982 und 1984. Marburger Studien zur Vor- und Frühgeschichte 13.

Egg M. (1996): Das hallstattzeitliche Fürstengrab von Strettweg bei Judenburg in der Obersteiermark. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 37.

Egg M. und Kramer D. (2005): Krieger – Feste – Totenopfer. Der letzte Hallstattfürst von Kleinklein in der Steiermark. Mosaiksteine – Forschungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Band 1.

Kramer M. (1994): Latènefunde in der Steiermark. – In: Philipps-Universität Marburg (Hrsg.): Kleine Schriften aus dem vorgeschichtlichen Seminar Marburg, Heft 43.

Kramer D. (2004): Aus der Ur- und Frühgeschichte der Landschaft zwischen Sulm und Saggau. – In: Riegler J. (Hrsg.): Geschichte der Marktgemeinde Gleinstätten, 29–145.

Landesmuseum Joanneum Graz (Hrsg.) (1998): Zeit der Kelten, Schild von Steier, Beiträge zur steirischen Vor- und Frühgeschichte und Münzkunde, Kleine Schriften 18/1998.

Lauermann E. und Trebsche P. (Hrsg.) (2008): Heiligtümer der Druiden, Opfer und Rituale bei den Kelten, Aktuelle Forschungsbeiträge zur Sonderausstellung im Museum für Urgeschichte des Landes Niederösterreich in Asparn/Zaya vom 23. April bis 30. November 2008, = Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums Neue Folge 474.

Lippert A. (2012): Wirtschaft und Handel in den Alpen. Von Ötzi bis zu den Kelten. Archäologie in Deutschland, Sonderheft 02/2013.

Schachinger U. (2006): Der antike Münzumlauf in der Steiermark. – In: M. Alram (Hrsg.): Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission Band 43, = Historische Landeskommission für Steiermark (Hrsg.), Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Band 49.

Sievers S., Urban O., Ramsl P. (Hrsg.) (2012): Lexikon zur keltischen Archäologie, Band 2  A – K und L – Z, = Herwig Friesinger (Hrsg.), Mitteilungen der Prähistorischen Kommission Band 73, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW.

Teržan B. (1990): Starejša železna doba na slovenskem Štajerskem. The Early Iron Age in Slovenian Styria. Katalogi in monografije 25.

Urban O. (2000): Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. – In: Wolfram H. (Hrsg.): Österreichische Geschichte bis 15 v. Chr.

Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachbereich GIS

Lehrplan Volksschule,
Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

Lehrpläne BHS (HLW
und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

Lehrplan Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung, AHS Unterstufe/NMS:
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2016_II_113/BGBLA_2016_II_113.html

Autorinnen und Autoren

Text:
Mag.a Susanne Tiefengraber (2016) 

Kartengestaltung:
Mag.a Susanne Tiefengraber (2016)

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Web-Bearbeitung:
Mag.a Bernadette Kreuzer (2019)

Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc


Didaktik

Dieser Themenbereich wird überwiegend im Lehrplan des Unterrichtsfaches Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung in der 2. Klasse behandelt. In ausgewählter Form kann das Thema Bronzezeit in der Steiermark jedoch durchaus bereits im Volksschulunterricht erarbeitet werden. Des Weiteren eignet sich dieses Thema besonders gut zur Gestaltung von projektbezogenem Unterricht in Form von einer Exkursion bzw. eines Museumsbesuches in der gesamten Unterstufe (auch fächerübergreifend mit Geographie- und Wirtschaftskunde).

Die formulierten Lehrplanbezüge versuchen das jeweilige Thema mit verschiedenen Lehrplaninhalten bzw. Lehrplanforderungen zu verknüpfen. Die möglichen Lernziele, welche mittels des Themas des Schulatlas erreicht werden sollen bzw. können, orientieren sich an den, in den Lehrplänen enthaltenen, Lerninhalten bzw. -zielen.  Wichtig zu beachten ist dabei, dass die alleinige Bearbeitung der Themen und Arbeitsmaterialien des Schulatlas Steiermark die Erreichung der Lernziele nicht garantieren kann. Eine Einbettung dieser in eine umfassendere, sinnvolle sowie zielorientierte Unterrichtsvorbereitung ist dafür notwendig.

Lehrplanbezüge und Lernziele für die „Grundstufe“ sind immer auf den Sachunterricht ausgelegt. Jene der „Sekundarstufe I“ beziehen sich auf AHS- bzw. NMS-Lehrpläne. „Sekundarstufe II“ ist nur auf AHS bezogen. Bei Lehrplanbezügen der BHS-Schulformen, sofern nichts zusätzlich in Klammer angemerkt ist, sind folgende Fächer gemeint: HLW und Tourismusschulen = Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft; HAK = Geografie (Wirtschaftsgeografie); HTL= Geografie, Geschichte und Politische Bildung; BAfEP = Geografie und Wirtschaftskunde.

Lehrplanforderungen Grundstufe II

Erfahrungs- und Lernbereich Zeit:
Veränderungen in der engeren und erweiterten Umwelt im Ablauf der Zeit erschließen und deuten.

  • Einblick in Veränderungen von Umwelt und Gesellschaft anhand ausgewählter Beispiele (z.B. Besiedlung, Feste, Brauchtum) gewinnen.

Erste Einsichten für Veränderungen durch fachspezifische Arbeitstechniken gewinnen.

  • Beobachten und Erkunden.
  • Sammeln und Vergleichen von Bildern und Quellen (z.B. Chroniken, Erzählungen, Sagen und Bilddokumente).
  • Museumsbesuche, Lehrausgänge (z.B. historische Stätten), Befragungen (z.B. Fachleute, Zeitzeuginnen und -zeugen).

Die Vergangenheit des Wohnortes an einigen anschaulichen Beispielen erschließen, erste Kenntnisse aus der frühen lokalen und regionalen Geschichte gewinnen.
Durch ausgewählte Bilder und andere Quellen aus der Geschichte und Kultur der Heimat einen ersten historischen Überblick gewinnen.

  • Vergangenes (z.B. im Bundesland, in Österreich, in Europa) an einfachen Beispielen historischer Zeitbilder kennen lernen, einige zeitlich einordnen (z.B. Anlegen eines Zeitstreifens) und gegebenenfalls eine Beziehung zur Gegenwart herstellen.
  • Beispiele aus dem Kulturschaffen des Landes kennen lernen.

Lehrplanforderungen Sekundarstufe I – Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung

2. Klasse:

Modul 1 (Historische Bildung): Historische Quellen und Darstellungen der Vergangenheit,
Kompetenzkonkretisierung:

  • Besondere Merkmale von Darstellungen herausarbeiten und mit anderen Darstellungen vergleichen.
  • Quellen und Darstellungen hinsichtlich ihrer Charakteristika unterscheiden.
  • Merkmale von Quellen und Darstellungen erkennen.

Thematische Konkretisierung:

  • Anhand von Beispielen von der Urgeschichte bis zur Gegenwart den Unterschied von Geschichte und Vergangenheit herausarbeiten.
  • Verschiedene Quellentypen und Darstellungsformen anhand von konkreten Beispielen hinsichtlich ihrer Charakteristika unterscheiden.

Modul 2 (Historische Bildung): Alte Kulturen, Kompetenzkonkretisierung: 

  • Darstellungen der Vergangenheit (Rekonstruktionszeichnung) systematisch hinterfragen.
  • Vergleichen von Darstellungen.

Thematische Konkretisierung: 

  • Entstehung und Merkmale von alten Kulturen anhand mindestens zweier Beispiele ermitteln.
  • Gesellschaftsstruktur und Alltagsleben in alten Kulturen analysieren.

Lehrplanforderungen BHS

HLW und Tourismusschulen (Geschichte und Politische Bildung):
II. Jahrgang, 3. Semester
Kompetenzmodul 3:

Aufgaben und Grundlagen der Geschichtswissenschaft:

  • Quellen und Methoden.

Orientierung in der Zeit:

  • Historische Kulturräume, Epochen und andere Möglichkeiten der Gliederung.

HTL (Kompetenzbereich Geschichte und Politische Bildung):
II. Jahrgang
Ziele der Beschäftigung mit Geschichte; Arbeit mit historischen Quellen; Periodisierungskonzepte; Analyse von Geschichtsdarstellungen.

Epochen und Umbrüche:
Neolithische Revolution; Zeitenwende Antike – Mittelalter – Neuzeit.

Die Schülerinnen und Schüler können:

  • Vergangenes an einfachen Beispielen historischer Zeitbilder aus der Eisenzeit zeitlich einordnen. (Grundstufe II)
  • eisenzeitliche Funde als Beispiele für das Kulturschaffen des Landes begreifen. (Grundstufe II)
  • anhand von Beispielen der Eisenzeit den Unterschied von Geschichte und Vergangenheit erläutern. (Sekundarstufe I – Geschichte und Sozialkunde)
  • Entstehung und Merkmale von alten Kulturen anhand der steirischen Eisenzeit ermitteln. (Sekundarstufe I – Geschichte und Sozialkunde)
  • Historische Epochen, in diesem Fall die Eisenzeit, beschreiben. (HLW und Tourismusschulen – Geschichte und Politische Bildung)
  • die Eisenzeit als Epoche sowie deren Charakteristika darlegen. (HTL – Kompetenzbereich Geschichte und Politische Bildung)