NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE
Sonstige Themen zum Klima
Klimaregionen

Aus der kombinierten Betrachtung verschiedener Klimaelemente (Sonnenschein, Temperatur, Bewölkung, Niederschlag, Schnee, Wind) und der Einbeziehung charakteristischer Witterungszüge (Auswirkungen von Wetterlagen, Abschirmungseffekte, regionale Einflüsse) können Gebiete relativ homogenen Klimacharakters ausdifferenziert werden. Hierfür gibt es mehrere Modelle, von denen das in der „klassischen“ Klima-Monographie der Steiermark von WAKONIGG (1978) als gängigstes gelten kann. Dem wissenschaftlichen Anspruch dieses Werkes entsprechend werden darin 22 Klimalandschaften unterschieden, was für den Schulatlas Steiermark deutlich zu detailliert wäre. Aus diesem Grund wurde eine neue Gliederung in 9 „Klimaregionen“ entworfen, wofür wiederum Prof. H. WAKONIGG (Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz) gewonnen werden konnte, dem an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
1. Hochlagen im Nordstaugebiet
Diese Region empfängt alle Fremdwetterentwicklungen aus westlichen bis nördlichen Richtungen „aus erster Hand“, d.h. ohne dass die Wirkungen der entsprechenden, vielfach sehr feuchten Luftmassen (in der Regel atlantischer Herkunft) von großen vorgelagerten Gebirgsketten abgeschwächt worden wären. Damit entwickelt sich ein sehr niederschlags- und schneereiches, „raues“ Gebirgsklima mit kühlen, regenreichen Sommern und langer Schneebedeckung. Wichtige Auswirkungen dieser klimatischen Gegebenheiten sind etwa die vergleichsweise tiefe Lage der Höhengrenzen (z.B. Waldgrenze im Raum Mariazell nahe 1600 m) und der große Wasserreichtum der Gebirge.
2. Tallagen im Nordstaugebiet
Der Witterungscharakter dieser Region ist dem der Hochlagen im Nordstaugebiet ähnlich, doch ist das Klima aufgrund der geringeren Seehöhe und des deswegen höheren Temperaturniveaus nicht so rau. Dennoch können auch dieser Region die Eigenschaften niederschlags- und schneereich zugesprochen werden, wobei die Sommer regenreich und wenig warm sind. Besonders im Winter bilden sich örtliche „Kaltluftseen“ (Temperaturumkehr) aus.
3. Talbecken des oberen Ennstales
Im Lee der Nördlichen Kalkalpen gelegen zeichnet sich diese Region durch ein winterkaltes, wenig sommerwarmes Talbecken-Klima aus. Die Niederschlagshäufigkeit ist gegenüber dem Nordstaugebiet nur wenig verringert, die Niederschlagsmengen hingegen bleiben deutlich unter den Werten im Nordstau. Wie in allen Talbecken-Klimaten ist die Nebelhäufigkeit groß und nimmt innerhalb der Region noch von Westen nach Osten zu.
4. Nordseite der Niederen Tauern
Der größte, in sich zusammenhängende Gebirgsraum der Steiermark besitzt schon deutlich zentralalpine Klimazüge mit einer gegenüber den Nordstaugebieten größeren Klimagunst und höheren Höhengrenzen. Die abgeschwächte Wirkung des Fremdwetters aus Westen bis Norden äußert sich in diesem „sekundären Staugebiet“ in geringeren Niederschlags- und Schneemengen verglichen mit den Nordstaugebieten, kaum jedoch in geringeren Niederschlagshäufigkeiten. Der Hauptkamm der Niederen Tauern wirkt häufig als Wetterscheide, wodurch sich ein deutlicher Klimaunterschied zu deren Südflanke ergibt.
5. Talbecken des oberen Murtales
In dieser Region wirkt sich die Abschirmung gegenüber dem Fremdwetter aus Westen bis Norden markant aus, während Fremdwettereinflüsse aus Süden und Südosten bereits deutlich wirksam sind. Der Klimacharakter kann deshalb als relativ niederschlags- und schneearm beschrieben werden, in den westlichen Teilen der Region ist der Winter nebelarm und sonnenscheinreich. Als typisches Merkmal eines Talbecken-Klimas können die sehr tiefen Wintertemperaturen gelten („Kaltluftseen“), das nur mäßige Temperaturniveau des Sommers ist eine Folge der recht großen Seehöhe.
6. Talbecken des Mur- und Mürztales
Hierbei handelt es sich um eine Region mit einem Übergangsklima, das eine Zwischenstellung zwischen den Klimaten des oberen Enns- und des oberen Murtales einnimmt. Dabei nimmt der Niederschlags- und Schneereichtum von Südwesten nach Nordosten (entlang der Mürz also taleinwärts) sowie mit Annäherung an das Nordstaugebiet zu.
7. Hochlagen der Inneralpen
In den Seetaler und Gurktaler Alpen, in den Murbergen sowie an der Südabdachung der Niederen Tauern herrscht ein ausgeprägt zentralalpines Höhenklima mit relativ wenig Niederschlag, auffallender Schneearmut, reichlich Sonnenschein im Winter und – bezogen auf die jeweiligen Seehöhen – vergleichsweise hohem Temperaturniveau („inneralpine Überwärmung“ als Folge starker Einstrahlung auf hoch gelegene Flächen bei geringer Bewölkung). Aus diesem Grund liegen die Höhengrenzen hoch, die Waldgrenze z.B. weithin nahe 2000 m.
8. Steirisches Randgebirge
Die Lage dieses Gebirgszuges am Alpenrand lässt die Wirkung von Fremdwetter aus Süden und Südosten bedeutend werden, besonders ausgeprägt ist diese an der Koralpe. Aus diesem Grund gilt auch der Wesenszug der relativen Niederschlags- und Schneearmut für die Koralpe weniger als für das übrige Randgebirge. Obwohl der Gebirgsfuß besonders im Winter ein sehr mildes Klima besitzt, liegen die Höhengrenzen relativ niedrig (Waldgrenze in 1700 bis 1800 m). Charakteristisch ist auch eine hohe Gewitter- und Hagelneigung.
9. Vorland
Generell können dieser Region die Merkmale mäßig kontinental (große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter), sommerwarm und wintermild zugesprochen werden. Jedoch bestehen starke geländeklimatische Unterschiede zwischen winterkälteren Talböden (in denen etwa der thermisch anspruchsvolle Weinbau fehlt) und milden Riedel- und Hügellagen. Der Winter ist hochnebelreich und sonnenscheinarm, der Sommer hingegen sonnenscheinreich und warm mit deutlicher Neigung zu Schwüle, Gewitter und Hagel. Nebelreichtum und Schwüle sind Wirkungen der Windarmut, die ihrerseits wieder aus der starken Abschirmung von Fremdwetter aus Westen bis Norden resultiert. Die Niederschläge nehmen von Südwesten nach Nordosten ab und sind zu einem Großteil an Wetterlagen mit Feuchtigkeitszufuhr aus Süden bis Südosten gebunden.
Quellenverzeichnis
Literatur:
ZENTRALANSTALT FÜR METEOROLOGIE UND GEODYNAMIK (Hrsg.) (2010): Klimaatlas Steiermark. Graz.
WAKONIGG H. (1978): Witterung und Klima in der Steiermark. – dbv-Verlag für die Technische Universität Graz.
Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS
Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24
Autorinnen und Autoren
Text:
Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb, Dr. Alexander Podesser, O. Univ. Prof. Dr. Herwig Wakonigg (2006)
Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb
Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb
Web-Bearbeitung:
Anna-Maria Weissinger MSc (2026)
Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc