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NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE

Temperatur


Mittlere Jännertemperaturen 1971 - 2000
Mittlere Jännertemperaturen 1971 - 2000
a) Klimafaktoren

Der Jänner ist zwar nicht der Monat mit der geringsten Einstrahlung (Dezember), aber aufgrund von Verzögerungseffekten beim Temperaturgang der kälteste Monat. Bei kurzem und niedrigem Tagbogen der Sonne, langer Nacht und negativer Strahlungsbilanz am Erdboden ist die Neigung zur Bildung von Kaltluftseen und hoch reichenden, vielfach tagsüber anhaltenden Inversionen neben dem Dezember am größten, wodurch in diesen Monaten der Faktor des Geländes in den Tal- und Beckenlagen jenen der Seehöhe deutlich übertrifft.

Gegenüber diesen beiden Hauptfaktoren tritt der Einfluss der restlichen Temperaturfaktoren stark zurück. So etwa müsste gemäß der allgemeinen globalen Temperaturabnahme nach Norden auch in der Steiermark der nördlichste Punkt um 0,9 K kälter sein als der südlichste, doch wird dieser Faktor durch die unterschiedlichen Witterungseinflüsse aufgehoben.

b) Regionale Differenzierung

Als besonders kalte Landschaften gelten im Jänner die abgeschlossenen Talbecken mit stark gehemmtem Kaltluftabfluss, wobei das Mitterndorfer, Trofaiacher, Aflenzer, Judenburg-Knittelfelder und Passailer Becken zu nennen wären, aber auch das Ennstal bei Admont.

Diese schon lange bekannte Eigenheit des Winterklimas der inneralpinen Talbecken ist aber auch im Vorland in auffallender Weise verwirklicht und konnte insbesondere durch geländeklimatische Untersuchungen belegt werden, wobei auch hier geländebedingte Unterschiede bis über 2 K entstehen und diese Inversionen den inneralpinen wohl an Mächtigkeit, kaum aber an Stärke, nachstehen. Als besonders kalt gelten die kleinen Becken von Maria Trost, Niederschöckl und Thal bei Graz, Otternitz in der Weststeiermark, Kornberg in der Oststeiermark und weitere mit ähnlichen Geländebedingungen, von denen die wichtigsten in der Karte dargestellt sind.

Diesen kalten Talbecken und Talböden stehen ausgesprochen milde Rücken- und Kuppenlagen gegenüber, wobei sich die mildesten Jännertemperaturen in Höhen von 200 bis 300 Metern über den jeweils benachbarten Talböden einstellen. Aufgrund des zu lockeren Stationsnetzes bzw. des Fehlens von Stationen gerade in den am meisten wärmebegünstigten Standorten kommen diese in der Karte nicht zur Geltung. In den höheren Lagen des Sausals, des Steirischen Weinlandes, der oststeirischen Vulkanberge und in allen Gunstlagen in der Fußzone des Randgebirges wurden Normalwerte deutlich über –1°C, örtlich sogar nahe 0°C durch Spezialuntersuchungen bestätigt.

So wie im Vorland gibt es auch in der „Gebirgssteiermark“ ausgesprochene „Kaltluftlöcher“, die meist schon aus diesem Grund kaum besiedelt und auch nicht durch Dauer-Messstationen erfasst sind. Ihre extreme Winterkälte ist aber durch Sonderstationen und Temperaturmessfahrten gut bekannt. Es sind dies u. a. die stark abgeschatteten und schneereichen, gut abgeschlossenen und wenig durchlüfteten Becken oder Talmulden der Kainisch zwischen Bad Mitterndorf und Bad Aussee, das Teilbecken von Grubegg südlich von Bad Mitterndorf, das Halltal bei Mariazell, einige trogförmige Seitentäler des Hochschwabs sowie die Mur-Paralleltalung bei Schöder oder das Ingeringtal nördlich des Hammergrabens zwischen Knittelfeld und Seckau. Die Jänner-Normalwerte sind in den genannten Landschaften mit unter –5°C anzusetzen, in den kältesten (z.B. Kainisch) sogar mit unter –6°C.

So wie im Vorland und Randgebirge gibt es auch in der Obersteiermark über den kalten Tallandschaften eine Höhenstufe mit milden Temperaturen, wobei diese aber weit höher über den Talböden liegt als im Vorland und nur ausnahmsweise Temperaturen wärmer als –2°C aufweisen dürfte, z.B. im Bereich des Mittleren Ennstals nördlich von Hieflau, bei allgemein niedrigerer Lage und häufigerer Beeinflussung durch mildes Westwetter.



Mittlere Jahrestemperaturen 1971 - 2000
Mittlere Jahrestemperaturen 1971 - 2000
a) Klimafaktoren

Die räumliche Verteilung der Jahrestemperatur in der Steiermark ist von mehreren Faktoren abhängig, wobei die Seehöhe schon wegen des Höhenunterschiedes von fast 2800 Metern der weitaus wichtigste Faktor ist und der Temperaturunterschied zwischen dem Dachsteingipfel (ca. –4,8°C) und dem tiefsten Punkt des Landes (südöstlich von Bad Radkersburg, ca. 9,3°C) etwa 14 Kelvin (K) beträgt. Das entspricht global betrachtet dem Temperaturunterschied von 27 Breitengraden oder jenem zwischen Bad Radkersburg und der südlichen Insel von Novaya Zemlya in der Arktis, was auch durch die dortigen Temperaturen recht gut bestätigt wird.

Als zweiter Faktor ist das Gelände bzw. Relief zu nennen, wobei bei sonst gleichen Bedingungen alle Hohlformen (Becken, Täler) kälter, die Vollformen (Hügel, Kuppen, Kämme) wärmer sind als der allgemeine Durchschnitt. Das ergibt sich aus der ungleich stärkeren Abkühlung der Hohlformen während der Nacht durch die Ansammlung der Kaltluft („Kaltluftseen“).

Der dritte Faktor ist die geographische Breite, die zumindest formal eine allgemeine Temperaturabnahme von 0,6 K von den südlichsten bis zu den nördlichsten Landesteilen erwarten ließe, wenn man die durchschnittliche globale Abnahme zwischen Äquator und Nordpol als allgemein gültig zugrunde legt. Diese Abnahme vom wärmeren „Süden“ zum kälteren „Norden“ des Landes ist in dieser Größenordnung nicht nachweisbar, da der tatsächliche Temperaturvorsprung der südlichen Landesteile erstrangig aus der geringeren Seehöhe resultiert.

Dieser wird zudem durch den vierten Faktor, nämlich die unterschiedlichen Witterungseinflüsse, mitbedingt, wobei die nördlichen Landesteile eher von Kaltlufteinbrüchen erfasst werden als die südlichen. Dieser Effekt ist aber im Winter und Herbst am schwächsten und z. T. sogar gegenteilig, da der Norden dann eher von mildem, maritimem Westwetter oder föhnigem Südwestwetter beeinflusst wird als der Süden. Im Jahresdurchschnitt dürfte sich diese gegenteilige Wirkung weitgehend ausgleichen.

Als weitere Faktoren der Jahrestemperatur sind die Exposition und die Beschaffenheit des Untergrundes zu nennen, die aber bei der bewusst neutralen Lage der Stationen und dem gebotenen Kartenmaßstab nicht mehr erkennbar sind. Nur in Ausnahmefällen (z.B. Stolzalpe, Seckau oder St. Radegund) dürfte sich die Südexposition in merkbar höheren Temperaturen niederschlagen.

b) Regionale Differenzierung

Die aus den genannten Faktoren resultierende Verteilung der Jahresnormalwerte der Temperatur kommt im gebirgigen Landesteil der Steiermark gut zur Geltung, wobei allerdings der Faktor der Seehöhe auffallend dominiert und die anderen Faktoren weitgehend unterdrückt.

Im Vorland (West- und Oststeiermark unterhalb von 500 Metern) wird der geländebedingte Temperaturunterschied durch die zu große Äquidistanz der Isothermen von 2 K und dem „zu kleinen“ Höhenunterschied von meist nur 100 bis 200 Metern im Riedelland, bzw. aufgrund fehlender Daten im etwas höheren Bergland (Sausal, „Weinland“), ganz unterdrückt, obwohl er gerade in dieser Region auffallend und agrarklimatisch ganz wesentlich ist.

Die wärmsten Landesteile sind schließlich die südexponierten Lagen in geringer Seehöhe, aber wenigstens 200 m über den kälteren Talböden, wobei wahrscheinlich im Klöcher Vulkangebiet um 400 m Höhe Werte bis 10°C real sind. Demgegenüber liegen die Jahresnormalwerte in den kältesten Talbecken, etwa im Mariatroster Tal bei Graz oder im Otternitzer Becken (Gleinztal-Riedelland, Weststeiermark) höchstens bei 8°C, wenn nicht sogar etwas darunter. Eine Isotherme von 9°C würde diese Verteilung wenigstens in groben Zügen zum Ausdruck bringen. Diese auffallenden geländeklimatischen Unterschiede, zu denen noch die Expositionsunterschiede kommen, schlagen sich auch in der markanten Kulturlandverteilung des Vorlandes nieder.



Mittlere Julitemperatur 1971 - 2000
Mittlere Julitemperatur 1971 - 2000

Quellenverzeichnis

Literatur:
ZENTRALANSTALT FÜR METEOROLOGIE UND GEODYNAMIK (Hrsg.) (2010): Klimaatlas Steiermark. Graz.

WAKONIGG H. (1978): Witterung und Klima in der Steiermark. – dbv-Verlag für die Technische Universität Graz.

Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568

Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24


Autorinnen und Autoren

Text:
Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb, Dr. Alexander Podesser, O. Univ. Prof. Dr. Herwig Wakonigg (2006)

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Web-Bearbeitung:
Anna-Maria Weissinger MSc (2026)

Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc


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