NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE
Naturgefahren in der Steiermark
Einleitung
Natürliche Prozesse werden als Naturgefahren wahrgenommen, wenn sie in der Lage sind, Menschen oder Objekten direkt oder indirekt zu schaden. Natürliche Prozesse werden erst durch das Urteil von Menschen oder einer Gesellschaft als Naturgefahr interpretiert, dabei spielen Wertvorstellungen, der Umgang mit den Gefahren und Bewältigungsstrategien eine große Rolle. In den Naturgefahrenkarten werden Hochwasser, Erdbeben, Lawinen, Rutschungen und Muren dargestellt.
Erdbebengefährdung

Österreich ist kein typisches Erdbebenland, stärkere Beben gelten als Ausnahmefall, Erdbeben können jedoch Massenbewegungen und Lawinen auslösen. Der österreichische Erdbebendienst an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik überwacht seit 1904 seismische Aktivitäten. In Österreich befinden sich Bebenherde meist zwischen 7 und 12 km unter der Erdoberfläche, etwa 50% aller Starkbeben ereignen sich entlang der Mur-Mürz-Furche und der „Thermenlinie“ des Wiener Beckens.
Da das Auftreten weiterer Starkbeben in Österreich nicht ausgeschlossen werden kann, ist in bestimmten Gebieten eine erdbebengerechte Bauweise nötig - die ÖNORM B4015 regelt die Bauvorschriften für Neubauten. Die Erdbebengefährdungskarte gemäß ÖNORM B4015 wird
mithilfe von rekonstruierten Bodenbeschleunigungen erstellt, Daten aus der historischen Erdbebenforschung und Daten von seismologischen Beobachtungsstationen fließen in die Berechnungen ein. Der Datensatz wird ständig aktualisiert, damit auch neue Beben oder neue Erkenntnisse über historische Erdbeben berücksichtigt werden können. Österreich wird in 5 Zonen unterschiedlicher Erdbebengefährdung gegliedert, zu beachten ist, dass die Zone 0 mit der geringsten Gefährdung in der Steiermark nicht anzutreffen ist. Einen Überblick über den flächenmäßigen Anteil der einzelnen Zonen verschafft neben der Erdbebenkarte auch Abb. 1. Murau liegt als einzige steirische Bezirkshauptstadt in der Zone 4; die Städte Mürzzuschlag, Bruck an der Mur, Judenburg und Knittelfeld befinden sich in der Zone 3.

Die Magnitude ist „… ein logarithmisches Maß für die am Erdbebenherd freigesetzte Schwingungsenergie …“, als Skala dient die „nach oben offene“ Richter-Skala – Magnituden über 9 sind aber praktisch unmöglich. Neben der Magnitude hängt die Gefährdung vom Untergrund ab. Die Bodenbeschleunigung hat in Festgesteinen andere Auswirkungen auf die Bodenbewegung an der Oberfläche als in Lockersedimenten, auch die Herdtiefe ist von entscheidender Bedeutung. Wenn Sedimentschichten über Festgestein lagern, kann es auf Grund unterschiedlicher Ausbreitungsgeschwindigkeiten der Bodenbeschleunigung zu Amplitudenüberhöhungen kommen. Die Epizentralintensität beschreibt die Auswirkung an der Erdoberfläche mithilfe einer 12-stufigen Intensitätsskala. Ein Blick auf die Karte lässt erkennen, dass sich in den vergangenen Jahrhunderten die meisten Beben mit hoher Epizentralintensität entlang der Mur-Mürz-Furche ereigneten, auch das Ennstal und das Trofaiacher Becken stechen hervor. Die Daten für die Epizentralintensität basieren auf einer Liste mit 436 Erdbeben, zu beachten ist, dass nur 20 Beben auf den Zeitraum von 1267 bis 1896 entfallen. Die beiden stärksten Beben ereigneten sich in Kindberg (1267 und 1885) mit einer Intensität von jeweils 8,0° auf der makroseismischen Skala und das drittstärkste 1936 in Obdach mit einer Intensität von 7,5°. Beben mit jeweils 7,0° traten 1794 in Leoben, 1810 in Admont, 1837 in Mürzzuschlag, 1916 in Judenburg und 1927 in Wartberg auf.
Rutschungen und Steinschlag

Hochwassergefährdung

Es gibt große Unterschiede zwischen Flüssen im Flachland und
Wildbächen – im Gebirge führen Überflutungen im Oberlauf wegen des hohen
Anteils an Sedimenten häufig zu Übermurungen. Im Mittel- und Unterlauf
dagegen muss mit „gewöhnlichem“ Hochwasser gerechnet werden, also mit
dem Ansteigen des Wasserstands eines Flusses über einen bestimmten
Pegel; meist wird dafür der mittlere Wasserstand herangezogen.
In
großen Teilen Europas kam es 2002 und 2005 zu ausgedehnten
Hochwasserereignissen mit sehr hoher Jährlichkeit (z.T. weit über HQ100 –
das entspricht einem Ereignis, das alle 100 Jahre zu erwarten ist),
auch in der Steiermark traten in diesen beiden Jahren viele Flüsse über
die Ufer. Hochwasser wird in der Steiermark meist durch langanhaltenden
Starkregen oder durch die Kombination von Regen und Schneeschmelze
ausgelöst. Im Winter ist aufgrund der Schneedeckenbildung von keiner
Hochwassergefahr auszugehen, eine Ausnahme bilden Eisstauungen in den
Oberläufen alpiner Flüsse - Eisstauungen sind etwa im oberen Murtal alle
20 Jahre zu erwarten.
Auf der Karte werden
Hochwasser-Überflutungsflächen mit der Eintrittswahrscheinlichkeit von
300 Jahren (HQ 300) dargestellt. Zu beachten ist, dass für einige
Abschnitte noch keine Studien vorliegen und deshalb auch dort, wo auf
der Karte keine Gefährdung ausgewiesen ist, Überschwemmungsflächen
vorliegen können. Ob ein Fluss über seine Ufer tritt, ist von vielen
Faktoren abhängig, z.B. von der Form des umliegenden Geländes, von den
geologischen Verhältnissen, die mitverantwortlich für die Gestalt des
Flusses selbst sind (Tiefe der Sohle, Breite des Flussbetts) und von
Eingriffen durch den Menschen (mehr Abflussraum durch Aufweitung der
Ufer und Eintiefung der Sohle). Retentionsräume sind Flächen, die im
Falle erhöhter Wassermengen ohne großen Schaden anzurichten überflutet
werden können – Voraussetzung für diesen naturnahen Lösungsansatz, der
dem Fluss den erforderlichen Platz zugesteht, ist keine bzw. nur
extensive Nutzung der entsprechenden Flächen. Hochwasserrückhaltebecken
sorgen für dosierte Abflussmengen und verhindern auf diese Weise
Überschwemmungen flussabwärts gelegener Gebiete.
Quellenverzeichnis
Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, GIS-Steiermark 2007-2010;
ÖNORM B4015: ZAMG, 2008, Geophysik-CD, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik; Epizentralintensitäten: ZAMG 2008, Erdbebenkatalog von Österreich - Ausschnitt. Österr. Erdbebendienst, Computerfile;
Wildbach- und Lawinen-EZG: © WLV, 2010;
Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24
Autorinnen und Autoren
Text:
Mag. Andreas Maier (2010)
Kartengestaltung:
Mag. Andreas Maier (2010), Mag.a Edeltraud Pirker (2019), Anna Weissinger MSc (2024)
Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb
Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb
Web-Bearbeitung:
Mag.a Edeltraud Pirker (2019), Anna Weissinger MSc (2024)