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NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE

Geologie

Einleitung

Gesteine bestimmen eine Vielzahl an Erscheinungen in der Natur: den Boden, die Oberflächenformen, den Wasserhaushalt oder auch die Pflanzenwelt. Sie sind darüber hinaus für den Menschen von unmittelbarem Nutzen – nicht nur in der Vergangenheit entschieden Bodenschätze über das wirtschaftliche Wohlergehen ganzer Regionen und Staaten! 

Der Schulatlas reduziert die außerordentliche Vielfalt an Gesteinen, die in der Steiermark anzutreffen sind, auf eine überschaubare Anzahl und bietet vielfältige Hilfestellungen zur Interpretation und Bewertung des geologischen Untergrundes.


Geologische Haupteinheiten
Geologische Haupteinheiten

(Erklärung siehe nächste Karte)


Gesteine der Steiermark
Gesteine der Steiermark

Die Karte „Geologische Haupteinheiten der Steiermark“ und die Karte „Gesteine der Steiermark“ zeigen unser Bundesland in vier geologische Haupteinheiten gegliedert:

  1. Nördliche Kalkalpen und Gosau
  2. Grauwackenzone und Paläozoikum
  3. Zentralalpen
  4. Känozoikum

Die letztgenannte Karte gliedert diese Einheiten noch in zwei bis drei Untereinheiten. Als detaillierteste Abbildung existiert noch eine Karte im A0-Format, die insgesamt 14 Einheiten darstellt. Diese Karte kann über das Internet (www.SCHULATLAS.at) mit dem Bestellformular aus dem Menübereich „Shop“ bezogen werden.

 

1.) Nördliche Kalkalpen und Gosau

Diese geologische Einheit bildet die nördlichste der Steiermark und besteht großteils aus mehreren Kilometer mächtigen Meeresablagerungen. Das Vorherrschen von Karbonatgesteinen (Kalke und Dolomite), die aufgrund ihrer mechanischen Widerstandsfähigkeit gegenüber der Erosion (Abtragung) zur Bildung von steilen Geländepartien und Felswänden neigen, gibt der dortigen Landschaft den typischen Reliefcharakter (Dachstein, Totes Gebirge, Hochschwab, Rax, ...). Diese Gebiete werden in der A0-Karte „Naturlandschaftsgliederung der Steiermark“ als „karbonatisches Plateau- und Kettengebirge“ bezeichnet.

Hochschwabmassiv in den Nördlichen Kalkalpen mit Karbonatgestein (Foto: M. Lieb)
Hochschwabmassiv in den Nördlichen Kalkalpen mit Karbonatgestein (Foto: M. Lieb)

Neben ihrer Neigung zu spektakulären Landschaftsformen haben Karbonatgesteine auch andere besondere Eigenschaften. In ihnen bildet sich der „Karst“ mit folgenden Kennzeichen aus:

  • Vorherrschend unterirdischer Abfluss und Ausbildung bedeutender Wasserreservoirs. Diese erlauben z.B. die Wasserversorgung von Wien und Graz aus dem Hochschwabmassiv.
  • Entstehung eines spezifischen Formenschatzes sowohl an der Oberfläche (z.B. Dolinen) als auch im Inneren der Karstmassive (Höhlen).

Doch auch sanfte, bewaldete Landschaften sind in dieser geologischen Einheit zu finden. Sie bestehen aus Nichtkarbonatgesteinen, das sind hier meist sandige, mergelige und schiefrige Gesteine.

Eine Sonderentwicklung unter den Nichtkarbonatgesteinen stellt die sogenannte „(kalkalpine) Gosau“ (benannt nach dem oberösterreichischen Dorf) dar, die ebenfalls großteils aus marinen Sedimentserien besteht (Sandsteine, Tonmergel, Kalkmergel, Sandstein-Mergel-Abfolgen, Karbonatsandsteine, u.a.). In dieselbe Einheit aufgenommen wurde auch die „Kainacher Gosau“, jene räumlich von den Kalkalpen getrennte Einheit um Köflach und Voitsberg, die v.a. aus Sandsteinen und Tonsteinen besteht.

 

2.) Grauwackenzone

Die südlich an die Nördlichen Kalkalpen angrenzende Grauwackenzone wird in Karbonat- und Nichtkarbonatgesteine gegliedert. Der Name dieser Einheit stammt von einem darin vorkommenden sandig-tonigen Gesteinskomplex, der „Grauwacke“. Während diese eher weichere Landschaftsformen ausbildet, treten aber auch Karbonatgesteine auf, die – v.a. in den Eisenerzer Alpen – wiederum markante Felsgipfel bilden (z.B. Reiting oder Eisenerzer Reichenstein).

Dünnblättriger Grauwackenschiefer aus der Nähe von Admont (Foto: C. Bauer)
Dünnblättriger Grauwackenschiefer aus der Nähe von Admont (Foto: C. Bauer)

In den beiden Karten wurden noch weitere tektonische Einheiten dieser Kategorie zugeordnet, da diese aus vergleichbaren Gesteinsserien bestehen, so etwa das Murauer und das Grazer Paläozoikum. Während dabei um Murau Nichtkarbonatgesteine dominieren, stehen im Grazer Bergland Karbonatgesteine (Schöckl, Hochlantsch) im Vordergrund.

Eine Besonderheit der Grauwackenzone und der vergleichbaren Gesteinsserien ist ihr Reichtum an Lagerstätten (Erze, Magnesit).  Für die wirtschaftliche Entwicklung der Steiermark spielten diese eine große Rolle, weil in früheren Zeiten die Nähe zu mineralischen Rohstoffen einen wichtigen Standortfaktor der Wirtschaft darstellte. Zu diesem Thema steht die Karte „Bodenschätze der Steiermark“ zur Verfügung. 

 

3.) Zentralalpen

Den flächenmäßig größten Teil der Steiermark nehmen die Zentralalpen ein, in denen metamorphe Gesteine dominieren. „Metamorph“ bedeutet, dass sich diese Gesteine durch hohen Druck und hohe Temperaturen während der Alpenbildung oder schon in älteren Gebirgsbildungsphasen aus Sedimenten oder magmatischen Gesteinen bildeten. Sie werden oft auch als kristalline Gesteine bezeichnet. Der Name „Urgestein“ ist hingegen veraltet und sollte deshalb nicht mehr verwendet werden, weil keineswegs alle diese Gesteine in geologischem Sinne „uralt“ sind.

Zu finden sind in erster Linie Gneise und Glimmerschiefer, einander in ihrer mineralischen Zusammensetzung vielfach ähnliche Gesteine, die deshalb auch ähnliche Landschaftsformen hervorbringen. Die Oberflächenformen, die aus diesen Gesteinen entstehen, reichen in der Steiermark vom welligen Joglland (in der A0-Karte „Naturlandschaftsgliederung der Steiermark“ das „silikatische Mittelgebirge“) bis zum ausgesprochenen Hochgebirgsrelief („silikatisches Hochgebirge“) der Schladminger Tauern. Diese komplett unterschiedlichen Landschaftseindrücke ergeben sich einerseits durch die größeren absoluten und relativen Gipfelhöhen der Niederen Tauern und vor allem durch deren starke glaziale Überformung. Die Gletscher der Eiszeiten (Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor rund 20.000 Jahren) haben nämlich die markanten, zackigen Gipfel, die steilen Felswände und Talflanken entscheidend mitgestaltet. Das damals nur kleinräumig vergletscherte Steirische Randgebirge weist von der Koralpe bis zum Wechsel hingegen vorwiegend sanfte Bergrücken auf.

Metamorphe Gesteine am Wölzer Schober in den Wölzer Tauern (Foto: M. Lieb)
Metamorphe Gesteine am Wölzer Schober in den Wölzer Tauern (Foto: M. Lieb)

Von den übrigen kristallinen Gesteinen sind in der Steiermark vor allem Quarzite (metamorphe Sandsteine, etwa in den nördlichen Seckauer Tauern), Amphibolite (metamorphe Basalte, etwa auf der Glein- und Stubalpe) und Serpentinite (aus magmatischem Ausgangsmaterial) von Bedeutung. Auch wenn letztere nur - meist kleinräumig - an drei Standorten der Steiermark zu finden sind (siehe A0-Karte), stellen sie doch eine Besonderheit dar, denn ihr Auftreten bedingt für die Pflanzenwelt Verhältnisse, die als ökologische Extremstandorte bezeichnet werden können. Deshalb sind hier spezielle Vegetationstypen anzutreffen, die als besonders schützenswert gelten (z.B. Serpentin-Schneeheide-Rotföhrenwald). 

Kleinflächig findet man auch in den Zentralalpen Karbonatgesteine und zwar in Form von Marmoren (metamorphe Kalke), etwa im Stubalpengebiet oder in den Wölzer Tauern.

 

4.) Känozoikum

Die jüngste geologische Einheit in den Karten stellt das Känozoikum dar, das vor rund 65 Millionen Jahren begonnen hat. Unter diesen Begriff fallen das „Paläogen“, das "Neogen", und das bis heute andauernde „Quartär“.

Innerhalb des Känozoikums stellen die Vulkanite die flächenmäßig kleinste Einheit dar. Es handelt sich um Relikte jungtertiären Vulkanismus, wie etwa die Vulkanruine der Riegersburg oder den Schildvulkan des Stradner Kogels. Diese Vulkanite dürfen trotz ihrer geringen Verbreitung (insgesamt nur rund 28 km²) nicht unerwähnt bleiben, denn sie sind als Rohstoff, als markante Landschaftselemente und als regionale Imageträger (Südoststeirisches Vulkanland) sehr bedeutend.

Die größte Einheit des Känozoikums sind hingegen „neogene bis altpleistozäne Lockergesteine“, die den Großteil des ost- und weststeirischen Riedellandes bilden und auch in inneralpinen Becken zu finden sind. Dabei handelt es sich vorwiegend um Abtragungsprodukte der sich hebenden Alpen. Da diese sehr stark mit vorwürmzeitlichen Flussterrassen verzahnt sind, wurden sie als eine Kategorie zusammengefasst.

Sand in der Nähe von Feldbach als Beispiel eines neogenen Lockersediments (Foto: C. Bauer)
Sand in der Nähe von Feldbach als Beispiel eines neogenen Lockersediments (Foto: C. Bauer)

In diese älteren Lockermaterialien haben sich bis heute Flüsse und Bäche eingeschnitten, die ihre mitgeführten Sedimente entlang ihres Laufes abgelagert haben, bzw. immer noch ablagern und dadurch die Kategorie „jungpleistozäne bis holozäne Sedimente“ bilden. Zu diesen zählen auch die jüngsten, in der letzten Kaltzeit (Würm) aufgeschütteten Terrassen, die vor allem entlang der Mur markant ausgebildet sind.

Eine feinere Differenzierung dieser Ablagerungen kann der A0-Karte entnommen werden. Hierzu zählen etwa Moränen, wobei nur besonders großflächige Ablagerungen in Tal- und Passlagen dargestellt wurden. Auch Tal- und Beckenfüllungen, die sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ablagerungen zusammensetzen (Berg- und Felsstürze, Flusssedimente und Moränen,...), wie etwa um Bad Aussee oder Trofaiach, gehören in diese Kategorie.


          Karbonat- und Nichtkarbonatgesteine
          Karbonat- und Nichtkarbonatgesteine

          Die Karte  „Karbonat- und Nichtkarbonatgesteine“ reduziert sämtliche bisher erwähnten Inhalte auf eine Trennung in diese zwei Haupteinheiten, die sich grundlegend in Reliefbildung und ökologischer Ausrichtung unterscheiden. Als dritte, weil nicht zuordenbare Einheit, wurden Lockergesteine ausgewiesen, die dem „Känozoikum“ (ausgenommen Vulkanite) aus der Karte „Geologische Haupteinheiten der Steiermark“ entsprechen.

          • Karbonatische Gesteine sind kalziumreich und verdanken ihre Bezeichnung dem Kalziumkarbonat (Kalk) bzw. Kalzium-Magnesiumkarbonat (Dolomit). Sie bilden die Grundlage für neutrale bis basische (alkalische), meist nährstoffreiche Böden und sind in der Regel wasserdurchlässig. Auf ihnen siedeln sich bevorzugt basiphile Pflanzen an.
          • Nichtkarbonatische (silikatische) Gesteine sind kalziumarm und verdanken ihre Bezeichnung dem reichlichen Vorhandensein von Siliciumoxiden. Sie bilden die Grundlage für saure und nährstoffarme Böden und sind in der Regel Wasserstauer. Auf ihnen siedeln sich bevorzugt oxyphile Pflanzen an.
          • Die Lockergesteine des Känozoikums sind hinsichtlich ihrer chemischen Eigenschaften eher mit den silikatischen Gesteinen verwandt (nur eher kleinflächig kommen karbonathältige Sedimente vor). Entscheidend sind hier für die Standortbedingungen tendenziell jedoch die lockere Lagerung des Sediments und der oft kleinräumige Wechsel der Wasserdurchlässigkeit.

          Bodenschätze der Steiermark
          Bodenschätze der Steiermark

          Wie schon erwähnt zeichnet sich v.a. die Grauwackenzone durch ihren Reichtum an Lagerstätten aus und spielte dadurch für die wirtschaftliche Entwicklung der Steiermark eine große Rolle, wobei in erster Linie den Erzlagerstätten eine große Bedeutung zukam.

          Um diese Verteilung gut sichtbar zu machen, wurden die Lagerstätten über die Inhalte der Karte „Geologische Haupteinheiten der Steiermark“ gelegt. In den Nördlichen Kalkalpen zeigt sich dabei eine Konzentration an Gips- und Salzlagerstätten, bei denen auch an zwei Stellen noch abgebaut wird. Diese und andere gegenwärtig genutzten, also abgebauten Lagerstätten sind in der Karte „Bodenschätze der Steiermark“ mit größeren Signaturen verzeichnet. Aufgrund des allgemeinen Rückgangs der Bergbautätigkeit in Europa, in Österreich und somit auch in der Steiermark finden sich dabei nur mehr sieben in Betrieb stehende Bergbaustandorte in unserem Bundesland (Stand 2018). Es sind diese:

          • Steinsalz in Altaussee
          • Gips am Grundlsee
          • Talk in Kleinfeistritz bei Weißkirchen und am Rabenwald
          • Magnesit in der Breitenau
          • Eisenerz in Eisenerz
          • Graphit in Kaisersberg

          In dieser Karte nicht verzeichnet sind Steinbrüche und Schottergruben, von denen es eine sehr große Zahl gibt.

          Als etwas ungewohnte Lagerstätten sind auch die genutzten Thermal- und Mineralquellen im Känozoikum verzeichnet. Da von diesen aber immerhin eine ganze Region (Thermenland) wirtschaftlich abhängig ist, darf auf sie nicht verzichtet werden. Um die Karte nicht zu überladen, wurden sie allerdings nicht mit großen Signaturen dargestellt.

          Neben diesen genutzten Vorkommen gibt es zahlreiche kleine, unergiebige bzw. nicht (mehr) wirtschaftlich nutzbare Lagerstätten, die in der Legende aufgelistet sind. Einige Erze und Minerale, von denen in der Steiermark nur sehr wenige kleine Vorkommen existieren und die nie eine wirtschaftliche Rolle spielten, wurden ganz weggelassen, um die Karte zu entlasten (z.B. Bauxit, Quecksilbererze, Bentonit, Steinkohle, Pyrit, Gold). 


          Bergbaue der Steiermark
          Bergbaue der Steiermark

          Speziell für den Volksschulbereich (3. und 4. Schulstufe) wurde die Karte „Bergbaue der Steiermark“ gezeichnet, welche nun nur mehr die sieben aktuellen Bergbaustandorte beinhaltet. 


          Quellenverzeichnis

          Kartengrundlage:
          Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

          Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
          https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

          Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
          https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf

          Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
          https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&
          Gesetzesnummer=10008568

          Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
          https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

          Autorinnen und Autoren

          Text und Arbeitsmaterialien:
          Mag. Michael Krobath (2006, 2013)

          Lehrplanbezüge:
          Mag. Michael Lieb

          Mögliche Lernziele:
          Mag. Michael Lieb

          Kartengestaltung:
          Mag. Michael Krobath (2006, 2013)

          Arbeitsmaterialien:
          Mag. Michael Krobath, Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb

          Web-Bearbeitung:
          Mag.a Bernadette Ebner (2019), Anna Weissinger BSc (2023)

          Redaktionelle Bearbeitung:
          Nora Schopper BA MSc, Anna Weissinger BSc (2023)

          Impressum: www.schulatlas.at