GESELLSCHAFT, WIRTSCHAFT UND KULTUR
Tourismus
Einleitung
Der Tourismus spielt für die Steiermark als Wirtschaftsfaktor eine wesentliche Rolle. In der Nächtigungsstatistik des Tourismusjahres 2017/18 liegt die Steiermark an fünfter Stelle aller österreichischen Bundesländer (hinter Tirol, Salzburg, Wien und Kärnten). Besonders beliebt ist die Steiermark als Reiseziel für österreichische Gäste, bei den Inländernächtigungen liegt unser Bundesland österreichweit an erster Stelle.
Nächtigungsdichte im Tourismusjahr 2023/24 (Gemeindeebene)
Ausgewählte touristische Einrichtungen

Die Steiermark wird in acht Tourismusregionalverbände unterteilt, welche in der Karte „4.1.1 Ausgewählte touristische Einrichtungen“ durch die farblich differenzierten Flächen dargestellt werden. Die Region Thermenland Steiermark-Oststeiermark ist außerdem nocheinmal unterteilt dargestellt. Diese Regionalverbände ergeben sich aus dem Zusammenschluss von Gemeinden, die ein gemeinsames oder gleichartiges Tourismusangebot haben und die als Region eine Einheit bilden. Über Antrag der betroffenen Gemeinden ist ein derartiger Verband durch die Landesregierung zu verordnen. Statistisch werden nur jene Gemeinden erfasst, die durch Erreichen von Mindestwerten (Nächtigungszahl, Nächtigungsintensität und spezifischer Tourismusumsatz) als Tourismusgemeinden klassifiziert sind.
Die Regionen heißen:
- Ausseerland-Salzkammergut
- Hochsteiermark
- Region Graz
- Schladming-Dachstein
- Gesäuse
- Südsteiermark
- Thermenland Steiermark-Oststeiermark
- Urlaubsregion Murau-Murtal
Die Einzelsignaturen der Karte zeigen eine Auswahl von Freizeiteinrichtungen, die als Anziehungspunkte für den Tourismus gelten. Dabei wurden folgende Kategorien unterschieden:
Heil- und Thermalbäder:
Die therapeutische Wirkung der in der Karte angeführten Bäder beruht auf der Nutzung von Thermalquellen. Ein besonders dichtes Angebot von Thermalbädern bietet der Osten der Steiermark. Welche touristische Bedeutung die Thermen für die Region haben, wird in den Karten, die die Zahl der Nächtigungen darstellt, deutlich.
Nicht von Thermalquellen gespeist werden folgende zwei Ausnahmen in dieser Kategorie: In Bad Aussee setzt man auf die Sole aus dem Altausseer Salzberg als Heilmittel. Beim Asia Spa in Leoben handelt es sich weniger um ein Heilbad als vielmehr um eine Kombination aus Erlebnisbad und Wellnessoase. Da diese beiden Bäder thematisch jedoch gut in diese Kategorie passen, wurden sie ebenfalls erfasst.
Golfplätze:
Die 26 Golfplätze bzw. Golfclubs der Steiermark sind über das gesamte Landesgebiet verteilt. So hat der golfspielende Gast die Wahl zwischen diversen Kulissen, von der Bergwelt im Nordwesten zum Hügelland im Südosten. Golfurlaube werden oft in Kombination mit Kultur und Wellness angeboten. Ihre Konzentration in der Nähe von Thermen und rund um die an kulturellem Angebot reiche Stadt Graz geht aus der Karte deutlich hervor.
Schigebiete:
Die Dachstein-Tauern Region ist die einzige der Steiermark, die sowohl im Angebot als auch in der Nachfrage mit den großen westösterreichischen Wintersportdestinationen vergleichbar ist. Bei der Darstellung der Schigebiete werden drei Größenordnungen, abhängig von der Anzahl der Pistenkilometer unterschieden. So wird vor allem die Häufung größerer Gebiete im Nordwesten der Steiermark veranschaulicht. Um die Karte nicht zu überladen wurde auf die Darstellung der Schigebiete mit weniger als fünf Pistenkilometern verzichtet.
Themenstraßen:
Als besonders attraktiv und sehenswert gelten die Landschaften entlang der steirischen Themenstraßen, weshalb folgende Auswahl in die Karte aufgenommen wurde:
- Apfelstraße
- Blumenstraße
- Eisenstraße
- Holzstraße
- Schlösserstraße
- Weinstraßen
(Eine Karte 1: 200 000 (A0) mit weiteren tourismusspezifischen Inhalten wird im Rahmen des „Umweltatlas Steiermark“ geführt. Diese Karte kann auch unter www.SCHULATLAS.at über den Menüpunkt „SHOP“ erworben werden.)
Nächtigungen im Tourismusjahr 2023/24 (Bezirksebene)

Thema dieser Karte ist die Verteilung der Nächtigungen in den Bezirken im Tourismusjahr 2023/24. Ein Tourismusjahr dauert von 01.11. bis 31.10. des darauffolgenden Jahres, wobei das Winterhalbjahr die Monate November bis April, das Sommerhalbjahr die Monate Mai bis Oktober umfasst. Das Tourismusjahr 2023/24 dauerte demnach von November 2023 bis Oktober 2024. In der Karte werden die Nächtigungen im Sommer- bzw. Winterhalbjahr in den Kreishälften dargestellt, die Kreishälften selbst werden zusätzlich in In- und Ausländernächtigungen unterteilt.
Der mit Abstand nächtigungsstärkste Bezirk ist Liezen, wobei hier die Winternächtigungen leicht überwiegen, im Winter dominieren die ausländischen Gäste und im Sommer wurden annähernd gleich viele In- wie Ausländernächtigungen erfasst. Ebenfalls einen Vorsprung bei den Winternächtigungen zeigt der Bezirk Murau, und auch hier wurden im Winter mehr Aus- als Inländernächtigungen verbucht. Die Stadt Graz verzeichnete im Sommerhalbjahr mehr ausländische Gäste, im Winterhalbjahr war das Verhältnis zwischen in- und ausländischen Gästen ausgeglichen. Alle anderen Bezirke zeigen ein im Wesentlichen ähnliches Bild: Sommer- und Inländernächtigungen überwiegen. Besonders ausgeprägt sind die Inländernächtigungen in den beiden östlichsten Bezirken, was auf Thermen- und Kulturtourismus zurückzuführen ist.
Nächtigungen im Tourismusjahr 2023/24 (Gemeindeebene)

Auch in dieser Karte wurden die Zahlen des Tourismusjahres 2023/24 herangezogen, um die Verteilung der Nächtigungen in den Gemeinden darzustellen. Die Kreisdiagramme unterteilen sich wiederum in Sommer- und Winternächtigungen, die Größe des Kreises lässt auf die Gesamtnächtigungszahl schließen. In die Darstellung wurden jene Gemeinden aufgenommen, die im oben genannten Zeitraum mehr als 10 000 Nächtigungen verbuchen konnten. An erster Stelle in diesem Gemeinderanking steht Schladming, gefolgt von der Landeshauptstadt Graz. Hohe Nächtigungszahlen weisen neben Schladming auch die anderen Wintersportdestinationen im Nordwesten der Steiermark und die Gemeinden mit Thermentourismus im Osten auf.
Bei der Verteilung von Sommer- bzw. Winternächtigungen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Bezirkskarte: Im Nordwesten überwiegen zumeist die Winternächtigungen, im Süden und Osten dominiert der Sommertourismus deutlich. Erwähnenswerte Ausnahmen bilden einerseits die drei Ausseerlandgemeinden, die durch die traditionelle Sommerfrische geprägt sind und andererseits die Thermengemeinden, die ein relativ ausgeglichenes Verhältnis der Sommer- und Winternächtigungen zeigen.
Entwicklung der Nächtigungszahlen in den Bezirken 1960 - 2024

Die Entwicklung der Bezirke Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark nahm einen miteinander vergleichbaren Verlauf. Ein sukzessiver Anstieg der Nächtigungszahlen, der mit der Inbetriebnahme der Thermen in Loipersdorf bei Fürstenfeld und Radkersburg im Jahr 1978 einhergeht, ist zu beobachten. 1997 wurde im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld das Rogner Bad Blumau eröffnet, was in der Grafik durch einen deutlichen Knick sowohl in der Gesamtnächtigungszahl als auch bei den Ausländernächtigungen zu erkennen ist. Die Therme Bad Waltersdorf hat für den Bezirk Hartberg-Fürstenfeld insofern Bedeutung, als dass einem Rückgang der Nächtigungen im Bezirk durch ihre Eröffnung 1984 entgegengewirkt wurde. Ohne die Nächtigungen der Thermengäste nähme die Grafik wohl einen ähnlichen Verlauf wie die der Bezirke Weiz und Bruck-Mürzzuschlag. In den 1970er Jahren beliebte Sommerfrischeziele, müssen sie seit 1975 bzw. 1980 Rückgänge hinnehmen. Seit dem Tourismusjahr 2005 konnten Bruck-Mürzzuschlag und Weiz zumindest wieder etwas aufholen.
Für Leibnitz sind geringe Zuwächse in den 1980er Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts erwähnenswert, ein Umstand, der auf den steigenden Bekanntheitsgrad verschiedener Ausflugsziele entlang der Weinstraßen zurückzuführen ist.
Ganz deutlich zu erkennen ist auch eine Steigerung der Nächtigungszahlen im Bezirk Murtal vom Vergleichsjahr 2010 auf das Jahr 2015. Verantwortlich dafür ist die Wiedereröffnung der Rennstrecke in Spielberg im Jahr 2011, seit 2014 ist es wieder Austragungsort der Formel 1. Mehrere Motorsportveranstaltungen ziehen mit zunehmender Beliebtheit seitdem Gäste aus dem In- und Ausland an.
Die Bezirke Leoben, Deutschlandsberg und Voitsberg haben keine große touristische Relevanz. Die Nächtigungszahlen bewegen sich auf einem sehr niedrigen Niveau und unterliegen kaum Schwankungen.
Nächtigungsdichte im Tourismusjahr 2023/24 (Bezirksebene)

Unter Nächtigungsdichte versteht man die Zahl der Nächtigungen pro Einwohner in einem bestimmten Zeitraum und Gebiet. In der vorliegenden Karte wurden die Nächtigungszahlen der Bezirke im Tourismusjahr 2023/24 herangezogen. Der Stand der Einwohnerzahlen ist der vom 1.1.2024 (Quelle: Zentrales Melderegister).

Wie aus der Darstellung der oben genannten Karte hervorgeht, liegt der Bezirk Liezen in Bezug auf die Nächtigungszahlen mit großem Abstand an erster Stelle. Dieser Vorsprung ergibt sich jedoch nicht ausschließlich aus der im Vergleich zu den anderen Bezirken größeren Fläche. Die traditionellen Fremdenverkehrsdestinationen im Ausseerland-Salzkammergut und der starke Wintertourismus in Schladming und den Nachbargemeinden verhelfen dem Bezirk zu dem Vorsprung gegenüber den anderen steirischen Bezirken, was in oben stehender Tabelle zahlenmäßig verdeutlicht wird.
Was die Nächtigungsdichte betrifft, sind weiters die durch Thermentourismus geprägten Bezirke Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark erwähnenswert. Auch der ländlich geprägte Bezirk Murau sticht auf Rang zwei aus der Statistik hervor, der Abstand zum Bezirk Liezen ist hier jedoch schon beträchtlich. Die Werte aller anderen Bezirke liegen weit darunter.
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Tourismusjahr 2023/24

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wird ermittelt, indem man die Zahl der Übernachtungen durch die Zahl der Ankünfte dividiert. Dieser Indikator gibt Auskunft über den Zeitraum des Verbleibs der Gäste in Beherbergungsbetrieben einer bestimmten Region. Die Werte liefern Hinweise auf die vorwiegende Art des Tourismus. Geschäfts- und Städtetourismus sind durch eine kürzere Aufenthaltsdauer gekennzeichnet, Erholungs- und Kurtourismus weisen eine längere Aufenthaltsdauer auf. Ausländische Gäste bleiben naturgemäß länger als Inländer.
Diese Gegebenheiten spiegeln sich in der vorliegenden Karte wider. Die ländlichen Gebiete mit langer touristischer Tradition in der westlichen Obersteiermark sowie der seit jeher für den Kurtourismus bekannte Bezirk Südoststeiermark weisen eine tendenziell längere Aufenthaltsdauer auf als der Rest der Steiermark.
Die kürzeste Aufenthaltsdauer ist in der durch Geschäfts- und privaten Städtetourismus geprägten Landeshauptstadt zu finden. Hier bleiben inländische Gäste durchschnittlich 1,7 Tage, ausländische Gäste 1,8 Tage. Die niedrigen Werte im Bezirk Leibnitz sind durch den Ausflugstourismus in die Weingegend zu erklären, im Rahmen dessen Gäste oft nur ein oder zwei Nächte bleiben. Der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ist grundsätzlich auch ein traditionelles Urlaubsziel, weist aber trotzdem eine relativ geringe durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf. Verantwortlich dafür ist der moderne Pilger- und Wallfahrtstourismus nach Mariazell.
Während die Reisehäufigkeit steigt, ist die Dauer der Urlaube seit langer Zeit im Sinken begriffen. Urlaube von zwei oder mehr Wochen sind selten geworden. Wie aus der folgenden Abbildung 1 hervorgeht, hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Steiermark seit 1980 fast halbiert.

In den frühen Achtzigerjahren hatte der Sommertourismus in Bezug auf die durchschnittliche Aufenthaltsdauer noch die Nase vorn, wurde jedoch bald vom Wintertourismus überholt. Anfang der Neunzigerjahren waren die Werte der Sommer- und Winterhalbjahre annährend gleich. Seitdem ist die Aufenthaltsdauer in der Steiermark im Winterhalbjahr länger als im Sommerhalbjahr. Im Tourismusjahr 2024/25 betrug sie im Winter 3,3, im Sommer 3 Tage.
In den Coronajahren gab es z.T. deutliche Anstiege, was die Aufenthaltdauer betrifft, dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einen deutlichen Rückgang bei den Übernachtungen und Ankünften gab. Ebenso hat sich auch die Zahl der Tagestouristen drastisch verringert.
Quellenverzeichnis
Karten- und Datengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, A7 Landes- und Gemeindeentwicklung, Referat Statistik und Geoinformation
Internetquellen:
Statistik Austria: www.statistik.at
Landesstatistik Steiermark: www.statistik.steiermark.at
Steirische Tourismus GmbH: www.steiermark.com
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24
Autorinnen und Autoren
Text:
Mag.a Bernadette Ebner (2007, 2019), Mag.a Edeltraud Pirker (2025)
Kartengestaltung:
Mag.a Bernadette Ebner (2007, 2019), Mag.a Edeltraud Pirker (2025)
Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb
Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb
Web-Bearbeitung:
Mag.a Bernadette Ebner & Mag.a Edeltraud Pirker
Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc